Bienen sind mehr als kleine, summende Insekten. Von der Anatomie über die Verständigung im Volk bis zur Honigproduktion steckt die Gruppe voller Eigenheiten, die kaum jemand kennt. Hier sind zwölf davon.
Eine Einordnung vorweg: Die Fakten 1 bis 8 betreffen überwiegend die Honigbiene – das Tier mit Königin, Volk und Waben. Die Fakten 9 bis 12 handeln von den rund 560 Wildbienenarten in Deutschland, die anders leben: meist allein, ohne Volk, ohne Honig. Sie sind es auch, die eine Nisthilfe im Garten annehmen.
Wie ein Honigbienenvolk von innen funktioniert, steht in Die Welt der Honigbienen.
Bau und Sinne
1. Bienen haben fünf Augen. Zwei große Facettenaugen an den Kopfseiten liefern ein weites Blickfeld und erkennen Bewegung gut. Dazu kommen drei kleine Punktaugen auf dem Scheitel, die Lichtintensität messen und der Biene helfen, im Flug die Lage zu halten. Bienen sehen außerdem ultraviolett – viele Blüten tragen Muster, die erst in diesem Bereich sichtbar werden und direkt zum Nektar führen.
2. Die Flügel schlagen etwa 200-mal pro Sekunde. Daraus entsteht das Summen. Im Reiseflug kommt eine Honigbiene auf etwa 24 km/h, beladen mit Nektar und Pollen entsprechend weniger.
3. Bienenhaare sind verzweigt. Anders als die glatten Haare der meisten Insekten wirken sie wie feine Bürsten – der Pollen bleibt daran hängen. Genau das macht Bienen zu den wichtigsten Bestäubern und nicht etwa Fliegen oder Käfer, die dieselben Blüten besuchen.
Verständigung im Volk
4. Der Schwänzeltanz übermittelt eine Ortsangabe. Eine Sammlerin läuft im Stock eine Acht und wackelt auf dem Mittelstück mit dem Hinterleib. Der Winkel dieses Mittelstücks zur Senkrechten gibt die Richtung zur Futterquelle an, gemessen am Sonnenstand; die Dauer des Wackelns die Entfernung. Karl von Frisch hat das entschlüsselt und dafür 1973 den Nobelpreis erhalten.
5. Der Rest läuft über Duftstoffe. Pheromone melden alles vom Alarm am Flugloch bis zur Anwesenheit der Königin. Solange ihr Duft im Volk verteilt wird, zieht das Volk keine neue Königin nach – fällt er weg, beginnt innerhalb von Stunden der Nachschaffungstrieb.
6. Eine Königin legt in der Hochsaison bis zu 2.000 Eier am Tag. Das ist mehr als ihr eigenes Körpergewicht. Möglich wird das, weil sie den Stock nicht verlässt, gefüttert und gepflegt wird und ihr Leben lang Gelée royale bekommt.
Honig
7. Ein Teelöffel Honig ist die Lebensleistung von zwölf Bienen. Eine einzelne Arbeiterin bringt es in sechs Wochen auf etwa ein Zwölftel Teelöffel. Die Menge, die ein Volk einlagert – 20 bis 40 kg im Jahr – entsteht allein durch die Zahl der Tiere.
8. Honig entsteht durch Enzyme und Verdunstung. Schon in der Honigblase spalten Enzyme den Rohrzucker des Nektars in Glukose und Fruktose. Im Stock fächeln die Bienen über den Zellen, bis der Wassergehalt von rund 80 % auf unter 20 % gefallen ist. Erst dann wird die Zelle mit Wachs verschlossen – und erst dann ist es Honig.
Die Wildbienen
9. Die meisten Bienen machen keinen Honig und leben nicht im Volk. Von den rund 560 Arten in Deutschland ist genau eine die Honigbiene. Die große Mehrheit lebt solitär: Jedes Weibchen baut eigene Brutzellen, legt einen Vorrat aus Pollen und Nektar hinein, ein Ei dazu, verschließt die Zelle – und kümmert sich nicht weiter. Über die Hälfte dieser Arten steht auf der Roten Liste.
10. Drei Viertel der Wildbienen nisten im Boden. Nur eine Minderheit nutzt Röhren in Totholz oder markhaltigen Stängeln – genau die Arten, die eine Nisthilfe annehmen. Wer allen helfen will, braucht deshalb auch offene, unbewachsene Bodenstellen im Garten.
11. Jede Art hat ihr eigenes Handwerk. Die Blattschneiderbiene schneidet kreisrunde Stücke aus Blättern und tapeziert damit ihre Brutzellen. Die Rostrote Mauerbiene verschließt sie mit Lehm. Die Große Wollbiene kämmt Pflanzenhaare ab und polstert damit; ihre Männchen verteidigen ein Revier und rammen Eindringlinge im Flug. Die Blaue Holzbiene, mit bis zu 28 mm die größte heimische Art, nagt eigene Gänge in Totholz.
12. Manche können, was Honigbienen nicht können. Tomate, Aubergine und Heidelbeere geben ihren Pollen nur heraus, wenn die Blüte in Schwingung gerät. Hummeln klammern sich fest und lassen ihre Flugmuskulatur vibrieren, bis er herausfällt – Vibrationsbestäubung. Hummeln fliegen außerdem schon ab etwa 5 °C, Honigbienen erst ab rund 12 °C. An einem kalten Kirschblütentag arbeiten nur die Wildbienen.
Den röhrenbewohnenden Arten einen Nistplatz geben
Mauerbienen, Scherenbienen und Blattschneiderbienen nehmen eine Nisthilfe an, wenn die Durchmesser stimmen – 2 bis 9 mm, sauber gebohrt, hinten geschlossen.
Bienenhotel ansehenFazit
Das Bild von der Biene ist meist das Bild der Honigbiene: Volk, Waben, Honig, Imker. Der größere Teil der Gruppe lebt anders – allein, unauffällig, oft an eine einzige Pflanzengattung gebunden. Und weil diesem größeren Teil Nistplätze und Blüten fehlen, ist er auch der Teil, dem man im Garten tatsächlich helfen kann.
Weiter geht es mit Was fressen Bienen? und Wie bestäuben Bienen? Wer den Garten insgesamt für Nützlinge herrichten will, findet bei den Eulenkästen das Gegenstück für die Nacht.
Häufige Fragen
Wie viele Augen hat eine Biene?
Fünf: zwei Facettenaugen an den Kopfseiten und drei Punktaugen auf dem Scheitel.
Wie entsteht Honig?
Enzyme spalten den Zucker im Nektar, und die Bienen fächeln so lange über den Zellen, bis der Wassergehalt unter 20 % liegt. Dann wird die Zelle mit Wachs verschlossen.
Was ist der Schwänzeltanz?
Eine Lauffigur im Stock, die Richtung und Entfernung einer Futterquelle übermittelt – der Winkel zur Senkrechten die Richtung, die Dauer des Wackelns die Entfernung.
Wie lange leben Bienen?
Honigbienen-Arbeiterinnen im Sommer etwa sechs Wochen, Winterbienen mehrere Monate, Königinnen zwei bis fünf Jahre. Erwachsene Wildbienen leben oft nur wenige Wochen; ihr Nachwuchs überwintert in der verschlossenen Brutzelle.
Stechen Wildbienen am Bienenhotel?
Praktisch nicht. Sie haben kein Volk zu verteidigen, und bei vielen Arten durchdringt der Stachel menschliche Haut kaum.