Mythen über Fledermäuse: Was stimmt und was nicht

Some Interesting Busted Myths and Facts About Bats!

Vampirfilme, Angst vor Tollwut, Fledermäuse in den Haaren, blutsaugende Tiere, blind wie eine Fledermaus: Hier steht sachlich, was davon zutrifft – ohne die Tiere schönzureden und ohne sie schlechtzumachen.

Der größte Teil der Fehlinformation kommt aus einer Lücke in der Beobachtung. Fledermäuse arbeiten nachts, während wir schlafen, und die Vorstellung füllt die Lücke. Allgemeine Fakten statt Mythen stehen in 9 Fakten über Fledermäuse.

Die verbreiteten Mythen

1. „Fledermäuse sind blind“

Falsch. Jede Fledermausart kann sehen, und einige sehen sehr gut. Flughunde haben große, nach vorn gerichtete Augen und finden ihre Nahrung mit Augen und Nase. Die heimischen, insektenfressenden Arten haben kleinere Augen, die auf schwaches Licht ausgelegt sind, und nutzen die Echoortung zusätzlich – nicht anstelle des Sehens. Für die weite Orientierung über Landschaft brauchen sie die Augen.

Dieser Punkt hat einen eigenen Beitrag verdient: Sind Fledermäuse blind? Sehen und Echoortung.

2. „Fast alle Fledermäuse haben Tollwut“

Falsch – aber hier ist die richtige Vorsicht wichtiger als die Entwarnung.

Der Anteil infizierter Tiere ist gering und liegt in der Größenordnung anderer Wildtiere. In Deutschland gibt es jedoch Europäische Fledermaus-Lyssaviren (EBLV), die mit dem Tollwutvirus verwandt sind und bei Bissen übertragen werden können. Daraus folgt eine Regel ohne Ausnahme:

  • Nie eine Fledermaus mit bloßen Händen anfassen – auch kein geschwächtes oder scheinbar totes Tier. Für die Bergung feste Handschuhe oder ein Tuch und eine Schachtel verwenden.
  • Nach Biss oder Kratzer am selben Tag zum Arzt. Eine Impfung nach dem Kontakt wirkt zuverlässig, wenn sie rechtzeitig beginnt.
  • Fundtiere melden – die örtliche Fledermausberatung, der NABU oder der LBV können weiterhelfen.

„Fledermäuse sind harmlos“ ist also die falsche Formulierung. Richtig ist: Sie suchen keinen Kontakt zu Menschen, und solange man sie nicht anfasst, gibt es kein Risiko.

3. „Fledermäuse verfangen sich in den Haaren“

Der Klassiker, und er hält keinem Nachdenken stand. Ein Tier, das im Dunkeln einen Nachtfalter aus der Luft holt, hat mit einem menschlichen Kopf kein Ortungsproblem. Fledermäuse, die dicht an Menschen vorbeifliegen, jagen die Insekten, die sich um uns sammeln – besonders an warmen Abenden unter einer Lampe.

Derselbe Mythos kommt in anderen Varianten vor; in Südasien heißt es, eine Fledermaus gehe auf die Augen, wenn man sie zu lange ansieht. Wie jedes Tier wehrt sich eine Fledermaus, wenn sie sich in die Enge getrieben fühlt. Lässt man sie in Ruhe, hat sie an Menschen kein Interesse.

4. „Fledermäuse saugen Menschenblut“

Der Menschenblut-Teil ist ein Mythos, der Blut-Teil nicht – für drei Arten. Vampirfledermäuse leben in Süd- und Mittelamerika und ernähren sich von Tierblut, meist von Rindern und Vögeln. Gesaugt wird dabei nichts: Sie setzen einen flachen Biss und lecken auf, was nachläuft, in der Regel ohne dass das Tier es merkt.

In Europa kommt keine dieser Arten vor. Alle 25 in Deutschland heimischen Arten fressen ausschließlich Insekten.

5. „Fledermäuse sind fliegende Mäuse“

Nicht verwandt, trotz der Ähnlichkeit. Die spitze Schnauze und die kleinen Augen sind Zufall. Fledermäuse bilden eine eigene Ordnung, die Chiroptera – „Handflügler“ – und stammen so wenig von Mäusen ab wie wir. Der erste Teil des deutschen Namens kommt von „flattern“; verwandt sind die beiden Tiergruppen trotzdem nicht.

6. „Fledermäuse am Haus richten Schaden an“

Der Mythos, der in Deutschland am meisten Schaden anrichtet – weil er dazu führt, dass Quartiere zugemacht werden.

Fledermäuse nagen nicht. Sie haben kein Nagegebiss, erweitern keine Spalten, zerstören keine Dämmung und knabbern keine Kabel an – anders als Mäuse oder Steinmarder, mit denen sie oft verwechselt werden. Wer Nagespuren findet, hat kein Fledermausproblem.

Der Kot ist trocken, krümelig und besteht aus Insektenresten. Er lässt sich abfegen und ist ein guter Gartendünger; was unter dem Quartier liegt, kann ins Beet. Und rechtlich ist die Lage klar: Ein besiedeltes Quartier darf nicht verschlossen werden. Alle heimischen Arten sind nach § 44 BNatSchG und Anhang IV der FFH-Richtlinie streng geschützt; das Zusetzen einer bewohnten Spalte ist ein Verstoß, nicht eine Renovierungsmaßnahme.

Und nun die Fakten

  1. 25 Arten leben in Deutschland, von der Zwergfledermaus mit 3,5 bis 8 g bis zum Großen Mausohr mit rund 30 g und 40 cm Flügelspannweite.
  2. Fledermäuse werden sehr alt. Ringfunde belegen bei der Brandtfledermaus über 40 Jahre – für ein Säugetier von wenigen Gramm außergewöhnlich. Eine Maus vergleichbarer Größe lebt zwei bis drei Jahre.
  3. Manche Arten ziehen weit. Abendsegler wechseln zwischen Sommer- und Winterquartier über mehr als 1.000 km; einzelne Ringfunde liegen bei über 1.600 km.
  4. Im Winterschlaf fährt alles herunter. Die Körpertemperatur sinkt auf die Umgebungstemperatur, der Herzschlag von mehreren hundert Schlägen pro Minute auf etwa zehn. Jede Störung kostet Fettreserven, die bis zum Frühjahr reichen müssen.
  5. Eine Zwergfledermaus frisst bis zu etwa 2.000 kleine Insekten pro Nacht. Den größten Anteil haben Zuckmücken, die nicht stechen, dazu Nachtfalter, Käfer und Stechmücken.
  6. Ein Junges pro Jahr. Weibchen bringen in der Regel ein Jungtier zur Welt, seltener Zwillinge. Genau deshalb erholen sich Bestände nach Verlusten so langsam.
  7. Wochenstuben sind reine Weibchengesellschaften. Die Männchen hängen während der Aufzucht einzeln oder in kleinen Gruppen – deshalb sind es meist sie, die zuerst in einen neuen Kasten einziehen.
  8. Die Rufe reichen bis etwa 110 kHz, weit oberhalb der menschlichen Hörgrenze. Mit einem Detektor lassen sich die Arten am Ruf unterscheiden.

Ein Quartier anbieten

Kästen aus unbehandelter Zeder mit aufgerauter Innenseite und Spaltmaßen von 15 bis 20 mm – den Maßen, auf die es bei den heimischen Arten ankommt.

Fledermauskästen ansehen

Fazit

Die meisten Fledermausmythen sind harmlos und schlicht falsch. Zwei sind es nicht: Wer glaubt, Fledermäuse seien „vollkommen harmlos“, fasst irgendwann eines an – das sollte niemand tun. Und wer glaubt, sie richteten am Haus Schaden an, macht Quartiere zu, die in Siedlungen ohnehin knapp sind.

Welcher Kasten zu welchem Garten passt, steht im Modellvergleich, und warum ein Quartier überhaupt etwas bringt, in Warum ein Fledermauskasten sinnvoll ist.