Zertifizierung von Fledermauskästen: BCI, MTBC und die 10 Kriterien

Bat House Certification Explained: BCI, MTBC, and Why It Matters

Fledermauskästen unterscheiden sich stark. Hier steht, was eine Zertifizierung tatsächlich bedeutet, welcher Standard heute gilt und woran Sie erkennen, ob ein Kasten Fledermäuse anzieht oder ihnen schadet.

Warum es Zertifizierungen gibt

In Bau- und Gartenmärkten und auf Online-Marktplätzen finden Sie Fledermauskästen in jeder Preisklasse. Viele davon sind untauglich: zu klein, ohne Belüftung, aus Materialien gebaut, an denen sich Tiere verletzen, oder mit Fugen, durch die Zugluft zieht. Ein Kasten, der an der Wand dekorativ aussieht, aber die Anforderungen nicht erfüllt, bleibt Gartendeko.

Darum gibt es Zertifizierungsprogramme. Sie legen Konstruktionsstandards fest, die auf Forschung beruhen und dafür sorgen, dass ein Kasten als Quartier funktioniert. Zwei Organisationen haben das geprägt: Bat Conservation International (BCI) und Merlin Tuttle’s Bat Conservation (MTBC).

BCI-Zertifizierung: der ursprüngliche Standard (1998–2020)

Bat Conservation International richtete 1998 das erste Zertifizierungsprogramm für Fledermauskästen ein. Über zwei Jahrzehnte war es der Maßstab. Hersteller schickten fertige Kästen an die BCI-Zentrale in Texas, wo sie gegen zehn Kriterien geprüft wurden. Nur Kästen, die jedes einzelne erfüllten, erhielten das Siegel „Bat Approved“.

Das Programm hat die Qualität in der ganzen Branche gehoben. Käufer konnten durchdachte Konstruktionen von bloßer Dekoration unterscheiden, und die Hersteller mussten sich mit Fledermausbiologie befassen.

BCI hat das Programm Ende 2020 eingestellt. Es ist nicht mehr aktiv, und BCI prüft und zertifiziert keine Fledermauskästen mehr, von keinem Hersteller. Die veröffentlichten Konstruktionsrichtlinien bleiben eine gute Referenz, das Siegel selbst ist jedoch Geschichte: Neue Produkte können es nicht mehr erhalten.

Das ist relevant, weil „BCI-zertifiziert“ auf vielen Websites und in Produktangaben weiterhin auftaucht. In manchen Fällen betrifft es Kästen, die vor dem Programmende tatsächlich zertifiziert wurden, in anderen handelt es sich um veraltete oder irreführende Werbung. Wird für ein nach 2020 entwickeltes Produkt eine aktuelle BCI-Zertifizierung behauptet, lohnt die Rückfrage.

MTBC: der aktive Standard von heute

Als BCI sich aus der Zertifizierung zurückzog, übernahm Merlin Tuttle’s Bat Conservation.

Merlin Tuttle gilt als einer der führenden Fledermausforscher weltweit. Er gründete BCI 1982 und leitete es drei Jahrzehnte, bevor er MTBC für seine Forschungs- und Schutzarbeit ins Leben rief. Sein Buch The Bat House Guide von 2023 ist die aktuellste forschungsgestützte Darstellung zu Konstruktion und Anbringung von Fledermauskästen.

Eine MTBC-Zertifizierung bedeutet, dass ein Kasten am heutigen Forschungsstand gemessen wurde, also an Kriterien aus laufenden Freilanduntersuchungen und Besiedlungsdaten.

Unsere Kästen sind von Merlin Tuttle’s Bat Conservation zertifiziert. Das ist die derzeit einzige aktiv gepflegte Zertifizierung für Fledermauskästen.

Die zehn Kriterien – mit den Maßen für heimische Arten

Ob Sie einen zertifizierten Kasten prüfen oder selbst bauen: Das sind die Standards, die sich aus Jahrzehnten Forschung ergeben. Wo die ursprünglichen Werte auf nordamerikanische Arten zugeschnitten sind, steht der Wert für die Arten in Deutschland, Österreich und der Schweiz daneben.

1. Kammerhöhe: mindestens 50 cm

Höhere Kammern erzeugen eine größere Temperaturspanne im Inneren. Die Tiere wandern darin auf und ab, um die Temperatur zu finden, die ihnen passt. Eine flache Kammer nimmt ihnen diese Möglichkeit. Viele Modelle im Handel sind nur 30 bis 38 cm hoch und bieten damit praktisch kein Temperaturgefälle.

2. Kammerbreite: mindestens 35 cm

Breitere Kammern nehmen mehr Tiere auf und halten die Temperatur stabiler. Über 40 cm Breite brauchen die Trennbretter Distanzklötze, damit sie sich nicht durchbiegen. Röhrenförmige Modelle mit rundum laufender Kammer sind von diesem Mindestmaß ausgenommen.

3. Spaltbreite: 19 bis 25 mm

Daran scheitern die meisten nicht zertifizierten Kästen. Der Abstand zwischen den Trennbrettern muss genau eingehalten werden; als günstigster Wert gelten 19 mm. Für die heimischen Arten liegt der brauchbare Bereich bei 15 bis 20 mm. Ab 25 mm wird der Kasten für Wespen und andere Tiere interessant und für Fledermäuse unbrauchbar.

4. Anflugfläche: 8 bis 15 cm unter dem Einflug

Die Tiere brauchen eine Fläche, auf der sie landen und sich festhalten können, bevor sie nach oben klettern. Entweder steht die Rückwand 8 bis 15 cm unter dem Einflugschlitz hervor, oder die Trennbretter sind zurückgesetzt, sodass die Tiere innen anfliegen können. Ohne diese Fläche kommt niemand hinein.

5. Aufgeraute Innenflächen

Alle Innenflächen und die Anflugzone müssen Halt geben. Geeignet sind sägeraues Holz oder waagerechte Rillen im Abstand von 6 bis 13 mm und etwa 1,5 mm Tiefe; auch straff gespanntes Kunststoffnetz, alle 5 cm in beide Richtungen befestigt, ist zulässig.

Wichtig: Metallgitter, Drahtgeflecht und Fliegengitter aus Aluminium dürfen niemals verwendet werden, weil sich die Tiere daran verletzen. Kunststoffnetz muss straff sitzen und darf keine scharfen Kanten haben. Unsere Kästen haben eingefräste Rillen, die nicht durchhängen und in denen sich nichts verfangen kann.

6. Keine vorstehenden Teile im Inneren

Schrauben, Klammern, Nägel, Splitter und Montageteile dürfen nicht in die Kammern hineinragen. Alle Metallteile sollten für den Außenbereich taugen, also beschichtet, verzinkt oder aus Messing sein. Der Zusammenbau erfolgt mit Schrauben, denn Nägel und Klammern allein halten nicht über die Lebensdauer eines Kastens, der Jahre überdauern muss, bevor er besiedelt wird.

7. Belüftung

Belüftungsschlitze von etwa 13 mm Höhe sitzen im unteren Drittel des Kastens. Der vordere Schlitz läuft über die volle Breite; seitliche Schlitze sind optional und messen etwa 15 cm × 2,5 cm. In warmen Sommerlagen ist die Belüftung entscheidend, weil die Innentemperatur ohne Luftbewegung tödlich werden kann. In Mitteleuropa betrifft das vor allem den Oberrheingraben, das Wiener Becken, Burgenland, Wallis und Tessin.

8. Dicht und dauerhaft gebaut

Der Kasten muss fugenfrei sein. Alle Außenkanten werden beim Zusammenbau verklebt oder abgedichtet, denn einen zugigen Kasten geben Fledermäuse wieder auf. Dazu muss die Konstruktion halten: Von der Montage bis zur Besiedlung können Monate bis Jahre vergehen, und ein Kasten, der vorher zerfällt, hat nie eine Chance bekommen.

Unsere Kästen bestehen aus Zeder, die ohne Behandlung jahrelang der Witterung standhält.

9. Der richtige Anstrich

Wenn gestrichen wird, dann mit wasserbasierter Farbe oder Lasur für den Außenbereich und niemals innen. Die Farbe richtet sich nach der Region: dunkle Töne (Schwarz oder Dunkelbraun) für kühle Lagen, damit der Kasten Wärme aufnimmt; hellere Töne (Braun oder naturbelassene Zeder) für ausgesprochen warme Sommerlagen. Nördlich der Alpen sind Kästen fast immer zu kühl, weshalb im Zweifel der dunklere Ton richtig ist.

Wir führen unsere Kästen in Schwarz, Braun und naturbelassen, damit die Region über die Wahl entscheiden kann. Welche Farbe wohin gehört, steht in Schwarzer Fledermauskasten für kühle Lagen.

10. Ehrliche Angaben

Zertifizierte Kästen dürfen keine unbelegten Versprechen machen. Sätze wie „keine Mückenprobleme mehr“ oder garantierte Besiedlungszeiten sind nicht zulässig. Die Anleitung muss Angaben zu Anstrich, Sonneneinstrahlung, Montagehöhe, geeigneten Standorten und Abständen zu Wasser und Hindernissen enthalten.

Das nehmen wir ernst. Fledermäuse fressen beachtliche Mengen, eine Zwergfledermaus bis zu etwa 2.000 kleine Insekten pro Nacht und damit gut ein Drittel ihres Körpergewichts, aber der größte Anteil davon sind Zuckmücken, die nicht stechen. Wir stehen deshalb für die Konstruktion ein und nicht für ein bestimmtes Ergebnis im Garten.

Wie unsere Kästen dazu stehen

  • Material: Western Red Cedar, von Natur aus fäulnisbeständig, gute Dämmwirkung, ohne chemische Behandlung.
  • Kammern: zwei oder drei, je nach Modell, mit Spaltmaßen von 15 bis 20 mm.
  • Innenflächen: eingefräste Rillen statt Netz, ohne durchhängende Stellen.
  • Belüftung: Schlitze in Größe und Lage nach den Kriterien oben.
  • Beschläge: für den Außenbereich, ohne vorstehende Teile im Inneren, verschraubt statt genagelt.
  • Anflugfläche: verlängerte Rückwand unter dem Einflug.
  • Verarbeitung: abgedichtete Fugen, kein Zug.
  • Zertifizierung: aktiv von Merlin Tuttle’s Bat Conservation.
  • 1 % des Umsatzes gehen über 1% for the Planet an Umweltorganisationen.

Worauf Sie beim Kauf achten sollten

Nicht jeder Kasten im Handel wird angenommen. Typische Warnzeichen:

  • Zu klein. Unter 50 cm Kammerhöhe oder 35 cm Breite wird ein Kasten selten genutzt. Viele dekorative Modelle fallen darunter.
  • Keine Belüftung. Ein geschlossener Kasten wird im Sommer zum Backofen.
  • Metallgitter oder Fliegengitter innen. Daran verletzen sich die Tiere. Richtig sind eingefräste Rillen oder sauber gespanntes Kunststoffnetz.
  • Nur genagelt. Nägel lösen sich, es entstehen Fugen, und der Kasten wird undicht.
  • Keine Maßangaben. Fehlen Kammerhöhe, Spaltbreite und Material in der Beschreibung, sind sie meist nicht einzuhalten.
  • Veraltete Zertifizierungsangaben. „BCI-zertifiziert“ ist nur bei Produkten belastbar, die vor 2020 geprüft wurden.

Der Platz zählt so viel wie die Konstruktion

Auch der beste Kasten bleibt am falschen Ort leer.

  • Höhe: 4 bis 5 m, mindestens 3 m, mit freiem Raum darunter.
  • Sonne: 5 bis 8 Stunden am Tag. In kühlen Lagen ist die Nachmittagssonne wichtiger als die Morgensonne. In warmen Sommerlagen hilft Nachmittagsschatten oder eine hellere Außenfarbe.
  • Untergrund: Wand oder Mast, nicht der Baumstamm, denn dort ist es zu schattig und Kletterräuber kommen zu leicht heran.
  • Wasser: Teich, Bach oder Fluss im Umkreis von etwa 400 m verbessert die Chancen deutlich.
  • Zeitpunkt: Spätwinter oder frühes Frühjahr, bevor die Tiere die Sommerquartiere besetzen.
  • Geduld: Häufig eine bis drei Saisons. Ist ein Quartier angenommen, kehren die Tiere in den Folgejahren zurück.

Die Details stehen im Leitfaden zur Anbringung.

Rechtlicher Rahmen

Eine Zertifizierung sagt nichts über das Naturschutzrecht. Alle 25 heimischen Fledermausarten sind streng geschützt, nach § 44 BNatSchG und Anhang IV der FFH-Richtlinie. Aufhängen ist unproblematisch; ist der Kasten besetzt, darf er nicht geöffnet, abgenommen oder umgehängt werden. Kontrolle nur im Oktober oder November und nur an einem leeren Kasten.

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Alle Modelle mit aktiver MTBC-Zertifizierung, aus unbehandelter Zeder, mit Spaltmaßen von 15 bis 20 mm und eingefrästen Innenrillen.

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Häufige Fragen

Zertifiziert BCI noch Fledermauskästen?

Nein. BCI hat das Programm 2020 eingestellt. Die Konstruktionsrichtlinien bleiben eine gute Referenz, neue Zertifikate werden nicht mehr ausgegeben.

Was ist die MTBC-Zertifizierung?

Das derzeit aktive Prüfprogramm für Fledermauskästen, getragen von Merlin Tuttle’s Bat Conservation. Merlin Tuttle hat BCI gegründet und leitet dieses Programm am aktuellen Forschungsstand.

Garantiert ein zertifizierter Kasten, dass Fledermäuse einziehen?

Nein, und kein Kasten kann das. Es sind Wildtiere mit klaren Ansprüchen an das Quartier. Ein zertifizierter, richtig angebrachter Kasten gibt aber die beste Ausgangslage.

Was unterscheidet einen Zwei- von einem Dreikammer-Kasten?

Mehr Kammern bedeuten mehr Volumen und eine größere Temperaturspanne, zwischen der die Tiere wechseln können. Dreikammer-Kästen halten die Temperatur über die Nacht stabiler und bieten einer Wochenstube Platz.

Welche Spaltbreite gilt für heimische Arten?

15 bis 20 mm. Die ursprünglichen BCI-Maße von 19 bis 25 mm stammen von nordamerikanischen Arten; für Zwergfledermaus, Breitflügelfledermaus und Abendsegler liegt der brauchbare Bereich etwas darunter.