Wenn Sie im eigenen Garten etwas für Wildtiere tun wollen, sind Fledermäuse ein guter Anfang. Sie brauchen kein großes Grundstück und keine Ausrüstung – vier Dinge genügen: ein Quartier, Insekten, Wasser und Dunkelheit.
Dieser Beitrag nennt die Maßnahmen, die tatsächlich wirken, in der Reihenfolge ihrer Wirkung – und die Fehler, die am häufigsten gemacht werden.
Warum es am Haus entschieden wird
Die meisten Fledermausarten in Mitteleuropa leben in Siedlungen, nicht im Wald. Sie jagen über Gärten, Wiesen, Teichen und entlang von Straßenzügen, und sie wohnen an Gebäuden: hinter Fassadenverschalungen, in Rollladenkästen, unter Dachrandbrettern, in Mauerspalten.
Genau diese Quartiere verschwinden. Bei jeder Fassadensanierung und jedem Dachausbau werden Spalten geschlossen, die jahrzehntelang bewohnt waren. Deshalb entscheidet sich der Fledermausschutz in Deutschland, Österreich und der Schweiz größtenteils an Privathäusern – nicht in Schutzgebieten.
Die Arten in Ihrer Umgebung kennen
In Deutschland leben 25 Fledermausarten. Am Haus begegnen Ihnen vor allem vier: die Zwergfledermaus (mit 3,5 bis 8 g die häufigste an Gebäuden), die Breitflügelfledermaus (groß, jagt langsam entlang von Hecken), der Abendsegler (jagt hoch über offenem Gelände) und die Wasserfledermaus (dicht über Gewässern). Das Große Mausohr braucht große Dachböden und nutzt keine Kästen.
Alle Details brauchen Sie nicht. Es genügt zu wissen, dass es überall dieselben vier Bedürfnisse sind: Wärme, Schutz, Insekten und Wasser – und dunkle Nächte. Welche Arten bei Ihnen vorkommen, wissen die örtliche Fledermausberatung, der NABU oder der LBV.
1. Quartier anbieten
Das ist die wirksamste Einzelmaßnahme, weil hier der Mangel liegt. Ein Fledermauskasten ersetzt eine der Spalten, die am Gebäude verloren gegangen sind.
Worauf es beim Kasten ankommt:
- Spaltmaße von 15 bis 20 mm zwischen den Kammern und am Einflugschlitz.
- Aufgeraute oder gerillte Innenflächen – an glattem Holz finden die Tiere keinen Halt. Kein Drahtgitter.
- Unbehandeltes Holz innen, ohne Lack, Öl oder Holzschutzmittel. Der Anstrich gehört ausschließlich auf die Außenseite.
- Dichte Fugen. Wo Licht hereinfällt, zieht nichts ein.
Und beim Anbringen:
- 4 bis 5 m hoch, mindestens 3 m.
- Wand oder Mast, nach Süd bis Südwest, mit Sonne am Nachmittag. Nicht am Baumstamm: zu schattig, und Kletterräuber kommen zu leicht heran.
- Mindestens 6 m frei vor und unter dem Einflug.
- Ruhig gelegen, nicht über der Terrasse oder dem Hauseingang – auch wegen des Kots darunter.
Mehr dazu im Leitfaden zur Anbringung. Die Modelle stehen in der Übersicht der Fledermauskästen.
2. Insekten im Garten zulassen
Ein Quartier ohne Nahrung in der Umgebung bleibt leer. Fledermäuse jagen Nachtfalter, Zuck- und Stechmücken, Käfer und Eintagsfliegen – und diese Insekten brauchen Pflanzen und Struktur.
- Nachtblüher pflanzen. Nachtkerze, Geißblatt, Nachtviole, Seifenkraut und Weißer Steinklee öffnen abends und ziehen genau die Nachtfalter an, von denen Fledermäuse leben.
- Heimische Sträucher und eine Hecke. Sie sind Leitlinie und Jagdrevier zugleich; viele Arten fliegen entlang solcher Strukturen und meiden offene Flächen.
- Eine wilde Ecke stehen lassen – Totholz, Laub, ungemähter Saum. Dort entwickeln sich die Insekten, die nachts fliegen.
- Rasen nicht überall kurz halten. Eine kurz gemähte, gedüngte Fläche trägt fast nichts.
3. Wasser anbieten
Fledermäuse trinken im Flug und jagen bevorzugt über Wasser, weil dort die Insektendichte am höchsten ist. Ein Gartenteich, ein Bach oder eine Feuchtwiese im Umkreis von einigen hundert Metern erhöht die Chance auf eine Besiedlung deutlich.
Wichtig ist der freie Anflug: Die Tiere brauchen eine offene Wasserfläche, die sie im Gleitflug anfliegen können. Ein Teich, der vollständig von Sträuchern umstanden ist, nützt ihnen wenig.
4. Nächte dunkel halten
Der am meisten unterschätzte Punkt. Fledermäuse meiden beleuchtete Flächen; sie fliegen bei Licht später aus, und lichtscheue Arten wie das Braune Langohr oder die Hufeisennasen geben beleuchtete Quartierausgänge ganz auf.
- Fassaden- und Gartenstrahler nachts ausschalten oder auf Bewegungsmelder legen.
- Warmweißes Licht unter 3.000 Kelvin verwenden – kaltweißes und blaues Licht zieht Insekten stärker an und entzieht sie damit den Jagdgebieten.
- Nach unten gerichtete, abgeschirmte Leuchten statt Strahler, die in den Himmel leuchten.
- Den Bereich um den Einflug des Kastens unbeleuchtet lassen.
Was Sie besser lassen
- Breit wirkende Insektizide. Sie entziehen den Tieren die Nahrungsgrundlage. Wer gleichzeitig spritzt und ein Quartier anbietet, arbeitet gegen sich selbst.
- Herbizide und intensive Rasenpflege. Sie nehmen den Wildkräutern den Platz, an denen die Insekten hängen.
- Freilaufende Hauskatzen in der Dämmerung. Hauskatzen sind wirkungsvolle Beutegreifer und fangen Fledermäuse am Quartierausgang. Wo ein Kasten hängt, hilft es, die Katze zur Ausflugzeit im Haus zu halten.
- Quartiere stören. Wenn Sie Tiere in einer Spalte oder einem Kasten entdecken: nicht öffnen, nicht hineinleuchten, nicht verschließen.
Warum sich das lohnt, steht in Was ein Fledermauskasten im Garten bewirkt.
Der rechtliche Rahmen – und warum er hier hilft
Alle 25 heimischen Fledermausarten sind streng geschützt: § 44 BNatSchG und Anhang IV der FFH-Richtlinie; in Österreich und der Schweiz gilt Entsprechendes. Verboten ist nicht nur das Töten, sondern auch das erhebliche Stören während der Aufzucht- und Winterschlafzeit und das Beschädigen eines Quartiers.
Praktisch heißt das zweierlei. Erstens: Einen Kasten aufzuhängen ist unproblematisch, ihn zu öffnen oder umzuhängen nur im Oktober oder November und nur, wenn er leer ist. Zweitens, und das ist der Punkt, der vielen nicht bewusst ist: Eine bewohnte Spalte am Haus darf bei einer Sanierung nicht einfach zugemacht werden. Wer Fledermäuse am Gebäude hat und dämmen oder ausbauen will, holt vorher die untere Naturschutzbehörde oder eine Fledermausberatung dazu – in der Regel lässt sich eine Ersatzlösung einplanen, die alle Seiten trägt.
Was Fledermäuse je nach Lage am dringendsten brauchen
Lage |
Vordringlich |
Warum |
Küste, Norddeutsche Tiefebene |
Dunkler Kasten, windgeschützt |
Hält die Temperatur, die eine Wochenstube für die Aufzucht braucht |
Mittelgebirge, Alpenvorland |
Nachmittagssonne und dunkle Außenfarbe |
Die Nächte kühlen selbst im Sommer schnell ab |
Gemäßigte Lagen wie Rhein-Ruhr oder Franken |
Insektenangebot und Hecken als Leitlinie |
Wärme ist hier seltener das Problem als Nahrung |
Warme Sommerlagen wie Oberrhein oder Wiener Becken |
Wasser und hellere Außenfarbe |
Die einzigen Lagen, in denen Überhitzung ein Thema ist |
Stadt- und Reihenhausgarten |
Dunkelheit und ein freier Anflug |
Beleuchtung und verbaute Anflüge sind hier die Engstellen |
Ein typischer Verlauf
Ein Muster, das sich oft wiederholt: Der erste Kasten hängt an einer schattigen Wand und bleibt eine Saison lang leer. Nach dem Wechsel an eine Wand mit Nachmittagssonne, zusammen mit einer neu gepflanzten Hecke und abgeschalteter Gartenbeleuchtung, wird er im folgenden Jahr angenommen – zuerst von einzelnen Männchen.
Der Kasten war nie das Problem. Es waren Sonne, Nahrung und Licht. Und: Ein Wechsel ist nur zulässig, solange der Kasten leer ist.
Mit dem Quartier anfangen
Kästen aus unbehandelter Zeder, innen aufgeraut, mit Spaltmaßen von 15 bis 20 mm – in Schwarz, Braun und naturbelassen.
Fledermauskästen ansehenFazit
Fledermausschutz am Haus ist keine große Sache: ein Kasten an der richtigen Wand, Nachtblüher und eine Hecke, Wasser in der Umgebung, Licht aus. Das Entscheidende daran ist die Richtung – Quartier zuerst, weil daran der Mangel hängt. Und wenn Tiere einziehen, ist das Beste, was Sie tun können, nichts zu tun.
Häufige Fragen
Sind Fledermäuse gefährlich?
Sie suchen keinen Kontakt zu Menschen und jagen Insekten. Eine Regel gilt aber ohne Ausnahme: kein gefundenes Tier mit bloßen Händen anfassen. Europäische Fledermäuse können in seltenen Fällen Europäische Fledermaus-Lyssaviren tragen. Nach Biss oder Kratzer am selben Tag zum Arzt; für die Bergung feste Handschuhe und die Fledermausberatung einschalten.
Wie lange dauert es, bis Fledermäuse einziehen?
Zwischen wenigen Monaten und drei Jahren. Die meisten Kästen werden im Frühjahr der Folgesaison angenommen, und zuerst meist von einzelnen Männchen. Eine Garantie gibt es nicht.
Welche Höhe ist richtig?
4 bis 5 m, mindestens 3 m, an einer Wand oder einem Mast nach Süd bis Südwest.
Darf der Kasten an einen Baum?
Möglich, aber deutlich schlechter: zu schattig, zu starke Temperaturschwankungen, und Steinmarder, Eichhörnchen und Katzen kommen leicht heran.
Helfen Fledermäuse gegen Mücken?
Sie senken den Insektendruck im Umfeld. Eine Zwergfledermaus frisst bis zu etwa 2.000 kleine Insekten pro Nacht – der größte Anteil davon sind allerdings Zuckmücken, die nicht stechen. Rechnen Sie mit weniger Mücken, nicht mit keinen.
Was mache ich, wenn bei einer Sanierung Fledermäuse auftauchen?
Arbeiten in diesem Bereich einstellen und die untere Naturschutzbehörde oder eine Fledermausberatung einschalten. Die Spalte zu verschließen ist ein Verstoß gegen § 44 BNatSchG; mit Beratung lässt sich fast immer eine Ersatzlösung einplanen.