Nein. Eichhörnchen sind tagaktiv: Sie sind bei Tageslicht unterwegs und ruhen nachts. Auffällig sind zwei Spitzen, kurz nach Sonnenaufgang und wieder am späten Nachmittag, bevor es dämmert.
Was nachts über der Decke poltert, hat in Mitteleuropa drei wahrscheinliche Ursachen, und ein Eichhörnchen gehört nicht dazu. Unten steht, wie sich der Tagesablauf über Tag und Jahr verschiebt, was die Begriffe tagaktiv, dämmerungsaktiv und nachtaktiv bedeuten und wie Sie einordnen, was Sie nach Sonnenuntergang hören.
Tagaktiv, dämmerungsaktiv, nachtaktiv
- Tagaktiv bedeutet: bei Tageslicht unterwegs, nachts in Ruhe. Das Eichhörnchen gehört hierher, ohne Ausnahme.
- Dämmerungsaktiv heißt, die Aktivität bündelt sich um Morgen- und Abenddämmerung. Eichhörnchen tendieren innerhalb ihres Tagesrhythmus dahin: Sie sind den ganzen Tag wach, aber die beiden geschäftigsten Phasen liegen an den Rändern des Tageslichts.
- Nachtaktiv bedeutet nachts unterwegs, tagsüber in Ruhe. Hierher gehören Siebenschläfer, Gartenschläfer, Steinmarder und Fledermäuse, und genau daraus entsteht die Verwechslung.
Ein Eichhörnchen stellt seinen Rhythmus also nicht auf die Nacht um. Wenn es lange nach Einbruch der Dunkelheit raschelt, kratzt oder läuft, ist ein anderes Tier verantwortlich.
Der Tagesrhythmus
Wer ein Eichhörnchen einen ganzen Tag beobachtet, sieht einen klaren Rhythmus statt durchgehender Aktivität. Nach Sonnenaufgang steigt die Aktivität schnell an: Die Tiere verlassen den Kobel, suchen Futter, kontrollieren ihre Depots und markieren ihr Streifgebiet. Über die Mittagszeit wird es ruhiger, am späten Nachmittag folgt eine zweite Phase, bevor sie sich für die Nacht zurückziehen.
Für die Beobachtung heißt das: Die ersten Stunden nach Sonnenaufgang und der späte Nachmittag sind verlässlich die besten Zeiten, unabhängig von der Jahreszeit.
Wie sich das über das Jahr verschiebt
Die zwei Spitzen bleiben über das Jahr erhalten, verändern aber ihre Form.
Im Sommer drückt die Mittagshitze die Aktivität nach unten. Zwischen etwa 11 und 15 Uhr wird es an heißen Tagen spürbar ruhig; die Tiere liegen im Schatten, oft ausgestreckt und flach auf einem Ast. Der Abstand zwischen Morgen- und Nachmittagsspitze wird dadurch größer.
Im Herbst steigt die Gesamtaktivität deutlich, weil Vorräte angelegt werden. Dann sind die Tiere über fast das ganze Tageslicht unterwegs und halten sich weniger an die zwei Spitzen.
Im Winter zieht sich alles auf die wärmste und hellste Zeit des Tages zusammen, meist wenige Stunden um die Mittagszeit. Eichhörnchen halten keinen Winterschlaf, sondern Winterruhe: Sie schlafen länger, sparen Energie und kommen bei mildem Wetter heraus. Tagaktiv bleiben sie in jeder Jahreszeit, nur die Uhrzeit verschiebt sich.
Was nachts über der Decke läuft
In Nordamerika lautet die Antwort auf diese Frage „Gleithörnchen“. In Mitteleuropa kommen Gleithörnchen nicht vor; hier sind es drei andere Verdachtsfälle, und sie lassen sich am Geräusch recht gut unterscheiden.
Siebenschläfer
Der häufigste Grund für nächtlichen Lärm im Dachboden. Erstaunlich laute Trippel- und Poltergeräusche für ein Tier von 100 g, dazu quietschende und kreischende Rufe. Kennzeichnend ist die Saison: aktiv von etwa Juni bis September, danach schlagartig still, weil er ab Oktober sieben Monate Winterschlaf hält. Wer im Oktober plötzlich Ruhe hat, hatte einen Siebenschläfer.
Steinmarder
Der lauteste Kandidat. Schwere Poltergeräusche, Schleifgeräusche, wenn Beute oder Nistmaterial transportiert wird, dazu Knurren und Fauchen bei Revierstreit. Aktiv das ganze Jahr, am lautesten in der Ranzzeit im Sommer. Schäden an Dämmung und Kabeln gehen fast immer auf ihn zurück, denn Fledermäuse nagen überhaupt nicht.
Fledermäuse
Deutlich leiser: feines Krabbeln, Zirpen und ein dumpfes Flattern, meist in der Abenddämmerung, wenn die Tiere ausfliegen. Wer sich zur Dämmerung nach draußen stellt, sieht sie unter dem Dachrand herauskommen. Der Kot ist trocken, krümelig und besteht aus Insektenresten. Wichtig: Fledermäuse sind streng geschützt, und ein besetztes Quartier darf nicht verschlossen werden. Mehr dazu in Können Fledermäuse gefahrlos in Menschennähe leben?
Und wenn der Lärm tagsüber kommt?
Dann kann es tatsächlich ein Eichhörnchen sein. Sie nutzen Dachböden und Zwischendächer gelegentlich als Quartier, erkennbar daran, dass die Geräusche am Morgen beginnen, mittags nachlassen und am späten Nachmittag wiederkommen. Nagegeräusche und gleichmäßiges Rascheln sprechen dagegen für Mäuse oder Ratten.
Die Geräusche auf einen Blick
Was Sie hören |
Wann |
Wahrscheinlich |
Lautes Poltern und Trippeln, Quietschen |
nachts, Juni bis September |
Siebenschläfer |
Schweres Poltern, Schleifen, Fauchen |
nachts, ganzjährig |
Steinmarder |
Feines Krabbeln, Zirpen, Flattern |
Dämmerung und Nacht, Sommer |
Fledermäuse |
Gleichmäßiges Rascheln, Nagen |
nachts |
Mäuse oder Ratten |
Trippeln mit Pause über Mittag |
tagsüber |
Eichhörnchen |
Bleibt es tagsüber an derselben Stelle still, ist das selbst ein Hinweis: Dann sitzt dort ein nächtlicher Bewohner.
Bevor Sie etwas verschließen
An diesem Punkt passieren die meisten Fehler. Eine Öffnung wird zugemacht, ohne zu prüfen, wer dahinter sitzt.
- Fledermäuse sind nach § 44 BNatSchG und Anhang IV der FFH-Richtlinie streng geschützt. Eine bewohnte Spalte zu verschließen ist ein Verstoß gegen dieses Verbot.
- Siebenschläfer und Gartenschläfer sind besonders geschützt, und ein eingemauerter Winterschläfer verhungert.
- Eichhörnchen sind besonders geschützt; ein Zugang mit Jungtieren dahinter darf nicht verschlossen werden.
- Steinmarder unterliegt dem Jagdrecht mit Schonzeiten.
Der Weg ist in allen Fällen derselbe: erst feststellen, wer es ist, dann den Zeitpunkt abwarten, an dem niemand mehr drin ist, und dann verschließen. Bei Fledermäusen die untere Naturschutzbehörde oder eine Fledermausberatung einschalten; in der Regel lässt sich eine Ersatzlösung einplanen.
Die besten Zeiten zum Beobachten
Für die tagaktiven Eichhörnchen, die Sie tatsächlich sehen wollen: die ersten zwei Stunden nach Sonnenaufgang und der späte Nachmittag. Im Sommer ist die Mittagspause die Gelegenheit, Futter nachzulegen und Wasser zu wechseln, ohne zu stören. Was wann ins Futterhaus gehört, steht in Was Eichhörnchen fressen.
Wenn Sie den Tieren einen Platz zum Ruhen und für die Jungen anbieten wollen, in Sichtweite des Küchenfensters, geht der Leitfaden zum Eichhörnchenhaus durch Höhe, Einflugmaß und Material. Je eher die Tiere ein Quartier im Garten haben, desto unwahrscheinlicher wird der Dachboden.
Ein Quartier im Garten statt im Dach
Aus unbehandelter Zeder, mit Höhle über dem Futterfach – 3 bis 6 m hoch am Stamm, in Sichtweite vom Fenster.
Eichhörnchenhaus ansehenFazit
Getrippel im Garten bei Tageslicht gehört zum normalen Tagesablauf eines Eichhörnchens. Poltert es nach Mitternacht über der Decke, sind Siebenschläfer oder Steinmarder die wahrscheinlichsten Bewohner, im Sommer auch Fledermäuse. In allen Fällen gilt, dass die Bestimmung vor der Maßnahme kommt.