Ja, aber praktisch nur der Uhu. Er ist kräftig genug, um ein erwachsenes Eichhörnchen zu schlagen, und tut es regelmäßig. Die kleineren höhlenbrütenden Arten, Steinkauz, Raufußkauz und Sperlingseule, lassen Eichhörnchen in Ruhe. Sie sind auf Mäuse, Wühlmäuse und große Insekten ausgelegt und jagen keine Beute in der eigenen Gewichtsklasse.
Dreht man die Frage um, haben Eulen selbst Feinde: größere Eulen, der Habicht, und vor allem Marder und Waschbären, die Nester ausräumen. Aus beiden Seiten dieser Nahrungskette folgt eine praktische Regel: Eulen- und Eichhörnchenquartier gehören nicht nebeneinander.
Welche Eulen Eichhörnchen jagen
Entscheidend sind Größe und Jagdweise.
- Uhu – mit bis zu 1,7 m Flügelspannweite die größte Eule der Welt und der einzige heimische Vogel, dem ein erwachsenes Eichhörnchen zuverlässig gefährlich wird. Auf seinem Speiseplan stehen außerdem Ratten, Kaninchen, Igel, Tauben, Krähen und andere Eulen.
- Waldkauz – der Generalist. Er nimmt gelegentlich Jungtiere, ein ausgewachsenes Eichhörnchen aber nur selten. Sein Schwerpunkt liegt auf Mäusen, Kleinvögeln und in Siedlungen auf Ratten.
- Steinkauz, Raufußkauz und Sperlingseule – zu klein. Eine Sperlingseule wiegt 60 g, ein Eichhörnchen bis zu 350 g. Wer einen Steinkauzkasten anbietet, muss um seine Eichhörnchen nicht fürchten.
- Schleiereule und Waldohreule – Feldmaus-Spezialisten, die im offenen Gelände jagen. Eichhörnchen gehören nicht zu ihrem Beutespektrum.
Warum sich beide meist gar nicht begegnen
Den größten Teil der Arbeit erledigt die Tageszeit.
Eulen jagen in der Dämmerung und nachts. Das Eichhörnchen ist tagaktiv, unterwegs bei Tageslicht, mit Spitzen am Morgen und am späten Nachmittag, und nachts im Kobel oder in der Baumhöhle. Diese Verschiebung ist der Hauptgrund, warum ein Eichhörnchenquartier und ein Eulenkasten im selben Garten überhaupt nebeneinander bestehen können.
Riskant wird es an den Rändern: In der Morgen- und Abenddämmerung überlappen sich die Zeiten. Genau dann ist ein Eichhörnchen unterwegs und ein Uhu oder Waldkauz schon oder noch auf der Jagd.
Anders liegt es bei den nächtlichen Kleinsäugern. Siebenschläfer und Gartenschläfer sind nachtaktiv und damit genau in den Stunden unterwegs, in denen gejagt wird. In Untersuchungen zur Eulennahrung erscheinen sie deshalb häufiger als Eichhörnchen, und zwar aus Gleichzeitigkeit und nicht aus Vorliebe. Dasselbe gilt für Fledermäuse, die ein Waldkauz am Quartierausgang abfangen kann.
Und was frisst Eulen?
Eulen stehen nicht überall an der Spitze. Erwachsene Tiere haben ein reales Risiko durch größere Greifvögel, Eier und Jungvögel ein deutlich größeres durch Nesträuber.
- Der Uhu schlägt kleinere Eulen, darunter Waldkauz, Waldohreule und Schleiereule. Wo ein Uhu-Revier liegt, sind die kleineren Arten messbar seltener.
- Der Habicht greift Eulen am Tag, wenn sie am Tagesversteck entdeckt und aufgejagt werden.
- Stein- und Baummarder sind bei uns die wichtigsten Nesträuber. Ein Marder, der in einen Kasten kommt, räumt eine ganze Brut aus. Deshalb brauchen Eulenkästen eine Einflugkammer oder ein vorgesetztes Rohr.
- Der Waschbär ist seit einigen Jahrzehnten dazugekommen und in Teilen Deutschlands inzwischen ein häufiger Nesträuber. Er klettert gut und öffnet auch schlecht gesicherte Kästen.
- Krähen und Elstern nehmen Eier und kleine Jungvögel, wenn ein Nest ungeschützt liegt.
Das Muster ist eindeutig: Gefährdet ist vor allem das Nest. Ein erwachsener Uhu hat kaum Feinde, während eine Brut im Kasten gleich mehrere hat.
Wer wen frisst – auf einen Blick
Art |
Frisst |
Wird gefressen von |
Uhu |
Eichhörnchen, Kaninchen, Igel, Ratten, andere Eulen |
praktisch nichts; Brut durch Marder und Waschbär |
Waldkauz |
Mäuse, Kleinvögel, Fledermäuse, Jungtiere |
Uhu, Habicht; Brut durch Marder |
Steinkauz, Raufußkauz, Sperlingseule |
Mäuse, Wühlmäuse, Insekten |
Uhu, Waldkauz, Habicht, Marder |
Eichhörnchen (tagaktiv) |
Nüsse, Samen, Knospen, Pilze |
Baummarder, Steinmarder, Habicht, Hauskatze, Uhu |
Siebenschläfer (nachtaktiv) |
Früchte, Samen, Knospen |
Eulen, Marder – deutlich häufiger als das Eichhörnchen |
Beide anbieten? Dann mit Abstand
Wer im selben Garten Quartiere für beide aufhängt, sollte auf Entfernung und Sichtlinien achten.
Mindestens 3 bis 5 m Abstand, und wo möglich deutlich mehr; an entgegengesetzten Enden des Grundstücks ist besser als knapp bemessen. Noch wichtiger als die Entfernung: die beiden Quartiere nicht in direkter Sichtlinie zueinander anbringen. Eine Hecke, ein Schuppen oder eine Baumgruppe dazwischen wirkt gut.
Dass eine Eule im Garten ein Eichhörnchen bemerkt, lässt sich ohnehin nicht verhindern. Vermeiden sollte man nur zwei Dinge: ein Eichhörnchenquartier direkt unter die Flugbahn einer Eule zu setzen, und einen Eulenkasten dort anzubringen, wo jeder Ein- und Ausflug im Blickfeld eines Kobels mit Jungtieren liegt.
Auch die Ausrichtung hilft: Die Einflüge sollen voneinander weg zeigen. Es ist dasselbe Prinzip, aus dem Eulen- und Fledermauskästen nicht zusammengehören: Ein nächtlicher Jäger und seine mögliche Beute sollten nicht übereinander wohnen.
Rechtlicher Rahmen
Alle heimischen Eulenarten sind streng geschützt, nach § 44 BNatSchG und der EU-Vogelschutzrichtlinie, Uhu und Steinkauz zusätzlich in deren Anhang I. Das Eichhörnchen ist besonders geschützt. Für beide gilt damit: Einen Kasten anbringen ist unproblematisch, ein besetzter Kasten wird nicht geöffnet, abgenommen oder umgehängt. Beim Eulenkasten findet die Kontrolle im September oder Oktober statt, beim Eichhörnchenkasten im Oktober oder November. In Österreich und der Schweiz gilt Entsprechendes.
Für beide Seiten bauen
Wenn Sie ein Eichhörnchenquartier planen, klären die Maße und Standortfragen im Leitfaden zum Eichhörnchenhaus das Wesentliche, einschließlich des zweiten Ausgangs, der bei einem Marderangriff den Unterschied macht. Für die Eulenseite gehen Eulenkästen als sichere Quartiere durch Einflugmaß und Montagehöhe je Art.
Ein Eulenkasten mit genügend Abstand zu allem, was Sie für Eichhörnchen anbieten, gibt einer ansässigen Eule einen stabilen Platz für die Brut. Der Garten bleibt damit für beide Gäste nutzbar.