Sind Eulen gefährlich? Katzen, kleine Hunde und das echte Risiko

Are Owls Dangerous? Cats, Small Dogs and the Realistic Risk

Nein. Die Eulen, die einen Nistkasten im Garten annehmen, sind für eine gesunde erwachsene Katze oder einen Hund keine realistische Gefahr. Die Gewichtsverhältnisse lassen das gar nicht zu. Und die eine heimische Art, die groß genug dafür wäre, der Uhu, nimmt keinen Kasten an und brütet nicht im Garten.

Wer überlegt, einen Eulenkasten aufzuhängen, sollte diese Frage vorher ehrlich beantwortet haben und nicht hinterher. Gehen wir die Arten also der Reihe nach durch, mit Gewichten statt mit Gefühlen.

Die Arten, die einen Kasten annehmen

In Mitteleuropa kommen für einen Nistkasten am Haus oder Baum drei Arten in Betracht:

  • Waldkauz – 400 bis 600 g, Spannweite 94 bis 104 cm. Die häufigste und wahrscheinlichste Art.
  • Schleiereule – etwa 300 g, Spannweite rund 90 cm. Brütet im Gebäude, nicht am Baum.
  • Steinkauz – 150 bis 200 g, Spannweite etwa 56 cm. Braucht offene, kurz gehaltene Landschaft.

Zum Vergleich: Eine erwachsene Hauskatze wiegt 3 bis 5 kg. Der Waldkauz, die schwerste dieser drei Arten, bringt etwa ein Zehntel davon auf die Waage. Ein Tier von einem halben Kilo kann eine Katze körperlich nicht überwältigen.

Es versucht das auch nicht. Auf dem Speiseplan dieser Arten stehen Mäuse, vor allem Feldmäuse, dazu Kleinvögel, Amphibien und große Insekten. Ein Greifvogel geht kein Verletzungsrisiko für eine Beute ein, die sich wehrt, solange eine Maus die leichtere und sicherere Mahlzeit ist. Was die einzelnen Arten tatsächlich erbeuten, haben wir unter was Eulen fressen aufgeschlüsselt.

Der Uhu ist eine andere Gewichtsklasse – und nimmt keinen Kasten

Der Uhu ist die größte Eule der Welt. Weibchen erreichen bis zu etwa 3 kg bei einer Spannweite von 1,6 bis 1,7 m. Sein Beutespektrum reicht von Ratten und Kaninchen über Igel und Tauben bis zu Krähen und zu anderen Eulen, Waldkauz und Schleiereule eingeschlossen. In Beutelisten von Uhus tauchen gelegentlich auch Hauskatzen auf. Er ist damit ein Beutegreifer, der dazu in der Lage ist, und das soll hier nicht kleingeredet werden.

Nur brütet er nicht in Nistkästen. Der Uhu nutzt Felswände, Steinbrüche, Nischen an großen Bauwerken und Bodenmulden. Ein Kasten am Gartenbaum ist für ihn kein Angebot. Wer einen Eulenkasten aufhängt, bekommt mit großer Wahrscheinlichkeit einen Waldkauz.

Der Uhu steht in Anhang I der EU-Vogelschutzrichtlinie und war in Deutschland fast verschwunden. Dass er wieder da ist, inzwischen auch an Stadträndern, ist ein Erfolg des Artenschutzes. Ein wirksamer Jäger bleibt er dabei trotzdem.

Fressen Eulen Katzen?

Gelegentlich ja, aber es geht dabei um Uhus und nicht um die Arten, die in einem Nistkasten brüten. Und es ist selten genug, um in die Zeitung zu kommen, statt Alltag zu sein. Die ehrliche Antwort liegt in der Mitte. Den Tagesablauf muss deswegen niemand umstellen; bei sehr jungen oder sehr kleinen Tieren lohnt etwas Umsicht.

Vom Normalfall zu trennen ist das ohnehin. In den meisten Gärten arbeitet in den meisten Nächten ein Waldkauz sein Jagdrevier ab, Mäuse, Kleinvögel, Insekten, und zieht weiter. Dass Eulen gelegentlich auch Eichhörnchen erbeuten, gehört zum gleichen Bild: möglich, aber selten.

Das reale Risiko läuft in die andere Richtung

Der bemerkenswerte Punkt an dieser Frage ist, dass sie meist falsch gestellt wird. Im deutschen Garten geht die Gefahr von der freilaufenden Katze aus, und sie trifft junge Eulen, Singvögel und die Kleinsäuger, von denen die Eulen leben.

Besonders betroffen sind Ästlinge: junge Waldkäuze, die den Kasten mit etwa vier bis fünf Wochen verlassen, bevor sie richtig fliegen können. Sie sitzen dann tagelang auf niedrigen Ästen, an Büschen oder am Boden und klettern sich Stufe für Stufe nach oben. In dieser Phase sind sie einer Katze oder einem freilaufenden Hund praktisch schutzlos ausgeliefert. Wenn im Frühjahr in Ihrer Nachbarschaft gerufen wird, hilft deshalb vor allem eines: die Katze für ein paar Wochen nachts im Haus behalten.

Ein Jungvogel sitzt am Boden – was jetzt?

Der häufigste Fehler im Mai und Juni ist gut gemeint: Ein Ästling wird für verlassen gehalten und mitgenommen. Verlassen ist er fast nie. Die Altvögel sitzen in der Nähe, hören ihn und füttern ihn weiter.

  • Sitzen lassen. Ein befiederter Jungvogel mit offenen Augen, der aufrecht sitzt, gehört dorthin. Abstand halten und nicht anfassen.
  • Katze und Hund ins Haus. Das ist die Maßnahme, die wirklich etwas ändert.
  • Nur bei echter Gefahr umsetzen. Sitzt der Vogel auf einer Straße oder einem Weg, kann man ihn mit Handschuhen wenige Meter in die nächste Deckung oder auf einen niedrigen Ast setzen. Die Eltern finden ihn dort.
  • Verletzt oder erkennbar geschwächt? Dann gehört er in fachkundige Hände. Zuständig sind Wildvogel-Auffangstationen, Wildtierhilfen und die örtliche Naturschutzbehörde. Alle heimischen Eulen sind streng geschützt; sie eigenmächtig aufzunehmen und zu halten ist nach § 44 BNatSchG nicht zulässig.

Der eine Fall, in dem eine Eule wirklich angreift

Es gibt eine Situation, in der eine heimische Eule Menschen gegenüber aggressiv wird, und sie hat mit Beute nichts zu tun: Nestverteidigung. Der Waldkauz gilt dabei als die entschlossenste heimische Art. Während der Brut- und Ästlingszeit attackiert er Menschen, die dem Nachwuchs zu nahe kommen, im lautlosen Anflug von hinten und zielt auf den Kopf. Das ist gut belegt: Der britische Vogelfotograf Eric Hosking verlor 1937 bei Aufnahmen an einem Waldkauznest ein Auge.

Praktisch heißt das: Von Februar bis Juni keine Kontrollen am besetzten Kasten, nicht unter einem Ast mit Ästlingen stehen bleiben, und wenn ein Waldkauz in der Nachbarschaft führt, den betreffenden Weg für ein paar Wochen meiden oder eine Kopfbedeckung tragen. Das Verhalten ist eine Warnung und endet, sobald man den Bereich verlässt. Es zeigt zugleich, dass die Brut erfolgreich war. Störungen am besetzten Brutplatz sind ohnehin nach § 44 BNatSchG verboten, unabhängig davon, wie die Eule darauf reagiert.

Was im Alltag wirklich sinnvoll ist

Unabhängig von Eulen gilt: Sehr junge Katzen und Welpen nachts und in der Dämmerung nicht unbeaufsichtigt draußen lassen. Das deckt deutlich mehr ab als Greifvögel, denn Straßenverkehr, andere Tiere und nächtliche Kälte gehören zum gleichen Bild. Erwachsene Katzen und Hunde brauchen wegen eines Eulenkastens in der Nachbarschaft keine neuen Regeln.

Wirklich etwas bringen die Maßnahmen in der umgekehrten Richtung: Katzen im Frühjahr nachts drinnen halten, kein Rattengift einsetzen, weil Eulen sich über vergiftete Mäuse mitvergiften, und offene Regentonnen abdecken, in denen Schleiereulen regelmäßig ertrinken.

Fazit

Eine brütende Eule im Garten zeigt, dass der Lebensraum funktioniert. Die Arten, die einen Kasten annehmen, sind zu leicht, um eine Katze zu gefährden, und die Art, die es könnte, nimmt keinen Kasten an. Die Vorsicht, die sich wirklich lohnt, betrifft das Frühjahr und richtet sich auf den Schutz der Jungeulen.

Wenn Sie einen Brutplatz anbieten wollen: Unser Eulenkasten ist auf die höhlenbrütenden Mäusejäger ausgelegt, die hier beschrieben sind. Wer vorher wissen will, wer in der Nachbarschaft schon ruft, findet die Bestimmung am Ohr unter Eulenrufe erkennen.

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