Halten Eichhörnchen Winterschlaf? Was im Winter wirklich passiert

Do Squirrels Hibernate? What They Actually Do in Winter

Wer im Januar ein Eichhörnchen über den Rasen flitzen sieht, hat die Antwort vor Augen: Eichhörnchen halten keinen Winterschlaf. Sie bleiben den ganzen Winter über aktiv, nur unauffälliger als im Sommer. Was sie halten, heißt Winterruhe und funktioniert vollkommen anders. Hier steht, wo der Unterschied liegt, wohin die Tiere bei Frost verschwinden und was im Garten tatsächlich hilft.

Winterschlaf, Winterruhe, Winterstarre

Im Deutschen gibt es für drei ganz verschiedene Strategien drei Begriffe, und genau daran hängt die Antwort.

  • Winterschlaf. Die Körpertemperatur sinkt fast auf Umgebungsniveau, der Herzschlag fällt drastisch, und das Tier liegt monatelang ohne Nahrung da und lebt vom Fett. So machen es Siebenschläfer (der Name kommt von den rund sieben Monaten, die er verschläft), Gartenschläfer, Haselmaus, Igel, Fledermäuse, Murmeltier und in Österreich der Europäische Ziesel.
  • Winterruhe. Die Körpertemperatur bleibt normal. Das Tier schläft länger und ruht öfter, wacht aber regelmäßig auf, kommt heraus und frisst. Das ist die Strategie von Eichhörnchen, Dachs und Waschbär.
  • Winterstarre. Bei wechselwarmen Tieren wie Eidechsen, Fröschen und Insekten folgt die Körpertemperatur der Umgebung, und die Tiere sind bewegungsunfähig, bis es wärmer wird.

Eichhörnchen gehören damit klar in die mittlere Gruppe. Wenn ein Tier bei Frost ein paar Tage verschwindet und danach wieder an der Futterstelle auftaucht, ist genau das der Normalfall.

Wie der Winter eines Eichhörnchens abläuft

In der kalten Jahreszeit verschiebt sich vor allem der Tagesablauf. Die Tiere schlafen deutlich länger, bis zu 20 Stunden am Tag, und kommen meist nur für wenige Stunden um die Mittagszeit heraus, wenn es am wärmsten ist. Bei Dauerfrost, Sturm oder Schneefall bleiben sie ein oder zwei Tage im Quartier und leben von den Fettreserven und von Vorräten in Reichweite.

Das ist keine Ruhephase, in der der Stoffwechsel heruntergefahren wird, sondern das Abwarten von schlechtem Wetter. Sobald es nachlässt, sind sie wieder unterwegs.

Wohin sie sich zurückziehen

Baumhöhlen

Natürliche Höhlen in alten Bäumen sind die besten Winterquartiere: gedämmt, trocken und windgeschützt. Ein Eichhörnchen unterhält meist mehrere Quartiere in seinem Streifgebiet und wechselt zwischen ihnen.

Hier verdient sich ein Nistkasten seinen Platz. In Gärten und Neubaugebieten sind alte, höhlenreiche Bäume selten geworden, und ein dichter, wetterfester Kasten bietet denselben Schutz. Worauf es dabei ankommt, steht im Leitfaden zum Eichhörnchenhaus, einschließlich des zweiten Ausgangs, der bei einem Marderangriff über Leben und Tod entscheidet.

Der Kobel

Ist keine Höhle verfügbar, baut das Tier einen Kobel: ein kugeliges Nest aus Zweigen, Blattwerk und Rinde, innen mit Moos, Gras oder zerfaserter Rinde ausgepolstert. Kobel sind schneller gebaut, als sie stabil aussehen, und ein gut gebauter hält Wind und Schnee aus. Meist sitzen sie hoch in einer Astgabel, dicht am Stamm, wo es am wenigsten schwankt, und sie haben immer zwei Ausgänge.

Die eigentliche Winterstrategie: Vorräte

Weil Eichhörnchen aktiv bleiben, brauchen sie eine Nahrungsquelle, die nicht vom Wetter abhängt. Dafür legen sie im Herbst hunderte kleine Depots an, jedes mit einer oder wenigen Nüssen, verteilt über das ganze Streifgebiet. Ein geplündertes oder vergessenes Versteck kostet dadurch nie den ganzen Vorrat.

Wiedergefunden werden die Depots über Geruch und räumliches Gedächtnis, auch unter Schnee. Ein Teil bleibt liegen, und daraus wird die nächste Generation Eichen, Buchen und Haseln. Eichhörnchen sind auf diesem Weg einer der wichtigsten Waldverjünger.

Zwei Zeitpunkte sind kritisch: der erste starke Frost, wenn die Depots noch nicht vollständig angelegt sind, und der Spätwinter bis ins Frühjahr, wenn die Vorräte aufgebraucht sind, im Wald noch nichts nachwächst und gleichzeitig die ersten Jungen gesäugt werden. Den Plan über das Jahr finden Sie in Was Eichhörnchen fressen.

Warum das Winterquartier so viel zählt

Ein Tier, das den ganzen Winter aktiv bleibt, braucht trotzdem einen trockenen, gedämmten und windstillen Platz für die Nacht und für Schlechtwettertage. In Siedlungen mit jungen oder stark geschnittenen Bäumen ist dieser Platz der eigentliche Engpass, stärker noch als das Futter.

Ein Kasten an Stamm oder Pfosten, mit dem Einflug weg von der Hauptwindrichtung, gibt den Tieren die Höhle, die ein junger Baum nicht bieten kann. Ob Ihr Garten eher eine Unterkunft, eine Futterstelle oder beides braucht, klärt Eichhörnchenhaus oder Futterstelle.

Was Sie diesen Winter tun können

  • Die Futterstelle bis ins Frühjahr bestückt halten. Im Spätwinter ist die Not am größten, während im Dezember noch Vorräte da sind.
  • Wasser eisfrei halten. Bei Frost ist Trinkwasser knapper als Futter, und dieser Punkt wird regelmäßig übersehen. Täglich das Eis entfernen und nichts hineingeben, also kein Salz und kein Frostschutzmittel.
  • Eine Nisthilfe anbieten, 3 bis 6 m hoch am Stamm oder Pfosten, Einflug nach Osten bis Südosten und weg vom Wind.
  • Laub und Reisighaufen liegen lassen. Daraus bauen und reparieren die Tiere ihre Kobel.
  • Kobel und besetzte Kästen nicht stören. Die Tiere kehren über die Saison immer wieder zum selben Quartier zurück, und rechtlich ist ein bewohnter Kobel geschützt.
  • Marderschutz am Stamm. Eine glatte Manschette hält Steinmarder und Hauskatzen ab.

Wie Sie die Tiere über das ganze Jahr in den Garten holen, steht in Eichhörnchen in den Garten holen.

Rechtlicher Rahmen

Das Eichhörnchen ist in Deutschland besonders geschützt (Bundesnaturschutzgesetz mit Bundesartenschutzverordnung) und kein jagdbares Wild. Füttern und eine Nisthilfe anbringen sind unproblematisch. Einen bewohnten Kobel oder Kasten zu öffnen, abzunehmen oder zu zerstören ist dagegen verboten. In Österreich und der Schweiz gilt Entsprechendes.

Quartier und Futterstelle in einem

Aus unbehandelter Zeder, mit geschlossener Höhle über dem Futterfach – genau das, was im Winter fehlt.

Eichhörnchenhaus ansehen

Fazit

Eichhörnchen verschlafen den Winter nicht. Sie leben von dem, was sie im Herbst versteckt haben, ruhen mehr als im Sommer und ziehen sich nur bei schlechtem Wetter für ein oder zwei Tage zurück. Am meisten helfen ihnen ein trockenes Quartier, eisfreies Wasser und eine Futterstelle, die auch im Februar und März noch bestückt ist, weil es dann wirklich knapp wird.