Sie haben im Winter eine Fledermaus im Haus gefunden. Was jetzt?
Zuerst das Wichtigste, und zwar in dieser Reihenfolge.
Die ersten Schritte
- Nicht mit bloßen Händen anfassen. Ziehen Sie feste Handschuhe an, wenn Sie das Tier bewegen müssen. Der Grund steht im nächsten Abschnitt.
- Nicht wecken. Ein Tier im Winterschlaf lebt von Fettreserven, die genau bis zum Frühjahr reichen. Jedes Aufwachen kostet einen Teil davon. Wird es mehrfach gestört, verhungert es vor dem Frühling.
- Nicht nach draußen setzen. Bei Frost ist das ein Todesurteil. Eine Fledermaus im Dezember vor die Tür zu setzen „befreit“ sie nicht, sie tötet sie.
- Hängt das Tier ruhig an einer Wand und stört niemanden: Lassen Sie es hängen. Halten Sie Katzen und Hunde aus dem Raum und schließen Sie die Tür.
- Muss es weg, etwa aus einem Wohnraum: Setzen Sie es mit Handschuhen in einen Karton mit Luftlöchern und einem Tuch, an dem es sich festhalten kann, und stellen Sie den Karton an einen kühlen, frostfreien Ort – Keller oder unbeheizte Garage, nicht die warme Wohnung.
- Dann anrufen. Wenden Sie sich an die untere Naturschutzbehörde Ihres Kreises oder an eine örtliche Fledermausgruppe. NABU und BUND vermitteln Fledermaus-Beratung in Ihrer Region. Dort sagt man Ihnen, ob das Tier gesund ist und wohin es gehört.
Warum Sie nicht mit bloßen Händen anfassen
Fledermäuse können europäische Fledermaus-Lyssaviren tragen, die mit dem Tollwutvirus verwandt sind. Die Fälle sind selten, aber eine Übertragung ist über Bisse und Kratzer möglich. Deshalb gilt ausnahmslos: Handschuhe. Wenn Sie doch gebissen oder gekratzt wurden, waschen Sie die Stelle gründlich mit Wasser und Seife und gehen Sie zum Arzt – nicht abwarten. Kinder halten Abstand.
Was Sie nicht tun dürfen
Alle heimischen Fledermausarten sind streng geschützt. Geschützt ist dabei nicht nur das Tier, sondern auch das Quartier selbst: Fortpflanzungs- und Ruhestätten zu beschädigen oder zu zerstören ist nach § 44 Bundesnaturschutzgesetz verboten. Praktisch heißt das: Einflugspalten zuzumachen, während Tiere drin sind, ist eine Straftat – und nicht nur, weil die Tiere darin eingeschlossen verenden.
Wenn Sie ein Quartier dauerhaft verändern wollen, etwa bei einer geplanten Sanierung, läuft das über die Naturschutzbehörde und in der Regel über einen Ersatzquartier-Nachweis. Reden Sie vorher mit der Behörde, nicht hinterher.
Warum Fledermäuse überhaupt ins Gebäude gehen
Weil Gebäude genau das bieten, was ein Winterquartier braucht: dunkel, ruhig, frostfrei und gleichmäßig kühl. Keller, Dachböden, Garagen, Schuppen, Mauerspalten, Rollladenkästen und Schornsteine erfüllen das oft besser als die Baumhöhlen, die es kaum noch gibt. Die Art, die man in Deutschland am häufigsten im Haus findet, ist die Zwergfledermaus.
Eine Fledermaus im Haus ist also kein Schädlingsproblem. Es ist ein Tier, das ein passendes Quartier gefunden hat.
Fledermäuse und Kälte
Anders als wir gehen Fledermäuse in den Winterschlaf – also in einen vollständig herabgesetzten Zustand, nicht in einen leichten Schlaf. Die Winterschlafzeit reicht etwa von Oktober bis März, je nach Witterung.
Im Winterschlaf ist das Tier wehrlos und braucht ein Quartier mit stabiler Temperatur und hoher Luftfeuchtigkeit. Sinkt es im Quartier unter etwa 7 °C oder schwankt die Temperatur stark, sucht die Fledermaus ein neues – mitten im Winter, was sie zusätzlich Reserven kostet. Deshalb wandern Tiere im Winter in Garagen und Keller.
Im Winterschlaf fährt der Körper drastisch herunter: Der Herzschlag sinkt von mehreren hundert Schlägen pro Minute auf einen Bruchteil davon, die Körpertemperatur passt sich der Umgebung an. Genau dieser Zustand macht Störungen so teuer – das Hochfahren des Kreislaufs verbraucht auf einmal so viel Energie wie viele Tage Ruhe.
Was Fledermäuse im Winter fressen
Nichts. Sie fressen sich vor dem Winter an Nachtfaltern, Käfern und anderen Insekten Reserven an und leben dann davon. Mehr dazu in Was Fledermäuse fressen.
Schlafen sie den ganzen Winter durch?
Nicht ganz. Sie wachen zwischendurch kurz auf, um Wasser aufzunehmen und sich zu entleeren, und wechseln bei Bedarf das Quartier. Diese Unterbrechungen sind normal und eingeplant. Zusätzliche Störungen durch Menschen sind es nicht.
Wann kommen sie wieder heraus?
Mit dem Frühjahr, wenn die Nächte mild werden und Insekten fliegen. Gepaart wird im Herbst, die Befruchtung setzt aber erst im Frühjahr ein, und die Jungen kommen Ende Juni zur Welt. Ein Tier, das Ende März verschwindet, ist also nicht weg – es ist in sein Sommerquartier gezogen.
Die dauerhafte Lösung: ein Quartier draußen
Wenn Sie Fledermäuse lieber nicht im Dachboden haben, ist der Weg nicht Ausschließen, sondern ein besseres Angebot draußen. Ein Fledermauskasten an einer sonnigen Wand gibt den Tieren ein Quartier, das sie annehmen – und Sie behalten Ihren Dachboden. Beides ist möglich, nur nicht durch Zumachen.
Beachten Sie dabei: Ein Kasten ersetzt kein Winterquartier. Die üblichen Kästen sind Sommer- und Wochenstubenquartiere. Für den Winter brauchen die Tiere frostfreie, feuchte Räume – also genau Keller und Gewölbe. Wer beides will, hängt im Frühjahr einen Kasten auf und lässt im Winter den Kellerzugang offen.
Unsere von Merlin Tuttle Bat Conservation zertifizierten Modelle finden Sie unter Fledermauskästen. Wo der Kasten hängen muss, steht in Wo der Fledermauskasten im Garten hängen soll.
Wenn Tiere dauerhaft im Haus leben
Was rechtlich gilt und was Sie tun können, wenn eine Kolonie im Gebäude sitzt, steht in Fledermäuse im Haus: was erlaubt ist und was hilft.