Sind die Röhrchen Ihrer Nisthilfe im Frühjahr mit einem glatten Deckel aus getrockneter Erde verschlossen, war eine Mauerbiene am Werk. Sitzt später im Sommer ein Deckel aus zusammengerollten Blattstücken davor, war es eine Blattschneiderbiene. Beide sind Solitärbienen, beide sind ausgezeichnete Bestäuber, und beide sind im Garten völlig unproblematisch. Hier steht, wie Sie sie unterscheiden und warum ein Bienenhotel mit beiden Arten Ihren Garten vom Frühjahr bis in den Spätsommer abdeckt.
Solitär statt sozial: der Unterschied, auf den es ankommt
Bei „Biene“ denken die meisten an einen Stock: Königin, Volk, Arbeiterinnen, Honig. Das ist das soziale Modell, und es beschreibt Honigbienen und Hummeln. Die Bienen, die in eine Nisthilfe einziehen, funktionieren vollkommen anders.
Mauerbienen und Blattschneiderbienen sind Solitärbienen. Jedes Weibchen arbeitet für sich. Es paart sich, sucht einen passenden Hohlraum und baut darin eine Reihe einzelner Brutzellen, pro Zelle ein Ei, dazu ein Vorrat aus Pollen und Nektar für die Larve. Es gibt dabei weder Königin noch Volk noch Honig. An einer Nisthilfe beobachten Sie also einzelne Weibchen bei der Arbeit.
Daraus folgt auch ihr Verhalten. Soziale Bienen stechen, um einen Stock zu verteidigen, in dem etwas zu verlieren ist. Bei Solitärbienen fällt dieser Anlass weg, und beide Arten stechen praktisch nie. Man kann ihnen aus wenigen Zentimetern Entfernung bei der Arbeit zusehen.
Noch ein Merkmal, an dem man sie gut erkennt: Honigbienen sind Beinsammler und tragen den Pollen als „Höschen“ an den Hinterbeinen. Mauer- und Blattschneiderbienen gehören zu den Bauchsammlern und tragen den Pollen in einer Bürste an der Bauchseite. Wer ein Tier mit gelb oder orange gepudertem Unterleib in ein Röhrchen krabbeln sieht, hat eine Wildbiene vor sich.
Mauerbienen: die Frühstarter
Mauerbienen fliegen ab dem frühen Frühjahr, teils bevor überhaupt viel blüht. Das macht sie für Obstgärten so wertvoll, denn sie sind bei kühlem, wechselhaftem Wetter noch aktiv, wenn Honigbienen im Stock bleiben. Apfel, Kirsche, Birne und Beerenobst hängen an Bestäubern, die bei 10 °C fliegen, und Mauerbienen tun das.
Zwei Arten machen bei uns den Großteil der Besiedlung aus:
- Rostrote Mauerbiene (Osmia bicornis) – 8 bis 12 mm, dicht rostrot behaart, Brust dunkler als der Hinterleib. Die häufigste Art in Nisthilfen überhaupt, unterwegs von März oder April bis in den Juni.
- Gehörnte Mauerbiene (Osmia cornuta) – 11 bis 15 mm, Kopf und Brust schwarz, Hinterleib kräftig rostrot. Die früheste von allen, bei milder Witterung schon Ende Februar. Die Weibchen tragen zwei kleine Hörnchen im Gesicht, die der Art den Namen gegeben haben.
Wer eine metallisch blaugrün schimmernde Biene an der Nisthilfe sieht, hat es übrigens auch mit einer Mauerbiene zu tun, nur einer anderen: der Blauen Mauerbiene (Osmia caerulescens), die deutlich kleiner ist und erst ab Mai fliegt.
Den Namen haben alle von ihrer Bauweise. Das Weibchen holt feuchte Erde oder Lehm, mauert damit eine Trennwand hinter jede fertige Brutzelle und verschließt am Ende den ganzen Eingang mit einem glatten, hart aushärtenden Deckel. Ein erdfarbener, glatter Verschluss steht also für eine Mauerbiene, die fertig ist.
Daraus ergibt sich der wichtigste und meist übersehene Praxistipp: Ohne Baumaterial in Reichweite kann keine Mauerbiene ihre Zellen schließen. Eine offene, unbewachsene Lehm- oder Erdstelle von der Größe eines Handtuchs, möglichst innerhalb von wenigen Metern zur Nisthilfe und feucht gehalten, entscheidet oft über Besiedlung oder leeres Bienenhotel.
Blattschneiderbienen: die Sommerschicht
Wenn die Mauerbienensaison ausläuft, übernehmen die Blattschneiderbienen (Gattung Megachile). Sie fliegen von Juni bis in den August oder September, bei uns am häufigsten die Garten-Blattschneiderbiene (Megachile willughbiella) und die Rosen-Blattschneiderbiene (Megachile centuncularis). Sie sind schlanker und dunkler als Mauerbienen, ohne Metallglanz, oft mit hellen Haarbändern am Hinterleib.
Sie sind der Grund für die präzisen Halbkreise, die im Sommer aus den Blatträndern von Rosen, Flieder oder Forsythie verschwinden. Das Schneiden gehört zum Nestbau. Das Weibchen schneidet ein rundliches Stück von 1 bis 1,5 cm heraus, rollt es zusammen, trägt es ins Röhrchen und tapeziert damit die Brutzelle aus, eine weiche, dichte Hülle für Ei und Futtervorrat. Am Ende wird der Eingang mit denselben Blattstücken verschlossen, was dem Deckel ein grünliches, papierartiges Aussehen gibt.
Mauerbiene und Blattschneiderbiene im Vergleich
- Flugzeit: Mauerbienen – Ende Februar bis Juni; Blattschneiderbienen – Juni bis September
- Aussehen: Mauerbienen – rostrot behaart, kompakt gebaut; Blattschneiderbienen – dunkler, schlanker, ohne Metallglanz
- Deckel am Röhrchen: Mauerbienen – glatte, getrocknete Erde; Blattschneiderbienen – zusammengerollte Blattstücke
- Zellen im Inneren: Mauerbienen – Trennwände aus Lehm; Blattschneiderbienen – mit Blatt ausgekleidet
- Baumaterial nötig: Mauerbienen – offene Lehm- oder Erdstelle; Blattschneiderbienen – weichlaubige Sträucher in der Nähe
- Pollentransport: beide sammeln am Bauch, während die Honigbiene an den Beinen sammelt
- Lebensweise: beide solitär, ohne Volk, Königin und Honig
- Stichrisiko: bei beiden praktisch null, da es kein Nest zu verteidigen gibt
Wer nistet gerade bei Ihnen?
Gehen Sie an die Nisthilfe und schauen Sie auf die Verschlüsse, nicht auf die Bienen. Die Deckel erzählen die Geschichte: Ein glatter, harter, erdfarbener Pfropf heißt, dass eine Mauerbiene dieses Röhrchen fertig belegt hat. Ein rauerer, grünlicher Deckel aus geschichteten Blattstücken heißt dasselbe für eine Blattschneiderbiene. Ist im April verschlossen worden, war es eine Mauerbiene; ab Juli eine Blattschneiderbiene. Über eine ganze Saison sehen Sie in der Regel beides, erst eine Serie Lehmdeckel, dann eine Serie Blattdeckel, wenn die Arten die Bestäubungsarbeit untereinander weitergeben.
Wichtig: Belegte Röhrchen bleiben über den ganzen Winter belegt. In den verschlossenen Zellen entwickelt sich die nächste Generation, und sie schlüpft erst im folgenden Frühjahr. Ein Röhrchen im Oktober zu öffnen oder zu reinigen, weil „die Bienen ja weg sind“, vernichtet die komplette Nachzucht. Wann eine Reinigung sinnvoll ist und wann nicht, steht in unserem Beitrag zur Pflege der Nisthilfe im Jahresverlauf.
Die Halbmonde an den Rosen sind ein gutes Zeichen
Das sei deutlich gesagt, weil es regelmäßig Sorgen macht: Wenn aus Ihren Rosen- oder Fliederblättern saubere, runde Stücke am Rand fehlen, ist die Pflanze gesund und wird auch nicht befallen. Blattschneiderbienen nehmen nur kleine, präzise Randstücke, und eine gesunde Pflanze bildet weit mehr Blattmasse, als sie braucht. Der Verlust liegt im Bereich von wenigen Prozent der Blattfläche, und behandeln muss man dagegen nichts. Es zeigt, dass in Ihrem Garten eine Blattschneiderbiene erfolgreich Brutzellen anlegt.
Es sind nicht nur zwei Arten
Eine gut aufgestellte Nisthilfe wird in Mitteleuropa von deutlich mehr als zwei Arten genutzt, sofern die Röhrchen verschiedene Durchmesser zwischen 2 und 9 mm anbieten. Häufige Mitbewohner:
- Scherenbienen (Chelostoma) – sehr schlank, nutzen enge Röhrchen von 2 bis 4 mm; die Glockenblumen-Scherenbiene sammelt ausschließlich an Glockenblumen.
- Löcherbienen (Heriades) – klein, dunkel, sammeln nur an Korbblütlern wie Rainfarn und Ringelblume und verschließen mit Harz.
- Maskenbienen (Hylaeus) – fast unbehaart, mit heller Gesichtszeichnung; sie tapezieren ihre Zellen mit einem klaren, cellophanartigen Sekret und tragen Pollen im Kropf statt in einer Bürste.
Alle heimischen Wildbienen sind nach der Bundesartenschutzverordnung besonders geschützt. Ein besiedeltes Röhrchen darf also nicht geöffnet, umgesetzt oder ausgeräumt werden.
Warum zwei Jahreszeiten zählen
Ein Garten mit ausschließlich Frühjahrsbestäubern verliert nach dem Juni an Schwung. Kommen nur Sommerarten, fällt die frühe Obstblüte aus, also genau der Teil, an dem die Ernte hängt. Mauerbienen und Blattschneiderbienen gemeinsam zu unterstützen bedeutet, dass vom Frühjahr bis in den Spätsommer ohne Lücke bestäubt wird. Wie dieser Mechanismus funktioniert, steht unter wie Bienen bestäuben; was die Tiere dabei aufnehmen, unter was Bienen fressen.
Welche Art auch zuerst einzieht: Unser Bienenhotel bietet die Durchmesser und Tiefen, auf die Mauerbienen und Blattschneiderbienen jeweils angewiesen sind, damit die ganze Staffel vom Frühjahr bis zum Spätsommer getragen wird.
Platz für beide Staffeln
Röhrchen von 2 bis 9 mm decken Mauerbienen, Blattschneiderbienen und ihre kleineren Verwandten ab.
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