Eichhörnchen haben in Mitteleuropa zwei Würfe im Jahr: die ersten Jungen kommen meist im Februar oder März zur Welt, die zweiten im Mai oder Juni. Ein Wurf umfasst in der Regel drei bis fünf Junge. Sie kommen blind und nackt zur Welt, öffnen die Augen nach etwa einem Monat und verlassen das Nest mit zehn bis zwölf Wochen.
Für eine Nisthilfe im Garten folgt daraus eine Regel: Während der Aufzuchtzeiten bleibt der Kasten zu. Kontrolle und Reinigung gehören in den Spätherbst.
Zwei Wurfzeiten im Jahr
Die Paarung beginnt bereits im Dezember oder Januar, wenn die auffälligen Paarungsjagden zu beobachten sind, bei denen mehrere Männchen ein Weibchen durch die Kronen verfolgen. Nach einer Tragzeit von etwa 38 Tagen kommen die ersten Jungen im Februar oder März zur Welt, noch bei Frost. Der zweite Wurf folgt im Mai oder Juni.
Nicht jedes Weibchen bringt zwei Würfe durch, und nicht in jedem Jahr. Das hängt am Nahrungsangebot des Vorjahrs: Nach einem guten Bucheckern- oder Eichenjahr sind es mehr, nach einem schlechten weniger. Auch die Höhenlage verschiebt die Termine; in den Alpen und im Mittelgebirge liegt alles etwas später.
Für die Praxis heißt das: Februar bis August ist durchgehend Aufzuchtzeit. Wer in dieser Spanne einen Kasten öffnet, trifft mit hoher Wahrscheinlichkeit auf einen Wurf.
Wie viele Junge und wer sie aufzieht
Drei bis fünf Junge sind üblich, gelegentlich mehr oder weniger. Das Weibchen zieht sie allein auf; das Männchen ist an der Aufzucht nicht beteiligt. Die Jungen sind bei der Geburt blind, nackt und vollständig auf Wärme, Milch und Schutz der Mutter angewiesen; sie wiegen etwa 10 g.
Von außen ist einem Kasten nicht anzusehen, dass ein Wurf darin liegt. Genau deshalb ist der Kalender wichtiger als jede Sichtkontrolle.
Die Entwicklung, Woche für Woche
- Geburt: blind, nackt, etwa 10 g, vollständig abhängig von der Mutter.
- Ab etwa 3 Wochen: das Fell wächst.
- Nach etwa 4 Wochen: die Augen öffnen sich.
- 6 bis 8 Wochen: erste Ausflüge in die Nähe des Nests, erste feste Nahrung.
- 10 bis 12 Wochen: die Jungen sind entwöhnt und verlassen das Nest endgültig.
Mit etwa drei Monaten suchen die Jungtiere selbständig Futter. Manche bleiben bis in den ersten Winter locker im Streifgebiet der Mutter und müssen in diesem ersten Herbst lernen, eigene Vorratsdepots anzulegen und wiederzufinden. Daran entscheidet sich, ob sie den Winter überstehen.
Warum der Zeitpunkt bei der Nisthilfe so viel zählt
Daraus lohnt es sich, eine Gewohnheit zu machen: Einen Kasten während der Aufzuchtzeit nicht öffnen, nicht reinigen und nicht umhängen.
Ein gestörtes Weibchen trägt die Jungen unter Umständen zu früh um, gibt das Quartier ganz auf, oder die Jungen kommen beim Transport zu Schaden. Schon eine ruhige Kontrolle reicht dafür aus, also den Deckel anheben, an die Seitenwand klopfen oder den Kasten ein Stück versetzen.
Das sichere Fenster für Reinigung, Kontrolle der Befestigung und Reparaturen ist der Spätherbst, also Oktober oder November: nach dem zweiten Wurf und bevor die Paarungszeit im Dezember wieder beginnt. Was dabei zu tun ist, steht im Leitfaden zum Eichhörnchenhaus.
Rechtlich ist die Lage dabei eindeutig: Das Eichhörnchen ist besonders geschützt (Bundesnaturschutzgesetz mit Bundesartenschutzverordnung). Ein bewohnter Kobel oder Kasten darf nicht geöffnet, abgenommen oder zerstört werden. In Österreich und der Schweiz gilt Entsprechendes.
Ein Jungtier gefunden – was jetzt?
Junge Eichhörnchen landen gelegentlich am Boden: nach einem Sturm, einem Marderangriff oder wenn ein Ast nachgibt. Was dann gilt:
- Ein Jungtier, das Menschen hinterherläuft oder am Bein hochklettert, braucht sofort Hilfe. Dieses Verhalten ist ein Notsignal: Das Tier sucht die Mutter und ist unterkühlt oder ausgehungert. In diesem Fall nicht abwarten.
- Bei einem unverletzten, ruhigen Jungtier zuerst der Mutter eine Chance geben. Legen Sie es in einen flachen, warmen Behälter am Stammfuß und ziehen Sie sich zurück. Oft holt die Mutter es innerhalb weniger Stunden, besonders in der Dämmerung. Haustiere und Kinder in dieser Zeit fernhalten.
- Wärmen, aber richtig: eine Wärmflasche oder ein Kirschkernkissen in ein Tuch gewickelt, nie direkt auf die Haut und nie auf einer Heizung.
- Nichts zu trinken geben. Kuhmilch ist für junge Eichhörnchen gefährlich und kann tödlich enden. Auch Wasser mit der Spritze birgt Risiken.
- Kommt die Mutter nicht, oder ist das Tier verletzt, kalt oder noch nackt: sofort eine Wildtier- oder Eichhörnchen-Auffangstation kontaktieren. Die örtliche Naturschutzbehörde, ein Tierarzt oder eine Eichhörnchen-Hilfe vor Ort nennt die nächste Stelle.
Ziehen Sie ein Jungtier nicht selbst auf. Auch mit den besten Absichten geht dabei viel schief, und von Hand aufgezogene Tiere entwickeln die Fähigkeiten oft nicht, die sie draußen brauchen. Eine Auffangstation ist immer die richtige Adresse. Privat halten darf man Eichhörnchen in Deutschland ohnehin nicht.
Den Garten für das Jahr vorbereiten
Ob bei Ihnen schon Eichhörnchen wohnen oder Sie ihnen einen Grund geben wollen: Was um die Nisthilfe herum passiert, zählt mehr als der Kasten selbst. Ein Quartier zusammen mit einer verlässlichen Futterquelle wirkt spürbar, besonders im Februar und März, wenn der erste Wurf gesäugt wird und die Vorräte aufgebraucht sind. Den Plan über das Jahr finden Sie in Was Eichhörnchen fressen.
Und wenn Sie zwischen Futterstelle und Quartier abwägen: Eichhörnchenhaus oder Futterstelle geht die Frage durch. Wie Sie die Tiere überhaupt anlocken, steht in Eichhörnchen in den Garten holen.
Ein Quartier für die Aufzucht
Aus unbehandelter Zeder, mit geschlossener Höhle über dem Futterfach und zwei Öffnungen als Fluchtweg.
Eichhörnchenhaus ansehenFazit
Zwei Würfe im Jahr, drei bis fünf Junge pro Wurf und zehn bis zwölf Wochen bis zur Selbständigkeit ergeben eine Aufzuchtzeit von Februar bis August. Das Wichtigste, was Sie für eine Eichhörnchenfamilie im Garten tun können, lässt sich deshalb in einem Satz sagen: Den Kasten bis zum Spätherbst in Ruhe lassen.