Ja, im Sommer darf gefüttert werden, und die Vögel nehmen es an. Gegenüber dem Winter ändern sich zwei Dinge. Das Futter muss hitzestabil sein, sobald die Tagestemperaturen regelmäßig über etwa 25 °C liegen. Und in der Brutzeit kommt es auf etwas anderes an als auf Fett.
Der Stand der Debatte
Anders als in englischsprachigen Ratgebern gilt die Ganzjahresfütterung bei uns als offene Fachfrage. Es lohnt, beide Seiten zu kennen.
Die klassische Position der Naturschutzverbände: Füttern ist vor allem im Winter sinnvoll, etwa von November bis Ende Februar und besonders bei Frost und Schneelage. Der Nutzen ist verlässlich, kommt aber den ohnehin häufigen Arten wie Kohlmeise, Blaumeise und Buchfink zugute, während die bedrohten Arten davon kaum profitieren. Wer etwas gegen die Rückgänge tun will, kommt über Lebensraum weiter als über Futter: Totholz, heimische Sträucher, Blühflächen, weniger Mähen, keine Insektizide.
Die Gegenposition, prominent von Ornithologen wie Peter Berthold vertreten: In einer ausgeräumten Landschaft ist das Nahrungsangebot ganzjährig so dünn, dass eine durchgehende Fütterung den Bruterfolg messbar verbessert.
Für die Praxis heißt das: Sommerfütterung ist vertretbar, wenn sie hygienisch läuft. Ein insektenreicher Garten wiegt dabei schwerer, und wer nur eine Sache tun kann, sollte den Garten ändern.
Was Hitze mit normalem Fettfutter macht
Ausgelassener Rindertalg wird deutlich früher weich, als er sichtbar schmilzt. Drei Dinge folgen daraus, in dieser Reihenfolge:
- Es wird weich und schmierig. Weiches Fett überträgt sich beim Fressen auf Brust- und Kopffedern. Am Kopf ist das ein echtes Problem, weil Vögel sich dort nicht putzen können und verklebte Federn ihre isolierende Struktur verlieren.
- Es wird ranzig. Wärme beschleunigt die Oxidation. Ranziges Fett riecht säuerlich; die Vögel meiden es meist, aber ein verdorbener Block im Spender ist verlorenes Futter und ein Ort, an dem sich Bakterien vermehren.
- Es tropft. Schmelzendes Fett läuft am Spender herunter, zieht Ameisen, Wespen und Waschbären an und hinterlässt auf Holz Rückstände, die sich schlecht entfernen lassen.
Ein hitzestabiles Futter löst das, weshalb im Sommer ein Wechsel ansteht und keine Pause.
Hitzestabiles Sommerfutter
Sommerfutter mischt das Fett mit einem höheren Anteil an Mehl, Haferflocken oder Maisgrieß und verschiebt damit die Temperatur, bei der der Block seine Form verliert. Solche Mischungen halten in der Regel bis um 38 °C. Sie wirken dichter und trockener als Winterblöcke; die Vögel nehmen sie genauso an.
Zwei Hinweise:
- Auf die Auszeichnung achten. Suchen Sie nach „Sommerfutter“, „hitzestabil“ oder „ganzjährig“. Was nur als Fettfutter oder Meisenknödel verkauft wird, ist meist die Wintermischung.
- Selbst mischen. Kokosfett ist hitzestabiler als Rindertalg, und ein höherer Anteil Haferflocken macht die Masse fester. Ungesalzen, ohne Gewürze, ohne Speisereste.
Wenn im Sommer Eichhörnchen der eigentliche Grund für Ärger am Spender sind, löst man das über Abstände, eine Manschette und ein eigenes Angebot. Wie das geht, steht unter Eichhörnchen und große Vögel am Fettfutter.
Brutzeit: worauf es wirklich ankommt
Dieser Punkt fehlt in übersetzten Ratgebern meist. Nestlinge brauchen tierisches Eiweiß. Eine Kohlmeise trägt für eine einzige Brut mehrere tausend Raupen ein, und Fettfutter kann das nicht ersetzen. Zwei konkrete Regeln für Mai bis Juli:
- Keine ganzen Erdnüsse und keine groben Brocken. Altvögel tragen sie ins Nest, und daran können Nestlinge ersticken. Im Sommer nur fein gehacktes oder geschrotetes Futter anbieten.
- Insekten haben Vorrang. Eine ungemähte Ecke, heimische Sträucher und der Verzicht auf Insektizide bringen der Brut mehr als jeder Block. Der Spender bleibt eine Zugabe zu dieser Grundlage.
Was Sommerfütterung trotzdem bringt
Der Betrieb am Spender geht im Sommer zurück, weil Insekten reichlich vorhanden sind. Zwei Gruppen nutzen ihn aber weiter.
Erstens die Altvögel. Eine Brut aufzuziehen ist die energieintensivste Phase im Vogeljahr, und eine verlässliche, kalorienreiche Quelle in kurzer Flugdistanz spart Suchzeit, die dann ins Eintragen von Insekten geht.
Zweitens die Jungvögel, und deshalb lohnt das Zusehen im Sommer besonders. Gerade selbständig gewordene Vögel sind ungeschickte Sammler und folgen den Eltern an den Futterplatz. Im Spätsommer sehen Sie mit der besten Wahrscheinlichkeit einen jungen Buntspecht, der herausfindet, wie eine Schwanzstütze funktioniert.
Den Spender durch eine Hitzewelle bringen
- In den Schatten hängen. Ein Spender im Nachmittagsschatten bleibt deutlich kühler als einer in der Sonne, und das verlängert die Haltbarkeit jedes Blocks. Unter einer Baumkrone ist es am besten, und die Kleinvögel sind dort ohnehin näher an der Deckung.
- Nur einen Block einlegen. Ein doppeltes Gitter ist im Winter nützlich, wenn viel Betrieb ist. Im Sommer sorgt ein einzelner Block dafür, dass er aufgefressen ist, bevor er verdirbt.
- Häufiger reinigen. Alle ein bis zwei Wochen statt monatlich. Gitter öffnen, Rückstände ausbürsten, mit heißem Wasser ausspülen und das Holz vollständig trocknen lassen, bevor neu befüllt wird.
- Reste entfernen. Liegt ein Block bei Wärme länger als zwei Wochen, wird er ersetzt, statt frisches Futter darum herum zu legen.
Wasser – und die Warnung dazu
Eine Tränke bringt im Juli mehr als jedes Futter. Flach, mit einem Stein als Ausstiegshilfe, katzensicher aufgestellt und täglich frisch.
Der wichtigste Absatz in diesem Text ist der folgende. An Tränken und Futterplätzen überträgt sich im Sommer die Trichomonadose, eine Infektion, an der in Mitteleuropa regelmäßig ganze Grünfinkenbestände zusammenbrechen. Der Erreger wird über Wasser und Speichel weitergegeben; eine nicht gereinigte Tränke wird dann zur Ansteckungsquelle für den ganzen Garten.
- Tränke täglich ausgießen, ausbürsten und mit frischem Wasser neu befüllen. Nicht nachfüllen, sondern wechseln.
- Sitzen am Futterplatz auffällig aufgeplüsterte, teilnahmslose Vögel oder Tiere mit Schluckbeschwerden, dann Fütterung und Tränke sofort für zwei bis drei Wochen vollständig einstellen und alles gründlich reinigen.
- Tote Vögel nicht mit bloßen Händen anfassen; Handschuhe benutzen.
Wer nicht täglich reinigen kann, sollte im Sommer besser keine Tränke anbieten, weil eine vernachlässigte Tränke am Ende mehr Schaden anrichtet als Nutzen bringt.
Wann zurückwechseln
Zurück zur Wintermischung, sobald die Tagestemperaturen unter etwa 20 °C liegen, in Mitteleuropa meist im September. Der Zeitpunkt passt, denn im Herbst wird Fettfutter wieder wirklich wertvoll: Die Insekten gehen zurück, die Vögel legen Reserven an, und der Betrieb am Spender steigt durch Oktober und November deutlich.
Wer den Spender über den Sommer hängen lässt, geht mit Vögeln in die Hauptsaison, die den Garten schon als Futterquelle kennen. Die Gewohnheit muss dann nicht erst wieder aufgebaut werden. Unser Fettfutter-Spender aus Zedernholz besteht aus unbehandeltem Rotzedernholz mit wetterfestem Dach und übersteht einen ganzen Sommer draußen, ohne sich zu verziehen oder versiegelt werden zu müssen.
Kurzfassung
Sommerfütterung ist möglich: hitzestabiles Futter etwa von Mai bis September, Spender in den Schatten, nur einen Block einlegen, alle ein bis zwei Wochen reinigen. In der Brutzeit nichts Grobes anbieten und daran denken, dass Nestlinge Insekten brauchen. Tränke dazu, aber nur bei täglicher Reinigung. Sie sehen weniger Vögel als im Winter, dafür die Jungen beim Lernen, und Ihre Stammgäste sind im Oktober noch da. Wer im Sommer kommt, steht unter welche Vögel Fettfutter fressen.
Ganzjährig draußen
Unbehandeltes Rotzedernholz, wetterfestes Dach, Schwanzstütze für Spechte.
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