Die Welt der Honigbienen: Biologie, Volk und Honig

Unveiling the World of Bees: Nature’s Tiny Architects Image by Hermann Kollinger from Pixabay

Bienen sind Baumeister, Chemiker und Dauerarbeiter in einem. Wer versteht, wie ein Bienenvolk funktioniert, versteht auch, warum diese Tiere für Landwirtschaft und Artenvielfalt so viel bedeuten. Dieser Beitrag geht durch Anatomie, Lebenszyklus, Aufgaben im Volk und Honigproduktion.

Eine Einordnung vorweg: Es geht hier um die Honigbiene – das Tier mit Königin, Volk, Waben und Honig, das von Imkern gehalten wird. Die rund 560 Wildbienenarten in Deutschland leben anders: die meisten allein, ohne Volk, ohne Königin und ohne Honig. Sie sind es auch, die ein Bienenhotel im Garten nutzen. Wenn Sie nach dem suchen, lesen Sie Wie Bienenhotels Wildbienen und dem Garten helfen.

Biologie und Anatomie

Ist eine Biene ein Insekt?

Ja. Bienen gehören zur Ordnung der Hautflügler (Hymenoptera), zu der auch Ameisen und Wespen zählen. Wie alle Insekten haben sie drei Körperabschnitte – Kopf, Brust, Hinterleib – dazu sechs Beine, zwei Flügelpaare, ein Fühlerpaar, ein Außenskelett und Facettenaugen.

Wie viele Augen haben Bienen?

Fünf. Zwei große Facettenaugen an den Kopfseiten, aus tausenden Einzellinsen aufgebaut, liefern ein weites Blickfeld und erkennen Bewegung sehr gut. Dazu kommen drei kleine Punktaugen (Ocellen) auf dem Kopf, die Lichtintensität messen und der Biene helfen, im Flug die Lage zu halten.

Haben Bienen Lungen?

Nein. Bienen atmen über ein Netz feiner Röhren, die Tracheen. Die Luft tritt durch kleine Öffnungen an den Körperseiten ein, die Stigmen, und der Sauerstoff gelangt direkt zu Geweben und Organen. Für ein so kleines Tier ist das äußerst wirksam und trägt den hohen Energiebedarf beim Fliegen.

Ist eine Biene eine Wespe?

Nein, auch wenn sie oft verwechselt werden. Bienen ernähren sich von Nektar und Pollen und sind dicht behaart – daran bleibt der Pollen hängen. Wespen sind schlanker, fast unbehaart und jagen Insekten für ihre Brut. Beide haben ihren Platz im Garten: Wespen regulieren Blattläuse, Raupen und Fliegen.

Lebenszyklus und Kasten im Volk

Wie vermehren sich Honigbienen?

Im Zentrum steht die Königin. Sie paart sich auf einem Hochzeitsflug mit mehreren Drohnen, speichert den Samen und befruchtet damit über Jahre ihre Eier. Aus befruchteten Eiern werden weibliche Arbeiterinnen, aus unbefruchteten die männlichen Drohnen. In der Hauptsaison legt eine Königin bis zu 2.000 Eier am Tag.

Wie lange leben Honigbienen?

Das hängt an der Aufgabe:

  • Arbeiterinnen leben im Sommer etwa sechs Wochen – die Arbeit ist zehrend. Die im Herbst geschlüpften Winterbienen halten mehrere Monate durch, weil sie vor allem Wärme halten und kaum ausfliegen.
  • Drohnen leben wenige Wochen. Nach der Paarung sterben sie; die übrigen werden am Saisonende aus dem Stock gedrängt, wenn die Vorräte knapp werden.
  • Die Königin kann zwei bis fünf Jahre alt werden, weil sie gepflegt und gefüttert wird und den Stock kaum verlässt. Lässt ihre Legeleistung nach, zieht das Volk eine neue nach.

Was machen Arbeiterinnen?

Alles außer Eierlegen. Eine Arbeiterin wechselt im Laufe ihres Lebens die Aufgaben: erst Brutpflege und Reinigung im Stock, dann Wabenbau, später Wachdienst am Eingang und zuletzt das Sammeln von Nektar und Pollen.

Was machen Drohnen?

Sie begatten Königinnen – in der Regel die aus anderen Völkern, was für die genetische Vielfalt wichtig ist. Nektar sammeln sie nicht, und an der Verteidigung nehmen sie nicht teil.

Wie sieht eine Königin aus?

Deutlich größer als die Arbeiterinnen, mit lang gestrecktem Hinterleib, mit dem sie Eier tief in die Zellen legt. Ihre Flügel wirken im Verhältnis zum Körper kurz, und ihr fehlen die Pollenhöschen der Sammlerinnen. Im Stock ist sie meist von einem Hofstaat aus Arbeiterinnen umgeben.

Der Wabenbau

Arbeiterinnen scheiden Wachs aus Drüsen am Hinterleib aus, kauen es weich und formen daraus sechseckige Zellen. Das Sechseck ist die Form, die bei minimalem Materialeinsatz maximalen Raum gibt – und sie ist stabil.

In den Zellen wird Brut aufgezogen und Honig und Pollen gelagert. Zum Abdichten von Ritzen und zum Verstärken nutzen Honigbienen zusätzlich Propolis, ein Harz, das sie an Baumknospen sammeln. Propolis dient dem Verschließen und der Hygiene, nicht dem Bau der Zellen selbst.

Honigproduktion

Wie entsteht Honig?

Sammlerinnen nehmen Nektar mit dem Rüssel auf und speichern ihn in der Honigblase. Schon dort beginnen Enzyme, die komplexen Zucker in Glukose und Fruktose zu spalten. Im Stock wird der Nektar weitergegeben und dabei weiterverarbeitet.

Anschließend kommt er in die Wabenzellen. Die Bienen fächeln mit den Flügeln darüber, bis genug Wasser verdunstet ist – von rund 80 % Wassergehalt im Nektar auf unter 20 % im Honig. Erst dann wird die Zelle mit einem Wachsdeckel verschlossen.

Warum machen Bienen Honig?

Als Wintervorrat. Honig ist der Energiespeicher, von dem ein Volk lebt, wenn nichts blüht. Der niedrige Wassergehalt und der hohe Zuckeranteil machen ihn zugleich haltbar und keimhemmend – er verdirbt im Stock nicht.

Wie viel Honig macht eine Biene?

Eine einzelne Arbeiterin bringt in ihrem Leben etwa ein Zwölftel Teelöffel zusammen. Ein starkes Volk kommt in einem guten Jahr auf 20 bis 40 kg – die Leistung entsteht durch die Zahl der Tiere, nicht durch das einzelne.

Machen alle Bienen Honig?

Nein, und das ist der Punkt, der zu den Wildbienen zurückführt. Honig in Vorratsmengen legen nur die Honigbienen der Gattung Apis an, bei uns die Westliche Honigbiene (Apis mellifera). Hummeln legen kleine Vorräte für den täglichen Bedarf an. Die übrigen Wildbienen – die große Mehrheit – machen gar keinen Honig: Sie versorgen jede Brutzelle einzeln mit einem Pollenvorrat und verschließen sie.

Zahlen und Verbreitung

Wie viele Bienen leben in einem Volk?

Im Hochsommer 20.000 bis 80.000 Tiere: eine Königin, tausende Arbeiterinnen und einige hundert Drohnen. Im Winter schrumpft das Volk deutlich, weil die Königin die Eiablage einstellt und es nur noch ums Überdauern geht.

Wie viele Bienenarten gibt es?

Weltweit sind rund 20.000 Bienenarten beschrieben, in Deutschland etwa 560. Genau eine davon ist die Honigbiene. Gesamtzahlen einzelner Tiere, wie sie manchmal genannt werden, sind nicht belastbar – die Artenzahl ist die aussagekräftige Größe, und bei den Arten ist der Rückgang eindeutig: über die Hälfte der deutschen Wildbienenarten steht auf der Roten Liste.

Bienen und Menschen

Welche Bienen stechen?

Stechen können nur die Weibchen, und tatsächlich tun es die wenigsten Arten. Honigbienen stechen zur Verteidigung des Stocks, und zwar nur einmal: Ihr Stachel hat Widerhaken, bleibt in der Haut stecken, und die Biene stirbt. Hummeln und Wespen haben glatte Stacheln und können mehrfach stechen.

Wildbienen am Bienenhotel sind praktisch harmlos: Sie haben keinen Stock zu verteidigen, und bei vielen Arten durchdringt der Stachel menschliche Haut kaum.

Was symbolisieren Bienen?

Fleiß, Zusammenarbeit und Ordnung – in vielen Kulturen seit der Antike. Im alten Ägypten standen sie für Königtum und Wiedergeburt, in der griechischen Mythologie als Mittler zwischen Göttern und Menschen. Heute sind sie vor allem zum Symbol für einen gesunden Lebensraum geworden: Wo viele Bienenarten vorkommen, stimmt meist auch der Rest.

Wildbienen einen Nistplatz geben

Die Honigbiene hat ihren Imker. Den Wildbienen im Garten fehlen Nistplätze – und genau da können Sie etwas tun.

Bienenhotel ansehen

Fazit

Ein Honigbienenvolk ist eines der bemerkenswertesten Systeme der Natur: klare Aufgabenteilung, ein Bauwerk aus Sechsecken und ein Vorratssystem, das einen Winter trägt. Das meiste davon ist bei den Wildbienen ganz anders – und beide zu kennen lohnt sich, wenn man im Garten etwas für Bestäuber tun will.

Wie die Bestäubung selbst funktioniert, steht in Wie bestäuben Bienen?, und weitere Überraschungen in Wissenswertes über Bienen.

Für die Arten, die in Röhren nisten, finden Sie passende Quartiere unter Bienenhotels – mit den Maßen, auf die es ankommt.