Ein Fledermauskasten bleibt leer, wenn es darin zu kalt ist. In Mitteleuropa ist zu wenig Wärme der häufigste Grund für einen erfolglosen Kasten, deutlich häufiger als Überhitzung oder eine falsche Bauart.
Deshalb ist in kühlen Lagen ein schwarzer Kasten die richtige Wahl. Dunkle Flächen nehmen Sonnenstrahlung auf und halten innen die Temperatur, die eine Wochenstube braucht. Dieser Beitrag erklärt, warum das so ist, worauf Sie beim Kasten achten und wo er hängen muss.
Warum die Farbe in kühlen Lagen entscheidet
Eine Wochenstube, also die Weibchengruppe, die im Sommer die Jungen aufzieht, braucht tagsüber 27 bis 40 °C im Kasten. Diese Wärme spart den Tieren Energie, die sonst ins Heizen geht und stattdessen in die Aufzucht fließen kann. Bleibt es kühler, wird der Kasten nicht angenommen oder wieder aufgegeben.
Eine dunkle Oberfläche nimmt deutlich mehr Sonnenwärme auf als eine helle oder unbehandelt vergraute. Die Temperatur im Inneren hängt damit vor allem am Anstrich und kaum an der Holzart.
Als kühl im Sinne dieses Beitrags gelten Nord- und Ostseeküste, die Norddeutsche Tiefebene, die Mittelgebirge, also Harz, Eifel, Sauerland, Erzgebirge, Bayerischer Wald und die höheren Lagen des Schwarzwalds, dazu Alpenvorland, Schweizer Mittelland, Nord- und Osttirol und das Salzburger Land. In gemäßigten Lagen ist Braun die passende Wahl; naturbelassenes Holz gehört nur in ausgesprochen warme Sommerlagen wie den Oberrheingraben, die Pfalz, das Wiener Becken, Burgenland, Wallis und Tessin.
Was der Kasten mitbringen muss
- Spaltmaße von 15 bis 20 mm zwischen den Kammern und am Einflugschlitz. Das wichtigste Maß am ganzen Kasten: Ist der Spalt weiter, ziehen Meisen oder Wespen ein; ist er enger, kommt kein Tier durch.
- Mehrere Kammern. Sie bilden unterschiedliche Temperaturbereiche, sodass die Tiere je nach Tageszeit und Wetter wechseln können. Darin liegt der eigentliche Vorteil, weniger in der Platzzahl.
- Ausreichende Höhe des Kastens. Ein höheres Gehäuse hat mehr Volumen und hält die Wärme über die Nacht länger.
- Aufgeraute Innenflächen. Fledermäuse hängen sich mit den Krallen an Rückwand und Trennbretter; an glattem Holz finden sie keinen Halt. Rillen im Abstand von etwa 5 mm sind richtig, aber kein Drahtgitter, darin verfangen sie sich.
- Dichte Fugen. Zugluft und Lichteinfall führen dazu, dass der Kasten leer bleibt. Nach dem Aufbau von innen gegen das Licht schauen.
- Anstrich nur außen. Die Innenseite bleibt roh, ohne Lack, Öl oder Holzschutzmittel. Ausdünstungen halten die Tiere über Jahre fern. Außen gehört eine diffusionsoffene Farbe darauf, etwa Leinöl- oder Silikatfarbe.
Wo der Kasten hängen muss
Der Platz entscheidet mehr als das Modell. Auch ein sorgfältig gebauter Kasten bleibt an der falschen Wand leer. Die Details stehen im Leitfaden zur Anbringung.
- Höhe 4 bis 5 m, mindestens 3 m. Die Tiere lassen sich beim Ausflug fallen und brauchen darunter freien Raum.
- Ausrichtung Süd bis Südwest. In kühlen Lagen ist die Nachmittagssonne wichtiger als die Morgensonne, weil der Kasten die Wärme in die Nacht mitnimmt. Nach Norden hängende Kästen bleiben in der Regel leer.
- Volle Sonne, 5 bis 8 Stunden am Tag. Jeder Schatten kostet hier direkt Temperatur.
- Nicht am Baumstamm, sondern an Wand oder Mast. Am Stamm ist es zu schattig, die Temperatur schwankt zu stark, und Steinmarder, Eichhörnchen und Hauskatzen kommen zu leicht heran.
- Mindestens 6 m frei vor und unter dem Einflug, ohne Äste, Kabel oder Vorsprünge, die einem Waldkauz als Ansitz dienen könnten.
- Wasser in der Nähe. Teich, Bach oder Feuchtwiese im Umkreis von einigen hundert Metern erhöht die Chancen deutlich, weil dort die Insektendichte am höchsten ist.
- Zwei Kästen statt einem, in unterschiedlicher Ausrichtung. Die Tiere wechseln je nach Wetter, was spürbar besser wirkt als ein einzelner Kasten.
- Windgeschützt. Eine zugige Nordwestlage kühlt den Kasten aus, auch wenn er dunkel ist.
Was Sie realistisch erwarten können
Ein Muster, das sich in kühlen Lagen oft wiederholt: Der Kasten hängt richtig, und trotzdem passiert die erste Saison nichts. Im Frühjahr darauf finden sich dunkle, krümelige Kotreste unter dem Einflug, das erste Zeichen, dass jemand eingezogen ist, meist einzelne Männchen. Eine Wochenstube kommt später, wenn überhaupt.
Häufig gehen eine bis drei Saisons ins Land. Eine Garantie gibt es nicht, und wer eine Erfolgsquote nennt, erfindet sie.
Zum Insektenthema mit realistischen Zahlen: Eine Zwergfledermaus frisst pro Nacht bis zu etwa 2.000 kleine Insekten. Den größten Anteil daran haben Zuckmücken, die gar nicht stechen, dazu Nachtfalter, Käfer und Stechmücken. Ein besetztes Quartier senkt den Insektendruck im Umfeld spürbar. Einen Sitzplatz räumt es damit nicht frei, denn die Tiere jagen über Wasser, an Hecken und entlang von Gebäudekanten.
Auf einen Blick
Punkt |
Wert |
Warum |
Außenfarbe |
Schwarz oder Dunkelbraun |
Nimmt Sonnenwärme auf; Ziel sind 27 bis 40 °C innen |
Spaltbreite |
15 bis 20 mm |
Das Maß, auf das die heimischen Arten angewiesen sind |
Kammern |
zwei oder drei |
Temperaturbereiche, zwischen denen die Tiere wechseln |
Höhe |
4 bis 5 m, mindestens 3 m |
Freier Abflug nach unten |
Ausrichtung |
Süd bis Südwest |
Nachmittagssonne trägt die Wärme in die Nacht |
Abstand zu Ästen |
mindestens 6 m |
Kein Ansitz für Waldkauz oder Marder |
Innenanstrich |
keiner |
Ausdünstungen halten Fledermäuse über Jahre fern |
Häufige Fehler
- Zu niedrig angebracht; unter 3 m wird ein Kasten selten angenommen.
- An einer schattigen oder nach Norden zeigenden Wand.
- Am Baumstamm statt an Wand oder Mast.
- Äste oder ein Vordach direkt vor dem Einflug.
- Innen gestrichen, geölt oder mit Holzschutzmittel behandelt.
- Nach einer Saison abgenommen. Das ist zu früh, und ein besetzter Kasten darf ohnehin nicht abgenommen werden.
Rechtlicher Rahmen
Alle 25 in Deutschland vorkommenden Fledermausarten sind streng geschützt, nach § 44 BNatSchG und Anhang IV der FFH-Richtlinie; in Österreich und der Schweiz gilt Entsprechendes. Aufhängen und Streichen sind unproblematisch. Ist der Kasten besetzt, darf er nicht geöffnet, abgenommen, umgehängt oder nachgestrichen werden. Kontrolle und Reparatur finden im Oktober oder November statt, und nur an einem leeren Kasten.
Schwarz, Braun oder naturbelassen
Kästen aus unbehandelter Zeder mit Spaltmaßen von 15 bis 20 mm und aufgerauter Innenseite – der Anstrich sitzt ausschließlich außen.
Fledermauskästen ansehenFazit
In kühlen Lagen ist Schwarz die richtige Außenfarbe, weil die Temperatur im Inneren über die Besiedlung entscheidet. Dazu gehören passende Spaltmaße, mehrere Kammern, dichte Fugen und eine rohe Innenseite. Beim Platz zählen 4 m Höhe, Südwestlage, freier Anflug und Wasser in der Umgebung. Danach braucht es vor allem Geduld.
Passend dazu: Fledermauskasten aus Zeder in kalten Lagen und Was ein Fledermauskasten im Garten bewirkt.
Häufige Fragen
Wie hoch muss ein Fledermauskasten hängen?
4 bis 5 m, mindestens 3 m, mit freiem Raum darunter.
Funktioniert ein Einkammer-Kasten?
Ja. Einkammer-Kästen werden angenommen, besonders von einzelnen Männchen und als Zwischenquartier, und sie sind der unkomplizierteste Einstieg. Zwei oder drei Kammern bieten zusätzlich unterschiedliche Temperaturbereiche und sind für eine Wochenstube die bessere Wahl.
In welche Richtung soll der Kasten zeigen?
Süd bis Südwest, mit Sonne am Nachmittag. In kühlen Lagen ist das der entscheidende Punkt.
Wie lange dauert es, bis Fledermäuse einziehen?
Häufig eine bis drei Saisons. Zuerst ziehen meist einzelne Männchen ein.
Darf der Kasten an einen Baum?
Besser an Wand oder Mast. Am Stamm ist es zu schattig, und Kletterräuber kommen leicht heran.
Wie viel Pflege braucht der Kasten?
Sehr wenig. Eine Sichtkontrolle im Oktober oder November, und nur wenn er leer ist: Fugen prüfen, Wespennester trocken entfernen, den Außenanstrich bei Bedarf erneuern.