Fledermäuse als Bestäuber: wo das gilt und wo nicht

Bats as Pollinators: Guardians of Ecosystems Photo by HitchHike

Das Wichtigste zuerst, weil es oft falsch dargestellt wird: Es gibt Fledermäuse, die Pflanzen bestäuben – aber keine von ihnen lebt in Europa. Alle 25 in Deutschland vorkommenden Arten und alle rund 45 europäischen Arten leben ausschließlich von Insekten. Bestäubung und Samenverbreitung durch Fledermäuse sind ein tropisches und subtropisches Phänomen.

Wer also einen Fledermauskasten aufhängt, tut das nicht für die Bestäubung im eigenen Garten. Was heimische Fledermäuse leisten, steht weiter unten – und es ist in der Menge beeindruckend genug.

Dieser Beitrag erklärt, wie Bestäubung durch Fledermäuse funktioniert, wo sie stattfindet und was daraus für Europa folgt.

Was Fledermäuse weltweit leisten, steht auch in Die Wächter der Nacht.

Warum Bestäubung durch Fledermäuse zählt

Bestäubung, also die Übertragung von Pollen zwischen Blüten, ist die Voraussetzung für die Fortpflanzung vieler Pflanzen. Den meisten fallen dabei zuerst Bienen ein. Fledermäuse sind die weniger bekannte Gruppe, und sie besetzen eine Nische, die tagsüber niemand abdeckt: Blüten, die sich erst nachts öffnen.

In den Regionen, in denen sie vorkommen, sind sie damit kaum ersetzbar. Fällt der nachtaktive Bestäuber aus, bleibt die Blüte unbestäubt – es kommt kein tagaktives Tier vorbei, das die Lücke füllt.

Wo bestäubende Fledermäuse leben

Die Verbreitung ist klar begrenzt. Nektar- und Früchtefresser kommen in den Tropen und Subtropen vor: in Mittel- und Südamerika, in Afrika, in Süd- und Südostasien, in Australien und auf den Pazifikinseln. In tropischen Regenwäldern und in Wüsten wie der Sonora-Wüste ist ihre Vielfalt am größten.

Europa liegt außerhalb dieses Gebiets. Die nächsten nektarfressenden Arten leben in Nordafrika südlich der Sahara. In Mitteleuropa gab es sie auch historisch nicht.

Welche Pflanzen von Fledermäusen bestäubt werden

Nektarpflanzen

Zu den bekanntesten Beispielen gehört die Agave – ohne Fledermäuse keine Wildbestäubung und langfristig kein Tequila – dazu Bananen und der Saguaro-Kaktus. Nektarfressende Arten haben extrem lange Zungen, mit denen sie tief in die Blüte reichen und dabei Pollen aufnehmen und weitergeben.

Fruchtpflanzen

Bei Früchten geht es weniger um Bestäubung als um Samenverbreitung. Durian und Mango zählen dazu: Fledermäuse tragen die Samen weit vom Mutterbaum weg und sichern so die Ausbreitung.

Nachtblüher

Pflanzen, deren Blüten sich nur nachts öffnen, sind auf nachtaktive Besucher angewiesen. Prunkwinde und Königin der Nacht sind bekannte Beispiele. Sie locken mit starkem Duft statt mit Farbe – was zu einem Besucher passt, der sich nicht nach Sicht orientiert.

Wie es funktioniert

Sinne und Anpassungen

Anders als oft geschrieben finden nicht alle diese Arten ihre Blüten per Echoortung. Die Flughunde der Alten Welt orientieren sich überwiegend mit Geruch und Augen; die meisten von ihnen echoorten gar nicht. Die nektarfressenden Blattnasen Amerikas dagegen nutzen Echoortung, und manche von ihnen bestäubten Pflanzen haben schallreflektierende Blütenblätter entwickelt, die wie ein akustischer Wegweiser wirken.

Der Pollentransport

Beim Trinken am Nektar bleibt Pollen im Fell hängen. Beim nächsten Blütenbesuch derselben Art wird er abgestreift, und die Bestäubung findet statt. Dieser Weg heißt Chiropterophilie – das Gegenstück zur Entomophilie bei Insekten und zur Ornithophilie bei Vögeln.

Koevolution

Beide Seiten haben sich über Millionen Jahre aufeinander eingestellt: die Tiere auf das Anfliegen von Blüten, die Pflanzen auf nächtliches Öffnen, starken Duft, robuste Blütenstände und große Nektarmengen. Solche Paare sind Lehrbuchbeispiele für Koevolution.

Was heimische Fledermäuse stattdessen leisten

Hier liegt der Nutzen für Ihren Garten. Die europäischen Arten sind reine Insektenjäger, und sie arbeiten in einer Größenordnung, die kein anderes Gartentier erreicht:

  • Eine Zwergfledermaus nimmt in einer Stunde mehrere hundert Insekten auf – Mücken, Nachtfalter, Käfer, Zuckmücken.
  • Das senkt den Insektendruck rund um Haus und Terrasse ohne Spray und ohne Chemie.
  • In der Landwirtschaft ist der Effekt auf Schädlinge im Obst- und Weinbau messbar. Genau darum ist der Verzicht auf Pestizide doppelt wirksam: Er schützt die Tiere und ihre Nahrung.

Anders gesagt: In den Tropen sind Fledermäuse Bestäuber, in Europa sind sie die Insektenregulierung. Beides ist ein Grund, ihnen ein Quartier zu geben – nur eben nicht derselbe.

Was ein Kasten konkret bringt, steht in den 7 Vorteilen von Fledermauskästen.

Was Fledermausbestände bedroht

Verlust von Quartieren

Die größte Bedrohung, weltweit wie in Europa. Bebauung, Abholzung und Sanierung nehmen den Tieren Quartiere und Jagdgebiete. In Mitteleuropa sind es vor allem gedämmte Dachböden, verschlossene Spalten und gefällte Höhlenbäume.

Pestizide

Pestizide wirken doppelt: Sie verringern das Insektenangebot und belasten die Tiere über die Nahrung. Die Folgen zeigen sich in schwächerer Kondition und geringerem Fortpflanzungserfolg.

Klimawandel

Verschobene Temperatur- und Niederschlagsmuster verändern, wann Insekten fliegen und Pflanzen blühen. Passen Quartierzeiten und Nahrungsangebot nicht mehr zusammen, geht das zulasten der Jungenaufzucht.

Und in Nordamerika: das Weißnasen-Syndrom

Diese Pilzerkrankung hat in Nordamerika seit 2006 Millionen Tiere getötet. Der Erreger kommt in Europa vor, ohne hier vergleichbare Massensterben auszulösen – europäische Arten gelten als weitgehend angepasst. Wer aus Nordamerika kommend europäische Höhlen besucht, sollte seine Ausrüstung dennoch desinfizieren.

Was Sie tun können

Im Garten

Keine Pestizide, nachts blühende Pflanzen für die Beuteinsekten, eine Wasserstelle, wenig Kunstlicht – und ein Quartier. Achten Sie bei der Auswahl auf geprüfte Bauformen, etwa unsere von Merlin Tuttle Bat Conservation zertifizierten Fledermauskästen.

Quartiere erhalten

Alle heimischen Arten sind streng geschützt, und geschützt ist auch das Quartier. Wer saniert, klärt das vorher mit der unteren Naturschutzbehörde und plant Ersatzquartiere ein. Ein erhaltenes Quartier ist mehr wert als zehn neue Kästen.

Richtig darstellen

Es hilft den Tieren nicht, ihnen Leistungen zuzuschreiben, die sie hier nicht erbringen. Die europäischen Arten brauchen kein Bestäuber-Argument – ihre Insektenbilanz reicht.

Fazit

Bestäubende Fledermäuse sind ein faszinierender Teil tropischer Ökosysteme, von der Agave bis zum Durian. In Europa übernehmen Fledermäuse eine andere, genauso wichtige Rolle: Sie halten nachts die Insekten in Schach. Wer beides auseinanderhält, versteht, warum ein Kasten im Garten sinnvoll ist – und wofür.

Unsere Auswahl finden Sie unter Fledermauskästen.

Häufige Fragen

Bestäuben alle Fledermäuse?

Nein. Nur ein Teil der weltweit über 1.400 Arten hat sich auf Nektar und Früchte spezialisiert. Alle europäischen Arten fressen Insekten.

Bestäuben Fledermäuse in meinem Garten?

Nicht in Europa. Diese Arbeit leisten hier Bienen, Hummeln, Schwebfliegen und nachts die Nachtfalter. Fledermäuse fressen stattdessen deren überschüssige Verwandtschaft – Mücken und andere Insekten.

Bestäuben sie nur nachts?

Ja. Nektarfressende Arten sind nachtaktiv und fliegen Blüten an, die sich nachts öffnen.

Was passiert, wenn die Bestände zurückgehen?

In den Tropen bleiben Blüten unbestäubt und Samen unverbreitet. In Europa steigt der Insektendruck, und ein Glied der Nahrungskette fällt aus.

Welche Pflanzen hängen von Fledermausbestäubung ab?

Agave, Banane, Saguaro-Kaktus und eine Reihe von Nachtblühern – alle in den Tropen und Subtropen, keine davon in Mitteleuropa.