Fledermäuse haben in der Popkultur einen schweren Stand. Scharfe Zähne, Flughäute, kopfüber hängend – und dann noch Dracula. Kein Wunder, dass viele Menschen zurückschrecken.
Die heimischen Arten sind allerdings etwas anderes als das Bild im Kopf: friedlich, ausschließlich insektenfressend und für Menschen ohne Interesse. Hier sind neun Fakten, die das einordnen.
Noch mehr davon steht in 14 faszinierende Fakten über Fledermäuse.
1. Die einzigen fliegenden Säugetiere
Menschen sind Säugetiere, Wale auch – und Fledermäuse ebenfalls. Sie sind die einzige Säugetiergruppe mit echtem aktivem Flug. Flughörnchen und Gleitbeutler gleiten nur.
Die Flughäute sind dünn, aber stabil und über die stark verlängerten Fingerknochen aufgespannt. Heimische Arten fliegen je nach Art etwa 20 bis 50 km/h; der Große Abendsegler gehört zu den schnellsten und schafft im Wanderflug deutlich mehr. Die Spitzenwerte von über 150 km/h, die manchmal zitiert werden, stammen von einer amerikanischen Art und nicht von den Tieren in europäischen Gärten.
2. Sie saugen kein Blut
Weltweit trinken genau drei Arten Blut, alle in Mittel- und Südamerika. Und selbst die saugen nicht: Sie ritzen die Haut an und lecken das austretende Blut. In Europa kommt keine dieser Arten vor.
Die 25 Arten in Deutschland und die rund 45 in Europa fressen ausschließlich Insekten. Was genau, steht in Was fressen Fledermäuse?
3. Sie sind die wirksamste Insektenregulierung der Nacht
Viele Arten nehmen pro Nacht über 30 % ihres Körpergewichts an Insekten auf. Eine Kolonie in einem großen Mehrkammer-Kasten kann aus 200 Tieren bestehen – und deren Jagdleistung summiert sich über eine Sommernacht erheblich.
Zur Ehrlichkeit gehört aber dazu: Die oft zitierten „1.000 bis 1.200 Insekten pro Stunde“ sind ein Laborwert unter idealen Bedingungen, keine Freilandzahl – und sie mit der Koloniegröße zu multiplizieren ergibt Zahlen, die in keinem Garten vorkommen. Die belastbare Rechnung steht in Wie viele Mücken frisst eine Fledermaus?
4. Tollwut ist selten – aber ernst zu nehmen
Fledermäuse meiden Menschen. Sie greifen nicht an, und ein Biss passiert praktisch nur, wenn jemand ein Tier in die Hand nimmt.
Trotzdem gehört dieser Punkt klar gesagt, denn hier wird oft verharmlost: Heimische Fledermäuse können europäische Fledermaus-Lyssaviren tragen, die mit dem Tollwutvirus verwandt sind. Nachgewiesene Übertragungen auf Menschen sind in Europa äußerst selten – eine einstellige Zahl von Fällen insgesamt. Eine ausgebrochene Tollwuterkrankung verläuft aber praktisch immer tödlich.
Deshalb gilt ausnahmslos: kein Tier mit bloßen Händen anfassen, immer Handschuhe. Wenn Sie gebissen oder gekratzt wurden, waschen Sie die Stelle gründlich mit Wasser und Seife und gehen Sie umgehend zum Arzt. Eine Impfung nach dem Kontakt schlägt zuverlässig an, wenn sie früh erfolgt – abwarten ist die falsche Reaktion. Ein Fledermauskasten am Haus ändert an diesem Risiko nichts, weil Sie mit den Tieren darin gar nicht in Kontakt kommen.
5. Sie sind nicht blind
„Blind wie eine Fledermaus“ ist falsch. Alle Arten können sehen, manche sogar gut – sie verlassen sich nachts nur nicht darauf.
Zum Jagen nutzen sie Echoortung: kurze Ultraschallrufe, deren Echos sie auswerten. Daraus ergibt sich, wo ein Insekt sitzt, wie groß es ist und wohin es fliegt. Je näher die Beute, desto dichter die Rufe – kurz vor dem Zugriff bis zu 200 pro Sekunde.
Gejagt wird nachts, weil dann die meisten Insekten fliegen und weil Tagraubvögel schlafen.
6. Die meisten sind gesellig
Die meisten heimischen Arten leben in Gruppen. Weibchen bilden im Sommer Wochenstuben, in denen sie gemeinsam ihre Jungen aufziehen – je nach Art von einem Dutzend bis zu mehreren hundert Tieren. Männchen sitzen in dieser Zeit einzeln oder in kleinen Gruppen.
Genau deshalb funktionieren Kästen: Sie bieten den Weibchen den warmen, engen Raum, den eine Wochenstube braucht.
7. Guano ist ein ausgezeichneter Dünger
Fledermauskot heißt Guano und ist unter Gärtnern geschätzt: hoher Stickstoff- und Phosphatgehalt und eine Mikroflora, die dem Bodenleben guttut. Bei unten offenen Kästen fällt er von selbst hindurch – eine Schale darunter, und Sie haben Dünger für die Beete.
8. Etwa jede fünfte Säugetierart ist eine Fledermaus
Weltweit sind über 1.400 Fledermausarten beschrieben. Das ist rund ein Fünftel aller bekannten Säugetierarten – nach den Nagetieren die zweitgrößte Gruppe überhaupt. Fledermäuse sind dabei selbst keine Nagetiere, sondern eine eigene Ordnung.
9. Viele Arten sind gefährdet – und alle sind geschützt
In Deutschland stehen die meisten Fledermausarten auf der Roten Liste, einige gelten als stark gefährdet. Alle heimischen Arten sind nach dem Bundesnaturschutzgesetz streng geschützt und in Anhang IV der EU-Fauna-Flora-Habitat-Richtlinie geführt.
Der Hauptgrund ist nicht der schlechte Ruf, sondern der Verlust von Quartieren: gedämmte Dachböden, verschlossene Fugen, gefällte Höhlenbäume – dazu weniger Insekten als Nahrung.
Genau hier können Sie etwas tun. Ein Kasten an der sonnigen Hauswand ersetzt ein verlorenes Quartier, und ein Garten ohne Pestizide liefert die Nahrung dazu.
Möchten Sie damit anfangen? Sehen Sie sich unsere Fledermauskästen an – und lesen Sie vorher den Standort-Leitfaden, weil der Platz mehr entscheidet als das Modell.
Und die Mythen?
Was sonst noch über Fledermäuse erzählt wird und was davon stimmt, steht in Mythen und Fakten über Fledermäuse.