Eulen sind Beutegreifer, und bei fast allen Arten stellen Kleinsäuger den größten Teil der Nahrung: Wühl- und Feldmäuse, Waldmäuse, Spitzmäuse, Ratten. Ab da wird es sehr unterschiedlich. Eine Sperlingseule von 60 g jagt Mäuse, die kaum kleiner sind als sie selbst; ein Uhu schlägt Kaninchen, Igel und gelegentlich andere Eulen.
Vor allem Mäuse
Die heimischen Eulen sind in erster Linie Mäusejäger. Die Feldmaus ist bei den meisten Arten die wichtigste Beute überhaupt, und weil ihre Bestände in mehrjährigen Zyklen schwanken, schwankt der Bruterfolg der Eulen mit. In einem guten Mäusejahr zieht eine Schleiereule zwei Bruten mit je fünf bis sieben Jungen hoch, in einem schlechten brütet sie gar nicht.
Kleinere Arten ergänzen den Speiseplan mit Insekten, größere mit Vögeln und mittelgroßen Säugern. Entscheidend sind dabei die Größe der Eule und der Lebensraum, in dem sie jagt.
Wie Eulen jagen
Der ganze Körperbau dient einem Zweck: sich der Beute zu nähern, ohne gehört zu werden. Die vorderen Federkanten der Flügel tragen einen kammartigen Fransensaum, und die Federoberfläche ist samtig. Beides bricht die Luftverwirbelung, die sonst das Fluggeräusch erzeugt.
Dazu kommt das Gehör. Der Gesichtsschleier wirkt als Parabolspiegel und führt Schall zu den Ohröffnungen, die bei mehreren Arten unterschiedlich hoch am Kopf sitzen. Aus dem winzigen Zeitunterschied zwischen beiden Ohren errechnet das Tier die Höhe der Schallquelle und kann eine Maus unter Grasdecke oder Schnee auf wenige Zentimeter genau orten, ohne sie zu sehen. Eine Schleiereule jagt so auch in völliger Dunkelheit.
Gejagt wird meist von einer Sitzwarte aus oder im langsamen Suchflug dicht über offenem Gelände. Zugeschlagen wird mit den Füßen voraus.
Was die einzelnen Arten fressen
Die Beute unterscheidet sich stark von Art zu Art. So sieht es bei den Eulen aus, die in Deutschland, Österreich und der Schweiz vorkommen.
Schleiereule
Die spezialisierteste Art auf dieser Liste. Kaum ein Greifvogel ist so einseitig auf Kleinsäuger festgelegt: rund 90 % Mäuse, vor allem Feldmäuse und Spitzmäuse, dazu gelegentlich ein Kleinvogel. Sie jagt über Wiesen, Weiden, Feldrändern und Gräben, mehr nach Gehör als nach Sicht.
Als Kulturfolger brütet sie in Gebäuden, in Kirchtürmen, Scheunen und auf Dachböden, und genau daran fehlt es: Sanierte Kirchen und verschlossene Scheunentore haben ihr in vielen Regionen die Quartiere genommen. Ein Kasten mit Einflug in ein Gebäude ist für diese Art die wirksamste Maßnahme überhaupt. Mehr dazu in Eulenkästen: sichere Quartiere für die Jäger der Nacht.
Waldkauz
Die häufigste Eule bei uns und der Generalist der Gruppe. Auf dem Speiseplan stehen Mäuse aller Art, dazu Kleinvögel, Frösche, Regenwürmer, große Käfer und in Siedlungen auch Ratten. Er passt sich an wie kaum eine andere Art und brütet in Parks und auf Friedhöfen mitten in Städten.
Wichtig für jeden, der mehrere Nisthilfen im Garten plant: Waldkäuze schlagen auch Fledermäuse am Quartierausgang. Eulen- und Fledermauskasten gehören deshalb nicht nebeneinander. Die Begründung steht in Die stillen Jäger.
Uhu
Die größte Eule der Welt, mit bis zu 1,7 m Flügelspannweite, und der kräftigste Jäger auf dieser Liste. Sein Beutespektrum ist enorm: Ratten, Kaninchen, Igel, Tauben, Krähen, Enten, Fische, gelegentlich auch andere Eulen und Greifvögel. Der Uhu ist der einzige heimische Vogel, der einem erwachsenen Eichhörnchen gefährlich wird.
In den 1960er-Jahren war er in Deutschland fast verschwunden; heute brütet er wieder in Steinbrüchen, Felswänden und vereinzelt an Gebäuden. Einen Kasten nimmt er nicht an, denn er braucht Felsnischen oder Bodenbruten. Für den Garten ist er keine Art.
Steinkauz
Der kleine Kauz der Streuobstwiesen, auch am Tag oft zu sehen. Er frisst deutlich mehr Insekten als die anderen Arten: Laufkäfer, Grillen, Ohrwürmer, dazu Regenwürmer, Mäuse und gelegentlich Kleinvögel. Regenwürmer zieht er bei feuchtem Wetter zu Fuß aus dem Boden.
Er braucht kurzrasige Wiesen mit alten Obstbäumen und ist mit dem Verlust der Streuobstwiesen stark zurückgegangen. Wo Quartiere fehlen, nimmt er Steinkauzröhren gut an.
Raufußkauz
Ein reiner Waldvogel, der fast ausschließlich Wühlmäuse und Waldmäuse jagt, dazu Kleinvögel. Er brütet in Schwarzspechthöhlen in Nadel- und Mischwäldern und legt in guten Mäusejahren Vorräte in der Höhle an.
Sperlingseule
Mit etwa 17 cm und 60 g die kleinste Eule Europas, kaum größer als ein Star. Sie jagt Mäuse und Kleinvögel bis zur eigenen Größe und legt im Herbst Beutedepots in Baumhöhlen an, die im Winter geleert werden. Ein Vogel der großen Nadelwälder, in Mittelgebirgen und Alpen.
Waldohreule
Ein weiterer Feldmaus-Spezialist, der in offenem Gelände jagt und in alten Krähennestern brütet. Im Winter bildet sie Schlafgemeinschaften, oft mitten in Ortschaften, Dutzende Tiere in einer Koniferengruppe, unter der der Boden von Gewölle bedeckt ist.
Gewölle: der Blick in den Speiseplan
Eulen schlucken kleine Beute ganz und größere in Stücken. Was sie nicht verdauen können, also Haare, Federn und Knochen, wird im Magen zu einem länglichen Ballen gepresst und einige Stunden nach der Mahlzeit wieder ausgewürgt. Dieses Gewölle ist trocken, geruchsarm und lässt sich mit den Fingern auseinandernehmen.
Gewölle unter einem Ansitz oder Kasten ist der klarste Hinweis darauf, wer dort wohnt und was er frisst. Zerlegt man eines, findet man typischerweise:
- Schädel und Unterkiefer von Kleinsäugern, oft so gut erhalten, dass die Art bestimmbar ist; an den Zähnen lässt sich Feldmaus von Spitzmaus unterscheiden
- Haare, zu einem Filz verklebt, mit feinen Knochenteilen darin
- Federn und Schnabelteile bei Arten, die Vögel schlagen
- Chitinreste von Käfern, vor allem beim Steinkauz
Es ist eine verlässliche Methode, die Art zu bestimmen, ohne den Vogel je zu sehen. Beim Zerlegen Handschuhe tragen und danach die Hände waschen.
Wie viel eine Eule frisst
Bezogen auf das Körpergewicht ziemlich viel. Eine Schleiereule braucht etwa drei bis vier Mäuse pro Nacht; ein Paar mit Jungen im Nest deutlich mehr, weil die Alttiere dann fast ohne Pause jagen. Über eine Brutsaison summiert sich das auf eine vierstellige Zahl von Mäusen, die ein Schleiereulenpaar mit Nachwuchs aus der Umgebung holt.
Genau deshalb sind Eulen in der Landwirtschaft seit jeher als Mäusejäger geschätzt. Eine steuerbare Maßnahme sind sie dabei nicht: Eine Eule jagt dort, wo die Mäuse sind, und ob sie einen Kasten annimmt, entscheidet sie selbst.
Rechtlicher Rahmen
Alle heimischen Eulenarten sind streng geschützt, nach § 44 BNatSchG und, als europäische Vogelarten, nach der EU-Vogelschutzrichtlinie; Uhu und Steinkauz stehen zusätzlich in deren Anhang I. Einen Kasten anzubringen ist unproblematisch. Ist er besetzt, gilt: nicht öffnen, nicht hineinleuchten, nicht umhängen. Kontrolle und Reinigung nur außerhalb der Brutzeit, in der Regel im September oder Oktober, denn Waldkäuze beginnen die Brut bereits im Februar. In Österreich und der Schweiz gilt Entsprechendes.
Ein Quartier für die Jäger der Nacht
Unser Eulenkasten aus unbehandelter Zeder – mit den Maßen, auf die es bei höhlenbrütenden Arten ankommt.
Eulenkasten ansehenFazit
Der gemeinsame Kern sind Mäuse, und zwar viele. Darum herum ordnet sich alles nach Größe und Lebensraum: Der Steinkauz holt Käfer und Regenwürmer von kurzrasigen Wiesen, die Schleiereule fast nur Feldmäuse aus dem offenen Land, der Waldkauz nimmt praktisch alles, und der Uhu schlägt, was andere Eulen nicht schaffen.
Welche Art bei Ihnen in Frage kommt und wie ein Kasten angebracht wird, steht in Eulen anlocken: der vollständige Leitfaden.