Warum sind Bienen wichtig? Und welche Bienen eigentlich

Why are Bees Important? Understanding Their Importance to Our Ecosystem and Beyond Image by Dominik Rheinheimer from Pixabay

Bei Bienen denken die meisten an Honig und an Stiche. Dabei sind die summenden Insekten weder vor allem Honigproduzenten noch lästig: Sie sind die Grundlage für einen großen Teil unserer Nahrung und für die Pflanzenvielfalt um uns herum. Dieser Beitrag geht durch, warum das so ist – und macht dabei eine Unterscheidung, die in den meisten Texten fehlt.

Erst einmal: welche Bienen?

Das ist der Punkt, an dem die meisten Artikel durcheinandergeraten, und er entscheidet darüber, was man sinnvoll tun kann.

Die Honigbiene ist ein Nutztier. Sie lebt in Völkern von zehntausenden Tieren, wird von Imkern gehalten, und ihre Probleme – Varroamilbe, Krankheiten, das in den USA diskutierte Bienensterben „Colony Collapse Disorder“ – sind Probleme der Imkerei. In Deutschland ist die Zahl der Honigbienenvölker in den letzten Jahren sogar gestiegen.

Die Wildbienen sind der eigentliche Notfall. Rund 560 Arten leben in Deutschland, und mehr als die Hälfte steht auf der Roten Liste. Die meisten von ihnen leben allein, nicht in Völkern, machen keinen Honig und haben keinen Imker, der sich kümmert. Sie verschwinden, weil ihnen Nistplätze und Blüten fehlen.

Beides sind Bestäuber, aber wer helfen will, hilft den Wildbienen – und zwar mit Nistplätzen und Blüten. Wie das geht, steht in Wie Bienenhotels Wildbienen und dem Garten helfen.

1. Bestäubung

Wie Bienen bestäuben

Bestäubung ist die Übertragung von Pollen von den Staubblättern einer Blüte auf den Stempel einer anderen – die Voraussetzung für Befruchtung und Samenbildung. Bienen sind dafür besonders gut geeignet, weil sie behaart sind und im Laufe eines Tages viele Blüten derselben Art anfliegen. Der Pollentransport ist für sie ein Nebeneffekt: Sie sammeln Nektar und Pollen als Nahrung.

Den Ablauf im Detail beschreibt Wie bestäuben Bienen?

Was das wert ist

Rund drei Viertel der wichtigsten Nutzpflanzen weltweit profitieren mindestens teilweise von tierischer Bestäubung – das ist die belastbare Aussage, und Bienen sind daran der größte Anteil. Der wirtschaftliche Wert wird global auf mehrere hundert Milliarden Euro pro Jahr geschätzt. Die Zahlen, die man häufig liest, stammen oft aus US-Studien und lassen sich nicht direkt übertragen; die Größenordnung ist aber unbestritten.

In Europa betrifft das konkret Apfel, Kirsche, Zwetschge, Erdbeere, Kürbis, Raps und Ackerbohne. Ohne Bestäuber fällt der Ertrag, die Früchte werden kleiner und unförmiger – bei Apfel und Erdbeere ist das direkt sichtbar.

Bei einigen Kulturen sind Wildbienen den Honigbienen überlegen. Eine Mauerbiene bestäubt so viele Blüten wie mehrere Dutzend Honigbienen, und Hummeln fliegen schon bei Temperaturen, bei denen Honigbienen im Stock bleiben – im Obstbau im April entscheidet genau das.

2. Artenvielfalt

Bienen als Schlüsselarten

Eine Schlüsselart hat, gemessen an ihrer Häufigkeit, einen überproportionalen Einfluss auf ihr Ökosystem. Bienen sind dafür ein Lehrbuchbeispiel: Ihre Bestäubungsleistung hält die Pflanzenvielfalt aufrecht, und die Pflanzenvielfalt trägt alles andere – Insekten, Vögel, Säuger.

Wichtig ist dabei die Vielfalt der Bienen selbst. Viele Wildbienenarten sind auf wenige Pflanzengattungen spezialisiert; fällt die Biene aus, fällt auch die Pflanze zurück, die auf sie angewiesen ist. Eine einzige gehaltene Honigbienenart kann das nicht ersetzen.

Was der Rückgang auslöst

Mit den Bienen gehen die Pflanzen zurück, die von ihnen bestäubt werden – und mit den Pflanzen die Tiere, die davon leben. In intensiv genutzten Agrarlandschaften ist dieser Effekt bereits messbar: weniger Blühpflanzen, weniger Insekten, weniger insektenfressende Vögel.

3. In der Nahrungskette

Bienen stützen die Pflanzen, die am Anfang der Nahrungskette stehen. Wo viele Blühpflanzen wachsen, finden Pflanzenfresser und Insekten Nahrung – und darauf bauen Vögel, Fledermäuse und Säuger auf.

Und auf unserem Teller

Äpfel, Kirschen, Erdbeeren, Zwetschgen, Kürbis, Rapsöl: alles bestäubungsabhängig. Ohne Bestäuber würde die Auswahl ärmer und teurer.

Eine Einschränkung, weil es oft falsch steht: Kaffee profitiert von Bienenbestäubung, aber Kakao wird von winzigen Gallmücken bestäubt, nicht von Bienen, und Vanille wird im Anbau von Hand bestäubt. Diese drei taugen also nicht als Beispiel.

4. Bienen als Zeigerarten

Wildbienen reagieren empfindlich auf Pestizide, Flächenversiegelung und den Verlust von Blühflächen. Wer ihre Bestände beobachtet, misst indirekt den Zustand der Landschaft – oft lange, bevor ein Problem auf andere Weise auffällt.

Boden und Wasser

Bestäubung hält die Pflanzendecke dicht, und eine dichte Pflanzendecke hält den Boden: weniger Erosion, bessere Wasserspeicherung, mehr Bodenleben. Der Zusammenhang ist indirekt, aber real.

5. Wirtschaft und Lebensgrundlagen

Neben der Bestäubung liefert die Imkerei Honig, Bienenwachs und weitere Produkte und ist für viele Betriebe eine Lebensgrundlage – in Deutschland überwiegend im Nebenerwerb. Das ist der Teil, der die Honigbiene betrifft.

Die Bestäubungsleistung im Obst- und Ackerbau dagegen hängt an beiden: gehaltenen Honigbienen und wilden Bestäubern. Studien zeigen, dass Erträge dort am höchsten sind, wo beide vorkommen.

Wildbienen einen Nistplatz geben

Unterstützen Sie die Arten in Ihrer Umgebung mit einem Quartier – jeder Garten kann etwas beitragen.

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6. Was den Beständen zusetzt

Bei den Wildbienen sind es vor allem zwei Dinge: fehlende Nistplätze und fehlende Blüten. Versiegelte Flächen, aufgeräumte Gärten, abgemähte Saumstreifen und früh gemähte Wiesen nehmen beides.

Dazu kommen:

  • Pestizide, besonders Neonicotinoide, die das Nervensystem schädigen und Orientierung und Fortpflanzung beeinträchtigen.
  • Klimawandel, der Blühzeiten verschiebt, sodass eine Art schlüpft, bevor ihre Trachtpflanze blüht.
  • Krankheiten und Parasiten. Hier ist die Unterscheidung wieder wichtig: Die Varroamilbe betrifft Honigbienen. Wildbienen haben eigene Gegenspieler, etwa Goldwespen und Milben – deshalb wirkt der jährliche Wechsel des Nistmaterials im Quartier so gut.

7. Was zu tun ist

Auf großer Ebene: weniger Pestizide, mehr Blühflächen, spätere Mähtermine, geschützte Lebensräume.

Im eigenen Garten, und das wirkt schneller als man denkt:

  • Heimische Arten pflanzen, die von März bis Oktober durchgehend blühen. Gefüllte Zierformen liefern weder Pollen noch Nektar.
  • Keine Pestizide.
  • Eine Ecke unaufgeräumt lassen: offener, sandiger Boden für die bodennistenden Arten – und das sind rund drei Viertel aller Wildbienen.
  • Ein Quartier für die Röhrenbewohner aufhängen.
  • Eine flache Wasserschale mit Steinen zum Landen.

Fazit

Bienen sind für Ernährung und Artenvielfalt unverzichtbar. Wer helfen will, sollte aber wissen, wem: Der Honigbiene hilft ein Imker, den Wildbienen hilft ein Garten mit Blüten und Nistplätzen. Das Zweite können Sie selbst erledigen, und es beginnt mit einer unaufgeräumten Ecke und einem Bienenhotel.

Für einen Garten, in dem mehrere Arten Quartier finden, lässt sich das mit einem Eulenkasten und einem Fledermauskasten ergänzen – Eulen und Fledermäuse übernehmen die Nachtschicht bei Nagern und Insekten, die Bienen den Tag bei den Blüten.

Häufige Fragen

Warum sind Bienen für die Umwelt wichtig?

Weil sie bestäuben und damit die Pflanzenvielfalt tragen, auf der alles andere aufbaut – Insekten, Vögel, Säuger.

Welche Bienen sind bedroht – Honigbienen oder Wildbienen?

Die Wildbienen. Mehr als die Hälfte der rund 560 Arten in Deutschland steht auf der Roten Liste. Honigbienenvölker werden von Imkern gehalten und ihre Zahl ist stabil bis steigend.

Hilft ein Bienenhotel gegen das Bienensterben?

Es hilft den Wildbienenarten, die in Röhren nisten – und zwar genau dort, wo es hängt. Gegen Varroa oder Probleme der Imkerei wirkt es nicht; das sind andere Baustellen.

Was würde ohne Bienen passieren?

Erträge bei bestäubungsabhängigen Kulturen würden einbrechen, die Auswahl an Obst und Gemüse würde ärmer und teurer, und die Pflanzenvielfalt in der Landschaft würde zurückgehen.

Welche Rolle spielen Bienen in der Landwirtschaft?

Sie bestäuben Obst, Beeren, Raps, Kürbisgewächse und Ackerbohnen. Erträge und Fruchtqualität sind dort am besten, wo Honigbienen und Wildbienen gemeinsam vorkommen.

Was sind die größten Bedrohungen?

Für Wildbienen: fehlende Nistplätze und Blüten, Pestizide, Klimawandel. Für Honigbienen: Varroamilbe und Krankheiten.

Wie kann ich vor Ort helfen?

Heimische Blühpflanzen über die ganze Saison, keine Pestizide, eine unaufgeräumte Ecke mit offenem Boden, ein Bienenhotel und eine flache Wasserstelle.

Welchen Wert haben Bienen über den Honig hinaus?

Der größere Teil ihres Werts liegt in der Bestäubung von Nutzpflanzen, nicht im Honig. Dazu kommen Bienenwachs und weitere Produkte aus der Imkerei.