Eulen rufen, um ihr Revier zu behaupten und um mit dem Partner in Kontakt zu bleiben. Nach Einbruch der Dunkelheit tun sie das aus zwei Gründen: Dann sind sie auf der Jagd, und dann trägt die Luft den Schall am weitesten. Wenn gerade jetzt vor Ihrem Fenster etwas in regelmäßigen Abständen ruft, ist es fast immer eines von beidem. Eine Warnung ist es nicht.
Der klassische Eulenruf ist ein Waldkauz
Das lang gezogene „huuh – hu-huhuhuuuh“, das in jedem Gruselfilm läuft, stammt vom Waldkauz. Er ist die häufigste Eule Mitteleuropas und lebt auch in Parks, auf Friedhöfen und in älteren Wohnvierteln mit großen Bäumen. In aller Regel ist er also der Rufer, den Sie hören. Wer nachts eine Eule wahrnimmt und an „Eule“ denkt, denkt akustisch an einen Waldkauz.
Dieser Reviergesang ist eine Ansage. Eulen jagen außerhalb der Brutzeit weitgehend einzeln, und jedes Paar braucht eine Fläche, die genug Beute hergibt. Der Ruf in regelmäßigen Abständen teilt allen Artgenossen in Hörweite mit, dass hier besetzt ist, und erspart dem Bewohner damit den nächtlichen Kampf um seine Grenze. Je tiefer und ausdauernder gerufen wird, desto mehr sagt das über Größe und Kondition des Rufers aus. Solche Streitfälle entscheidet die Stimme, bevor Krallen ins Spiel kommen.
Deshalb hören Sie oft wochenlang denselben Vogel aus derselben Baumreihe. Er wendet sich damit nicht an Sie, sondern erneuert eine Grenzlinie gegenüber seinen Nachbarn.
„Kuwitt“: der Kontaktruf, nicht der Gesang
Neben dem Reviergesang gibt es beim Waldkauz einen kurzen, scharfen Ruf, der wie „kuwitt“ klingt. Das ist ein Kontaktruf; beide Geschlechter nutzen ihn, häufig beschrieben als Antwort des Weibchens auf den Gesang des Männchens. Paare rufen sich in der Dämmerung damit über Distanz zu, wenn Sichtkontakt nicht mehr möglich ist, und festigen so die Bindung vor der Brut. Wer nachts ein Wechselspiel aus tiefem Gesang und kurzem Antwortruf hört, hört ein Paar in einem besetzten Revier.
Dieser Ruf hat der Eule ihren schlechten Ruf eingebracht. „Kuwitt“ wurde als „komm mit“ gedeutet, und daraus wurde der Totenvogel des Volksglaubens, mal dem Waldkauz, mal dem Steinkauz zugeschrieben. Biologisch ist es eine Standortmeldung zwischen zwei Partnern.
Warum es zweimal im Jahr laut wird
Gerufen wird nicht gleichmäßig über das Jahr, sondern in zwei Fenstern.
- Oktober und November – die Herbstbalz. Die Jungen des Jahres verlassen das Elternrevier und müssen eigenes Gelände finden und verteidigen. Gleichzeitig bestätigen die Altvögel ihre Grenzen. Die Rufe wirken in dieser Zeit ungeordneter: viel Ausprobieren, wenig eingespieltes Wechselspiel.
- Februar und März – die Hauptbalz. Reviergesang und Partnerrufe erreichen ihren Höhepunkt, kurz vor der Eiablage. Das ist die lauteste Phase des Jahres und der Grund, warum eine ruhige Wohnstraße im Spätwinter plötzlich jede Nacht Kulisse hat.
Nehmen die Rufe im Februar oder wieder im Oktober zu, dann erklärt das der Kalender. In Ihrem Garten ist nichts Besonderes passiert.
Nicht jede Eule ruft „huu“
„Eulenruf“ und „huu“ meinen zwei verschiedene Dinge. Der Ruftyp ist oft der schnellste Weg, herauszufinden, wer tatsächlich da ist.
Die Schleiereule hat gar keinen Gesang im klassischen Sinn. Sie stößt einen heiseren, gedehnten Schrei aus, der beim ersten Mal erschrecken kann und mit dem gemütlichen Bild einer rufenden Eule wenig zu tun hat. Aus Scheunen und Kirchtürmen kommt dazu ein schnarchendes Zischen. Das sind bettelnde Jungvögel im Nest, kein Tier in Not.
Die Waldohreule sorgt für das Geräusch, das im Sommer am häufigsten für Rätselraten sorgt: ein gedehntes, quietschendes „psiiiep“ wie ein Gartentor, das geöffnet werden will. Das sind die Bettelrufe der ausgeflogenen Jungen, meist im Juli und August, häufig aus einer Fichte oder Kiefer mitten im Wohngebiet. Der Gesang der Altvögel dagegen ist so unauffällig, dass er leicht überhört wird: ein dumpfes, monotones „huh“ im Abstand von wenigen Sekunden, das nur einige hundert Meter trägt.
Warum nachts – und warum so weit
Die meisten heimischen Eulen jagen nachts, weil dann auch ihre Beute unterwegs ist: Mäuse, vor allem Feldmäuse, dazu andere Kleinsäuger. Zu den aktiven Stunden zu rufen ist deshalb ohnehin naheliegend. Die Physik der Nachtluft verstärkt den Effekt aber deutlich.
Kühle, ruhige Abendluft ist dichter und viel weniger turbulent als Tagluft, die von aufsteigender Wärme über dem Boden ständig durchmischt wird. Schallwellen laufen dadurch mit weniger Streuung und weniger Störung. Ein Ruf, der mittags vielleicht 30 m trägt, kann in einer kalten, windstillen Nacht 300 m und mehr überbrücken. Zusammen mit dem geringeren Grundgeräusch nach Mitternacht erklärt das, warum Eulenrufe unverhältnismäßig laut und nah wirken. Der Vogel sitzt fast immer weiter weg, als man denkt.
Wer ruft da? Die heimischen Arten im Überblick
- Waldkauz – Tiefer, gedehnter Reviergesang „huuh – hu-huhuhuuuh“, dazu der kurze Kontaktruf „kuwitt“. Die Eule, die fast jeder gehört hat.
- Schleiereule – Kein Gesang, sondern ein heiserer, gedehnter Schrei. Aus dem Nest ein schnarchendes Zischen der Jungen.
- Waldohreule – Gesang ein dumpfes, monotones „huh“ alle paar Sekunden. Bekannter sind die quietschenden Bettelrufe der Jungen im Hochsommer.
- Steinkauz – Ein ansteigendes, fragend klingendes „guuhk“, dazu ein scharfes „kwiu“. Zu hören vor allem in offener Landschaft mit Streuobstwiesen und alten Kopfweiden.
- Uhu – Ein sehr tiefes, kurzes „buho“, das den Namen der Art erklärt. Trägt von einer Felswand oder einem Steinbruch aus über mehrere Kilometer.
- Raufußkauz – Eine rasche, flötende Reihe „pu-pu-pu-pu“, vor allem im März und April in älteren Wäldern mit Schwarzspechthöhlen.
- Sperlingseule – Ein einzelner, hoher Pfiff im Abstand von etwa zwei Sekunden, in der Dämmerung. Unsere kleinste Eule, kaum größer als ein Star.
Was es bedeutet, wenn jede Nacht aus derselben Richtung gerufen wird
Kommt der Ruf Nacht für Nacht aus derselben Richtung, dann liegt Ihr Grundstück in einem besetzten Revier, und die alten Bäume in der Nachbarschaft gehören zum Jagd- oder Brutgebiet. Deckung und Beuteangebot stimmen also – genau die Ausgangslage, auf der sich aufbauen lässt, wenn Sie Eulen nicht nur hören, sondern ansiedeln wollen. Der Ruf richtet sich dabei an andere Eulen und hat mit dem Haus und seinen Bewohnern nichts zu tun.
Die Jahreszeit grenzt weiter ein. Rufe im Spätwinter deuten auf ein Paar hin, das sich für die Brut einrichtet; Rufe im Oktober eher auf einen jungen Vogel, der neues Gelände sucht. Auch Beständigkeit sagt etwas. Wer immer aus derselben Baumreihe ruft, ist Revierinhaber; wer über mehrere Nächte durch das Viertel wandert, ist meist ein Durchzügler.
Eine Bitte: keine Klangattrappen
Die Versuchung ist groß, eine Aufnahme abzuspielen, um eine Antwort zu bekommen. Tun Sie es nicht. Für die Eule ist die Aufnahme ein Rivale im eigenen Revier: Sie reagiert mit Energieaufwand, verlässt womöglich den Ansitz und unterbricht die Jagd. In der Brutzeit kann das gezielte Anlocken mit Klangattrappen eine erhebliche Störung streng geschützter Arten sein und damit unter das Verbot nach § 44 BNatSchG fallen. Zuhören und notieren, wann und aus welcher Richtung gerufen wird, bringt ohnehin die besseren Erkenntnisse.
Vom nächtlichen Ruf zum ansässigen Paar
Wer die Rufe zuordnen kann, weiß auch, welches Angebot sinnvoll ist. Der Waldkauz nimmt einen Kasten in 4 bis 6 m Höhe an einem freistehenden Baum mit freier Anflugschneise an. Der Steinkauz braucht 3 bis 5 m und offenes, kurz gehaltenes Grünland in der Nähe. Die Schleiereule brütet im Gebäude, in 4 bis 8 m Höhe, und benötigt eine dauerhaft offene Einflugmöglichkeit in Scheune, Stall oder Turm. Der Uhu nimmt keinen Kasten an; er brütet an Felsen, in Steinbrüchen und am Boden.
Ein passender Kasten gibt einem Revierpaar einen Grund zu bleiben, statt weiterzuziehen, und verschafft Ihnen einen deutlich besseren Blick darauf, wer da eigentlich ruft. Unser Eulenkasten ist genau auf diese artgerechte Bauweise ausgelegt.
Passend dazu: was Eulen tatsächlich fressen und wie alt Eulen werden. Und falls Sie nach Einbruch der Dunkelheit kein Rufen hören, sondern ein schnelles Flattern über dem Garten, hilft unser Bereich zum Lebensraum von Fledermäusen beim Ausschließen.
Aus dem Ruf ein Revier machen
Wenn nachts schon gerufen wird, fehlt meist nur noch der passende Brutplatz.
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