Eulenrufe erkennen: Gesang, Schrei, Quietschen und Zischen

Owl Sounds Decoded: Hoots, Screeches, Whinnies and Hisses

Die Schleiereule kreischt. Einen Gesang im üblichen Sinn hat sie überhaupt nicht, obwohl ihr Name anderes vermuten lässt. Das tiefe „huuh – hu-huhuhuuuh“, das jeder für „die Eule“ hält, stammt dagegen von einer einzigen Art: dem Waldkauz. Sieben Arten rufen nachts über Mitteleuropa, jede mit eigener Signatur. Kennt man fünf oder sechs davon, wird aus dem nächtlichen Geräusch ein Gespräch, dem man folgen kann.

Nutzen Sie diesen Text als Bestimmungshilfe. Zu jeder Art steht hier, wie der Ruf klingt, wann Sie ihn am ehesten hören und wovon er sich abgrenzt.

Vorweg: Eule oder Kauz?

Die beiden Wörter trennen keine Verwandtschaft. Alle heimischen Arten gehören zur Ordnung der Eulen; „Kauz“ ist ein umgangssprachlicher Name für die Arten ohne aufstellbare Federohren, also Waldkauz, Steinkauz, Raufußkauz und Sperlingseule. Mit „Eule“ werden meist die Arten mit Federohren bezeichnet, Uhu und Waldohreule, wobei die Schleiereule wiederum keine hat und trotzdem Eule heißt. Beim Bestimmen am Ohr hilft die Unterscheidung nicht weiter. Beim Lesen von Büchern und Meldeportalen schon.

Waldkauz: der Gesang, den jeder kennt

Die häufigste Eule Mitteleuropas und in aller Regel die Antwort auf die Frage „Was war das?“. Der Reviergesang des Männchens ist ein tiefes, gedehntes „huuh“, nach kurzer Pause gefolgt von einer bebenden Strophe „hu-huhuhuuuh“. Dazu kommt ein kurzer, scharfer Kontaktruf, der wie „kuwitt“ klingt. Aus diesem Ruf hat der Volksglaube den Totenvogel gemacht, weil man ihn als „komm mit“ deutete.

Wann: Hauptbalz im Februar und März, zweite Rufphase im Oktober und November, wenn die Jungvögel abwandern. Wo: Ältere Laub- und Mischwälder, aber auch Parks, Friedhöfe und Wohnviertel mit großen Bäumen. Abgrenzung: Kein anderer heimischer Vogel bringt diese Tonhöhe mit dieser Länge zusammen. Mehr dazu, was ein solcher Ruf über Ihr Grundstück aussagt, steht in unserem Beitrag dazu, warum Eulen nachts rufen.

Schleiereule: der heisere Schrei

Kein Gesang, sondern ein gedehnter, heiserer Schrei mit rauem Beiklang, als würde jemand ein Blech zerreißen. Er trägt weit und kann beim ersten Mal in der Nähe einer Scheune tatsächlich erschrecken. Aus dem Nest kommt zusätzlich ein schnarchendes Zischen: bettelnde Jungvögel, die um Fütterung bitten.

Wann: In der Nähe besetzter Brutplätze das ganze Jahr, deutlich mehr im Frühjahr und Sommer, wenn Junge versorgt werden. Wo: Kirchtürme, Scheunen, Ställe und Dachböden mit dauerhaft offener Einflugmöglichkeit, dazu offenes Grünland zur Jagd. Abgrenzung: Wer einen Schrei hört, hat keine Kauzart vor sich.

Waldohreule: der unauffälligste Gesang, die lautesten Jungen

Der Gesang der Altvögel wird regelmäßig überhört: ein dumpfes, monotones „huh“ im Abstand von wenigen Sekunden, das nur einige hundert Meter trägt und leicht für ein fernes technisches Geräusch gehalten wird. Bekannter sind die Jungen. Nach dem Ausfliegen betteln sie mit einem gedehnten, quietschenden „psiiiep“, das klingt wie ein Gartentor, das seit Jahren kein Öl gesehen hat – stundenlang, oft aus einer Fichte oder Kiefer mitten im Wohngebiet.

Wann: Gesang von Februar bis April, Bettelrufe der Jungen vor allem im Juli und August. Wo: Feldgehölze, Baumreihen und Nadelbäume in Siedlungsnähe; im Winter oft in Schlafgemeinschaften. Abgrenzung: Das Quietschen ist unverwechselbar und praktisch immer diese Art.

Steinkauz: der fragende Ruf aus der offenen Landschaft

Ein ansteigendes, fragend klingendes „guuhk“, oft in lockerer Folge wiederholt, dazu ein scharfes, erregtes „kwiu“. Die Art ist deutlich kleiner als der Waldkauz, und der Ruf ist entsprechend höher und kürzer.

Wann: Vor allem März und April, in milden Nächten auch im Spätherbst. Wo: Offene, kurz gehaltene Landschaft mit Streuobstwiesen, Kopfweiden, alten Einzelbäumen und Scheunen, nicht im geschlossenen Wald. Abgrenzung: Wer den Ruf hört, steht meist nicht im Wald. Der Lebensraum bestimmt hier fast schon die Art.

Uhu: der tiefste Ruf im Land

Ein sehr tiefes, kurzes „buho“, in ruhigen Nächten von einer Felswand oder aus einem Steinbruch über mehrere Kilometer zu hören. Der Ruf erklärt den Namen der Art. Er liegt so tief, dass er körperlich wahrnehmbar wird, wenn man nah genug steht.

Wann: Balzrufe von Januar bis März, vereinzelt schon ab Oktober. Wo: Felswände, Steinbrüche, große Brücken und Gebäude, zunehmend auch in Stadträndern. Abgrenzung: Zwei kurze, sehr tiefe Silben, wo der Waldkauz eine lange Strophe singt.

Raufußkauz: die flötende Reihe

Eine rasche, gleichmäßige Reihe weicher Pfiffe, „pu-pu-pu-pu-pu“, flötenartig und mit ansteigender Lautstärke zum Ende hin. Sehr charakteristisch, wenn man sie einmal gehört hat, und in der Dunkelheit weit zu orten.

Wann: März und April, in den ersten Nachtstunden. Wo: Ältere Nadel- und Mischwälder, besonders in Mittelgebirgen und Alpennähe, angewiesen auf alte Schwarzspechthöhlen. Abgrenzung: Die schnelle Reihe unterscheidet ihn von der Sperlingseule.

Sperlingseule: der einzelne hohe Pfiff

Unsere kleinste Eule, kaum größer als ein Star, mit einem entsprechend kleinen Ruf: ein einzelner, klarer, hoher Pfiff im Abstand von etwa zwei Sekunden, geduldig wiederholt. Im Herbst kommt eine ansteigende Tonleiter dazu.

Wann: In der Morgen- und Abenddämmerung, Hauptrufzeit März und April sowie Spätsommer bis Herbst. Wo: Strukturreiche Nadelwälder der Mittelgebirge und Alpen. Abgrenzung: Sie setzt einzelne Pfiffe, während der Raufußkauz eine schnelle Reihe flötet.

Nicht jeder Laut ist ein Reviergesang

Bettelrufe. Im Sommer, nach dem Schlupf, hören Sie dünne, wiederholte, keuchende Töne aus einem Kasten oder von einem Ast in der Nähe. Das sind Jungvögel, die um Futter bitten. Es ist zugleich der zuverlässigste Hinweis darauf, dass in Ihrer Nähe erfolgreich gebrütet wurde.

Schnabelknappen und Zischen. Wer einem besetzten Brutplatz zu nahe kommt, bekommt ein hartes Klappen mit dem Schnabel und ein rauschendes Zischen zu hören. Das ist eine Drohung. Die richtige Antwort darauf ist, den Abstand wieder zu vergrößern, zumal das Stören von Eulen an besetzten Brutplätzen nach § 44 BNatSchG verboten ist.

Duett. Ruft es aus zwei Richtungen im Wechsel, mit unterschiedlicher Tonhöhe, dann hören Sie ein Paar. Beim Waldkauz ist dieses Wechselspiel aus Gesang und „kuwitt“ besonders gut zu verfolgen.

Eule – oder etwas ganz anderes?

Nachtgeräusche werden ständig falsch zugeordnet. Die vier häufigsten Verwechslungen:

  • Rotfuchs: In der Ranzzeit im Dezember, Januar und Februar stößt die Füchsin einen durchdringenden, fast menschlich klingenden Schrei aus, das Männchen bellt heiser in kurzen Folgen. Schärfer und stechender als jeder Eulenruf und ohne jeden Rhythmus. Wird nicht selten für einen menschlichen Hilferuf gehalten.
  • Waschbär: Keckern, Knurren und Fauchen, meist in kurzen Ausbrüchen, wenn zwei Tiere aneinandergeraten, dazu Poltern auf dem Dach oder im Dachboden. Rau und ungeordnet, ohne den getragenen, gepfiffenen Charakter eines Eulenrufs. Als eingewanderte Art inzwischen in vielen Regionen häufig.
  • Igel: In der Paarungszeit von Mai bis August ein lautes, anhaltendes Schnauben und Fauchen dicht am Boden, das eher an ein kleines Schwein erinnert als an einen Vogel. Wird regelmäßig für ein verletztes Tier gehalten und ist es fast nie.
  • Nachts singende Singvögel: Amsel und Rotkehlchen beginnen unter Straßenlaternen Stunden vor der Dämmerung zu singen – melodisch, vieltönig und in Strophen, also in jeder Hinsicht anders als ein Eulenruf. In Heide- und Kiefernlandschaften kommt der Ziegenmelker dazu, dessen minutenlanges, maschinelles Schnurren die meisten für Technik halten.

Bleibt es beim Nagen, Poltern und Rumoren über der Decke statt bei Rufen im Freien, sitzt die Ursache nicht auf dem Baum. Welche Arten das sein können und was man vor dem Verschließen einer Öffnung wissen muss, steht in unserem Beitrag dazu, was nachts wirklich im Dach unterwegs ist.

Bitte keine Klangattrappen

Der Reflex, eine Aufnahme abzuspielen, um eine Antwort zu bekommen, ist verständlich. Er schadet trotzdem. Für die Eule ist die Aufnahme ein Rivale mitten im eigenen Revier: Sie antwortet unter Energieaufwand, verlässt den Ansitz und unterbricht die Jagd. In der Brutzeit kann gezieltes Anlocken eine erhebliche Störung streng geschützter Arten darstellen. Wer stattdessen notiert, wann und aus welcher Richtung gerufen wird, kommt über ein paar Nächte ohnehin weiter.

Mehr Hörgelegenheiten schaffen

Wer das ganze Rufspektrum einer Art über eine Saison hören will, braucht ein Paar, das bleibt, und dazu gehört ein Brutplatz. Der Waldkauz nimmt einen Kasten in 4 bis 6 m Höhe an einem freistehenden Baum mit freier Anflugschneise an. Der Steinkauz braucht 3 bis 5 m und offenes, kurz gehaltenes Grünland in Reichweite. Die Schleiereule brütet im Gebäude, in 4 bis 8 m Höhe, mit dauerhaft offenem Einflug. Der Uhu nimmt keinen Kasten an; er brütet an Felsen, in Steinbrüchen und am Boden.

Unser Eulenkasten ist auf diese artgerechte Bauweise ausgelegt. Ergänzend: was Eulen tatsächlich fressen. Und wenn die nächtliche Kulisse aus schnellem Flattern über dem Garten besteht, hilft unser Bereich zum Lebensraum von Fledermäusen weiter.

Vom Zuhören zum Brutplatz

Ein artgerechter Kasten gibt einem Revierpaar den Grund zu bleiben.

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