Was fressen Bienen? Nektar, Pollen und Wasser im Überblick

What Do Bees Eat? – A Comprehensive Guide to the Diet of Bees Image by Ted Erski from Pixabay

Bienen leben von drei Dingen: Nektar, Pollen und Wasser. Nektar liefert die Energie, Pollen das Eiweiß für die Brut, Wasser den Stoffwechsel und – bei Honigbienen – das Klima im Stock. Wer das kennt, versteht auch, warum ein Garten, in dem von März bis Oktober durchgehend etwas blüht, mehr bewirkt als jede Einzelmaßnahme.

Ein Hinweis vorweg: Die meisten Angaben zur Bienenernährung beziehen sich auf die Honigbiene – das Tier mit Volk, Waben und Honigvorrat. Daneben leben in Deutschland rund 560 Wildbienenarten: Hummeln, Mauerbienen, Sandbienen und andere. Die meisten leben allein, legen keinen Honig an und ernähren sich in wichtigen Punkten anders. Beide kommen hier vor, und es steht jeweils dabei, um wen es geht.

Nektar: die Energiequelle

Nektar ist eine Zuckerlösung, die Blüten absondern, um Bestäuber anzulocken. Der Zuckergehalt schwankt je nach Pflanze und Wetter zwischen etwa 5 und 70 %. Bienen nehmen ihn mit dem Rüssel auf und transportieren ihn in der Honigblase, einer Erweiterung des Vorderdarms, die vom eigentlichen Verdauungstrakt getrennt ist.

Honigbienen geben den Nektar im Stock ab, wo er zu Honig eingedickt und als Wintervorrat verschlossen wird. Wildbienen legen keine solchen Vorräte an: Sie verbrauchen den Nektar unmittelbar oder mischen ihn mit Pollen zu dem Vorrat, den sie ihrer Brut in die Nistzelle packen.

Was beim Sammeln mit der Blüte passiert, steht in Wie bestäuben Bienen?

Pollen: das Eiweiß für die Brut

Pollen ist die Proteinquelle. Je nach Pflanze enthält er 2 bis 60 % Eiweiß, dazu Fette, Vitamine und Mineralstoffe. Erwachsene Tiere leben vor allem von Nektar; Pollen brauchen die Larven – ohne ihn wächst keine Brut auf.

Honigbienen transportieren ihn angefeuchtet in den Sammelkörbchen an den Hinterbeinen, den bekannten Pollenhöschen. Mauerbienen und viele andere Wildbienen tragen ihn trocken in einer Bauchbürste unter dem Hinterleib – daher der gelbe Belag an ihrer Unterseite.

Spezialisten und Generalisten

Honigbienen und Hummeln nutzen fast alles, was blüht. Bei den Wildbienen ist etwa ein Drittel der Arten auf wenige Pflanzengattungen oder eine einzige festgelegt: Die Glockenblumen-Scherenbiene sammelt Pollen ausschließlich an Glockenblumen, die Natternkopf-Mauerbiene nur am Natternkopf. Fehlt die Pflanze, fehlt die Art – auch wenn sonst reichlich blüht. Für den Garten heißt das: Vielfalt und heimische Arten zählen mehr als Blütenmenge.

Wasser

Bienen trinken Wasser, und Honigbienen brauchen es zusätzlich für den Stock: Sie verteilen Tropfen auf den Waben und fächeln mit den Flügeln, sodass die Verdunstung an heißen Tagen kühlt. Im Frühjahr dient Wasser außerdem dazu, kristallisierten Vorrat wieder löslich zu machen.

Eine flache Schale mit Steinen oder Moos als Landeplatz genügt, im Halbschatten und regelmäßig gewechselt. Tiefe, glattwandige Gefäße sind eine Falle – Bienen ertrinken darin.

Unterschiede zwischen den Arten

Honigbienen

Ein Volk sammelt im Jahr weit mehr, als es selbst braucht: 20 bis 40 kg Honig und 20 bis 30 kg Pollen. Für den Winter benötigt es davon etwa 15 bis 20 kg Honig; was der Imker entnimmt, ersetzt er durch Zuckerfutter.

Hummeln

Hummelvölker sind klein – meist 50 bis 600 Tiere – und bestehen nur eine Saison. Sie legen kleine Nektartöpfe für wenige Tage an, keinen Wintervorrat. Im Spätsommer sterben Volk und alte Königin; nur die begatteten Jungköniginnen überwintern einzeln im Boden und gründen im Frühjahr ein neues Volk. Deshalb sind blühende Weiden und Krokusse im März für Hummeln überlebenswichtig: Dann fliegen die Königinnen ohne jeden Vorrat.

Solitäre Wildbienen

Solitärbienen haben keine Königin und kein Volk. Jedes Weibchen baut eigene Brutzellen, füllt jede mit einem Vorrat aus Pollen und Nektar, legt ein Ei dazu und verschließt sie. Die erwachsenen Tiere leben nur wenige Wochen. Der Nachwuchs überwintert als Ruhelarve oder als fertige Biene in der verschlossenen Zelle und schlüpft im Folgejahr. Es überwintert hier also nicht die Königin, sondern die Brut – ein Grund, Nisthilfen und abgestorbene Pflanzenstängel über den Winter stehen zu lassen.

Über das Jahr

Frühling und Sommer

Zwischen März und Juli ist das Angebot am größten, und die Bienen sammeln entsprechend. Entscheidend sind die Ränder der Saison: früh blühende Weiden, Krokusse, Lungenkraut und Obstbäume, spät blühender Efeu im September und Oktober. Dazwischen klafft in vielen Gärten im Juli und August eine Lücke, wenn die Frühjahrsblüher durch sind und nichts nachkommt.

Herbst und Winter

Honigbienen fliegen nicht mehr, sondern bilden eine Wintertraube und halten deren Kern bei etwa 25 °C. Die Wärme kostet Vorrat – daher der Honigverbrauch. Hummeln und solitäre Wildbienen überwintern wie beschrieben, als Jungkönigin im Boden beziehungsweise als Brut in der Nistzelle, und fressen in dieser Zeit nichts.

Was das Nahrungsangebot schmälert

  • Weniger Blühflächen. Große, einheitlich bewirtschaftete Schläge, kurz gemähte Rasenflächen und versiegelter Boden tragen nichts bei.
  • Pflanzenschutzmittel. Insektizide wirken direkt, Herbizide indirekt: Sie entfernen genau die Wildkräuter, von denen viele Wildbienen leben.
  • Verschobene Blütezeiten. Mildere Winter lassen Pflanzen früher blühen. Laufen Blüte und Flugzeit einer spezialisierten Art auseinander, fällt deren einzige Nahrungsquelle aus.

Von den heimischen Wildbienenarten steht über die Hälfte auf der Roten Liste. Nahrungsmangel und fehlende Nistplätze sind die beiden Hauptgründe.

Was im Garten wirkt

  • Durchgehend Blüten von März bis Oktober, mit Weide und Krokus am Anfang und Efeu am Ende.
  • Heimische, ungefüllte Blüten. Gefüllte Zuchtformen – etwa gefüllte Dahlien oder Geranien – liefern weder Nektar noch Pollen. Ergiebig sind Natternkopf, Glockenblume, Wiesensalbei, Ackerwitwenblume, Klee, Thymian und Lavendel.
  • Kein Zuckerwasser als Dauerfutter und kein gekaufter Honig: Honig kann Sporen der Amerikanischen Faulbrut enthalten und darf nicht an Bienen verfüttert werden. Einer einzelnen erschöpften Biene hilft ein Tropfen Zuckerwasser auf einem Löffel – als Nahrungsangebot für den Garten ist es untauglich.
  • Nistplätze, denn Futter allein reicht nicht: offene Bodenstellen, Totholz, markhaltige Stängel und eine Nisthilfe mit Röhren von 2 bis 9 mm Durchmesser.

Futter und Nistplatz gehören zusammen

Wildbienen, die im Garten Pollen finden, brauchen dort auch eine Röhre für die Brut. Unsere Bienenhotels haben die Durchmesser, auf die es ankommt.

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Häufige Fragen

Was fressen Bienen im Winter?

Honigbienen leben vom eingelagerten Honig beziehungsweise vom Zuckerfutter des Imkers. Hummelköniginnen und die Brut der Solitärbienen fressen im Winter nichts; sie ruhen.

Können Bienen von Zuckerwasser leben?

Nein. Zuckerwasser liefert nur Energie, kein Eiweiß, keine Fette, keine Mineralstoffe. Ohne Pollen gibt es keine Brut. Imker setzen Zuckerfutter gezielt zur Einwinterung ein – als Garten-Fütterung ist es sinnlos und lockt zudem Räuberei und Wespen an.

Fressen Bienen auch Honig?

Honigbienen ja, das ist sein Zweck: Der Vorrat trägt das Volk durch den Winter und durch Schlechtwetterphasen. Wildbienen produzieren keinen Honig und fressen auch keinen.

Was fressen Bienenköniginnen?

Königinnen der Honigbiene werden ihr Leben lang mit Gelée royale gefüttert, einem Drüsensekret der Arbeiterinnen. Larven, aus denen Arbeiterinnen werden, bekommen es nur in den ersten Tagen; Königinnenlarven ausschließlich – daraus entsteht der Unterschied. Eine Hummelkönigin sammelt am Anfang selbst Nektar und Pollen, bis die ersten Arbeiterinnen das übernehmen.

Fressen Fledermäuse Bienen?

Praktisch nicht. Heimische Fledermäuse jagen nachts, wenn Bienen im Stock oder in der Nistzelle sitzen; auf dem Speiseplan stehen Nachtfalter, Käfer, Zuckmücken und Köcherfliegen. Bienenhotel und Fledermauskasten im selben Garten stören sich nicht.

Fazit

Nektar für die Energie, Pollen für die Brut, Wasser für den Haushalt – die Grundlage ist bei allen Bienen dieselbe. Der Unterschied liegt in der Vorratshaltung: Honigbienen legen einen Winterspeicher an, Wildbienen versorgen jede Brutzelle einzeln. Und weil ein Drittel der Wildbienenarten auf bestimmte Pflanzen festgelegt ist, entscheidet im Garten die Auswahl der Blüten, nicht ihre Zahl.

Weiter geht es mit Warum Bienen wichtig sind und Wissenswertes über Bienen. Wer den Garten insgesamt für Nützlinge herrichten will, findet bei den Eulenkästen das Gegenstück für die Nacht.