Die Wächter der Nacht: warum Fledermäuse zählen

The Night Guardians: The Importance of Bats to Our World | Image by Ben Mayr from Pixabay

Fledermäuse haben etwas Faszinierendes, das nichts mit Halloween-Deko und Vampirfilmen zu tun hat: Sie sind unterwegs, während der Rest der Welt schläft. Wer sich mit ihnen befasst, merkt schnell, dass diese oft missverstandenen Tiere zu den nützlichsten Nachbarn gehören, die ein Garten haben kann.

Ein Missverständnis vorweg

Fledermäuse sind nicht blind. Alle Arten können sehen, manche gut. Was sie auszeichnet, ist die Echoortung: kurze Ultraschallrufe, deren Echos ihnen in völliger Dunkelheit zeigen, wo ein Insekt fliegt, wie groß es ist und wohin es ausweicht.

Warum Fledermäuse wichtig sind

Sie arbeiten in einer Schicht, die sonst niemand übernimmt. Wenn die Tagjäger schlafen, fliegen die Insekten – und die Fledermäuse hinter ihnen her. Diese Leistung bleibt unsichtbar, weil sie nachts passiert.

Insektenregulierung

Das ist die zentrale Rolle der heimischen Arten. Viele Fledermäuse nehmen pro Nacht über 30 % ihres Körpergewichts an Insekten auf; säugende Weibchen deutlich mehr, weil die Milchproduktion Energie kostet. Gefressen wird, was nachts fliegt: Nachtfalter, Mücken, Zuckmücken, Käfer, Zikaden.

Für die Landwirtschaft ist das messbar. Die oft zitierten Milliardenbeträge stammen allerdings aus einer US-amerikanischen Studie und lassen sich nicht direkt auf Europa übertragen – die Richtung stimmt, die Zahl gehört in ihren Kontext. Im europäischen Obst- und Weinbau ist der Effekt auf Wickler und andere Nachtfalter belegt, und er senkt den Bedarf an Insektiziden.

Bestäubung und Samenverbreitung – aber nicht hier

Ohne Fledermäuse gäbe es weniger Agaven, weniger Durian, weniger tropischen Waldnachwuchs. Nektarfressende Arten bestäuben nachts Blüten, die sich erst im Dunkeln öffnen, und Fruchtfresser verbreiten die Samen, die sie mitnehmen.

Wichtig zur Einordnung: Diese Arten leben in den Tropen und Subtropen. In Europa kommt keine von ihnen vor – alle 25 Arten in Deutschland und alle rund 45 in Europa fressen ausschließlich Insekten. Der Beitrag der heimischen Fledermäuse liegt bei den Insekten, nicht bei der Bestäubung. Mehr dazu in Fledermäuse als Bestäuber: wo das gilt und wo nicht.

Was das für Menschen bedeutet

Wirtschaftlich

Weniger Insektenschaden heißt weniger Ertragsverlust und weniger Pestizideinsatz. Das wirkt in der Landwirtschaft, in der Forstwirtschaft und indirekt überall dort, wo nachts Insekten zum Problem werden – bis zur eigenen Terrasse im Juli.

In der Forschung

Fledermäuse sind biologisch bemerkenswert: Sie werden für ihre Größe außergewöhnlich alt, und ihr Immunsystem geht mit Viren anders um als das der meisten Säugetiere. Das macht sie zu einem interessanten Forschungsobjekt für Immunologie und Alterungsforschung. Die Arbeit daran läuft – fertige Therapien sind daraus bisher nicht entstanden, und wer das behauptet, greift vor.

Was sie für das Ökosystem bedeuten

Artenvielfalt

Fledermäuse hängen mit vielem zusammen. Sie regulieren Insektenbestände, sie sind selbst Beute für Eulen und Greifvögel, und ihr Guano trägt in Höhlen ganze Lebensgemeinschaften. Fällt ein Glied aus, verschiebt sich mehr als eine Art.

Zeigerarten

Das ist der unterbewertete Punkt. Fledermausbestände reagieren empfindlich auf Insektenschwund, Lichtverschmutzung, Quartierverluste und Pestizide. Wer sie zählt, misst indirekt den Zustand der Landschaft – sie funktionieren als Frühwarnsystem, lange bevor ein Problem offensichtlich wird.

Der Schutz fängt am eigenen Haus an. Was ein Kasten konkret leistet, steht in den 7 Vorteilen von Fledermauskästen.

Was den Beständen zusetzt

In Mitteleuropa steht der Quartierverlust an erster Stelle: gedämmte Dachböden, verschlossene Fugen und Spalten, gefällte Höhlenbäume. Dazu kommen der Insektenschwund als Nahrungsgrundlage, nächtliche Beleuchtung, Pestizide und Verluste an Windenergieanlagen.

Das Weißnasen-Syndrom, das oft in diesem Zusammenhang genannt wird, hat in Nordamerika Millionen Tiere getötet. Der Erreger kommt auch in Europa vor, löst hier aber keine vergleichbaren Massensterben aus – die europäischen Arten gelten als weitgehend angepasst. Für unsere Bestände ist es derzeit nicht der entscheidende Faktor.

Was Sie tun können

Hängen Sie ein Fledermausquartier an eine sonnige Wand, verzichten Sie auf Pestizide, lassen Sie den Garten nachts dunkel und pflanzen Sie nachts blühende Arten für die Beuteinsekten. Und wenn Sie ein Quartier am Haus haben: lassen Sie es, wo es ist. Ein erhaltenes Quartier ist mehr wert als ein neuer Kasten.

Zum Schluss

Fledermäuse sind für die Landschaft, in der wir leben, wichtiger als ihr Ruf vermuten lässt. Sie zu schützen heißt nicht, eine einzelne Art zu retten, sondern ein Gefüge zu erhalten, das auch uns trägt – und das an einer Stelle beginnt, die man selbst in der Hand hat: der eigenen Hauswand.

Wenn Sie das nächste Mal einen Sommerabend draußen verbringen, ohne dauernd nach Mücken zu schlagen, war vermutlich jemand vor Ihnen da.

Unsere Modelle finden Sie in der Auswahl an Fledermauskästen – wetterfest und auf die heimischen Arten ausgelegt.

Häufige Fragen

Sind Fledermäuse blind?

Nein. Alle Arten können sehen, viele sogar recht gut. Zur Orientierung und Jagd im Dunkeln verlassen sie sich aber auf die Echoortung.

Können Fledermäuse Tollwut übertragen?

Heimische Arten können europäische Fledermaus-Lyssaviren tragen, die mit dem Tollwutvirus verwandt sind. Der Anteil betroffener Tiere ist sehr gering, und Übertragungen auf Menschen sind in Europa äußerst selten. Trotzdem gilt ausnahmslos: niemals mit bloßen Händen anfassen, immer Handschuhe – und nach einem Biss oder Kratzer die Stelle waschen und umgehend zum Arzt.

Saugen Fledermäuse Blut?

Von den weltweit über 1.400 Arten leben genau drei von Blut, alle in Mittel- und Südamerika. Sie ritzen die Haut von Weidetieren an und lecken das Blut; auf Menschen gehen sie praktisch nicht. In Europa kommen sie nicht vor.

Welchen Beitrag leisten Fledermäuse für die Umwelt?

In Europa vor allem die Regulierung nachtaktiver Insekten und ihre Funktion als Zeigerart für den Zustand der Landschaft. Bestäubung und Samenverbreitung leisten tropische Arten.

Sind Fledermäuse wichtig für die Landwirtschaft?

Ja. Sie senken den Druck durch nachtaktive Schädlinge, etwa Wickler im Obst- und Weinbau, und damit den Bedarf an Insektiziden.

Welchen Bedrohungen sind sie ausgesetzt?

Quartierverlust durch Sanierung und Abriss, Insektenschwund, Lichtverschmutzung, Pestizide und Verluste an Windenergieanlagen. Alle heimischen Arten sind deshalb streng geschützt.

Wie kann ich helfen?

Ein Quartier anbieten, vorhandene Quartiere erhalten, keine Pestizide einsetzen, nachts nicht ausleuchten – und eine örtliche Fledermausgruppe unterstützen. NABU und BUND vermitteln Beratung in Ihrer Region.

Warum haben manche Menschen Angst vor Fledermäusen?

Weil Horrorfilme und alte Erzählungen ein Bild geprägt haben, das mit den Tieren nichts zu tun hat. Wer einmal einen Ausflug in der Dämmerung beobachtet hat, verliert das meist.

Was fressen Fledermäuse?

Heimische Arten ausschließlich Insekten. Weltweit gibt es zusätzlich Frucht-, Nektar-, Fisch- und die drei Blutfresser. Mehr dazu in Was fressen Fledermäuse?