Fledermaus-, Eulen- und Bienenquartiere richtig pflegen

Wildlife Care: Expert Guide to Maintaining Bat, Owl, and Bee Houses Image by Jürgen from Pixabay

Bei Nistkästen und Nisthilfen entscheidet vor allem eine Sache: der Zeitpunkt. Wer zur falschen Jahreszeit öffnet, reinigt oder umhängt, richtet mehr Schaden an als jemand, der nie etwas anfässt – und verstoßt unter Umständen gegen das Naturschutzrecht. Die drei Quartiertypen haben dabei drei verschiedene Zeitfenster, und ausgerechnet das Bienenhotel hat das am wenigsten naheliegende.

Dieser Beitrag nennt für jeden Typ das Fenster, den Aufwand und die Dinge, die man besser lässt.

Vorweg: die Rechtslage

Alle 25 heimischen Fledermausarten und alle heimischen Eulenarten sind streng geschützt – nach § 44 BNatSchG und, bei den Fledermäusen, nach Anhang IV der FFH-Richtlinie. Verboten ist nicht nur das Töten, sondern auch das erhebliche Stören während der Fortpflanzungs-, Aufzucht- und Überwinterungszeit sowie das Beschädigen von Quartieren. Praktisch heißt das: Ein besetztes Quartier wird nicht geöffnet, nicht abgenommen und nicht umgehängt. In Österreich und der Schweiz gilt Entsprechendes.

Das ist keine Formalie. Eine gestörte Wochenstube gibt ein Quartier oft dauerhaft auf, und eine im Winterschlaf geweckte Fledermaus verbraucht Fettreserven, die bis zum Frühjahr reichen müssen.

Fledermauskasten

Zeitfenster: Oktober bis November, und nur wenn der Kasten leer ist.

Dann sind die Wochenstuben aufgelöst und die Tiere in die Winterquartiere abgewandert, die in der Regel nicht der Gartenkasten ist. Vorher prüfen Sie von unten, ob Tiere hängen – mit einer Taschenlampe kurz in den Einflugschlitz, ohne den Kasten zu öffnen oder zu berühren. Hängt noch etwas darin, bleibt er zu.

Was dann zu tun ist, ist wenig:

  • Mit einer trockenen, weichen Bürste Wespen- oder Hornissennester entfernen, sofern sie nicht mehr besetzt sind.
  • Fugen, Deckel und Aufhängung auf Dichtigkeit prüfen. Gegen das Licht schauen: Wo Helligkeit hereinfällt, nacharbeiten.
  • Den Außenanstrich bei Bedarf erneuern. Innen niemals – kein Lack, kein Öl, kein Holzschutzmittel, keine Seife, kein Desinfektionsmittel. Die Ausdünstungen halten Fledermäuse über Jahre fern.

Kot bleibt liegen oder wird nur grob entfernt. Ein Fledermauskasten hat keinen Boden, der sich zusetzt – das meiste fällt von selbst heraus. Guano am Boden unter dem Kasten können Sie abfegen und ins Beet geben.

Außenfarbe nach Region

Innen sollten tagsüber 27 bis 40 °C erreicht werden; Wochenstuben brauchen diese Wärme für die Aufzucht. Nördlich der Alpen sind Kästen fast immer zu kühl, nicht zu warm.

  • Schwarz für kühle und wechselhafte Lagen: Küsten, Norddeutsche Tiefebene, Mittelgebirge, Alpenvorland, Schweizer Mittelland.
  • Braun für gemäßigte Lagen: Rhein-Ruhr, Hessen, Franken, Thüringen, Sachsen.
  • Zeder, unbehandelt für ausgesprochen warme Sommerlagen: Oberrheingraben, Pfalz, Wiener Becken, Burgenland, Wallis und Tessin.

Eulenkasten

Zeitfenster: September bis Oktober.

Früher nicht, weil die Schleiereule bei gutem Mausjahr eine zweite Brut bis in den Spätsommer zieht. Später nicht, weil Waldkauz und Steinkauz ihr Revier schon im Herbst besetzen und der Kasten dann auch als Tagesversteck dient. Waldkäuze beginnen die Brut oft bereits im Februar.

  • Erst kontrollieren, dann entscheiden: Sitzt ein Vogel darin, bleibt der Kasten zu.
  • Altes Nistmaterial, Gewölle und Beutereste trocken ausräumen. Dabei Handschuhe und, weil viel Staub entsteht, eine FFP2-Maske tragen.
  • Keine Bleiche, keine Desinfektionsmittel. Trocken ausbürsten genügt; bei starker Verschmutzung mit heißem Wasser nachwischen und vollständig durchtrocknen lassen.
  • Eine frische Einstreu aus 3 bis 5 cm Sägespänen oder Rindenmulch einbringen – Eulen bauen kein Nest, sie legen direkt auf den Untergrund.
  • Marderschutz prüfen: eine Einflugkammer oder ein vorgesetztes Rohr hält Steinmarder, Eichhörnchen und Hauskatzen ab. Das sind die relevanten Nesträuber in Mitteleuropa.

Bienenhotel – und hier wird es oft falsch gemacht

Zeitfenster: Juli bis August, und nur die eindeutig leeren Röhren.

Der häufigste Ratschlag im Netz lautet, Nisthilfen im Herbst zu reinigen, „nachdem die Bienen weg sind“. Das ist falsch. Wildbienen sind im Herbst nicht weg – ihre Brut sitzt in den verschlossenen Röhren und überwintert dort als Ruhelarve oder als fertige Biene. Wer im Herbst ausräumt, tötet den kompletten Nachwuchs des Jahres.

So läuft es richtig:

  • Verschlossene Röhren bleiben, wo sie sind – über den ganzen Winter, bis ins nächste Frühjahr und bis die Deckel geöffnet sind. Ein Lehm- oder Blattpfropfen heißt: bewohnt.
  • Erst im Sommer, wenn die Tiere geschlüpft sind und die Röhren offen und leer daliegen, können alte Röhren getauscht werden.
  • Ausgefranste, aufgesplitterte oder aufgeweichte Röhren ersetzen – daran verletzen sich die Tiere die Flügel. Papphülsen und Schilfhalme sind Verbrauchsmaterial und werden alle zwei bis drei Jahre erneuert; gebohrtes Hartholz hält länger.
  • Die Nisthilfe muss trocken hängen, mit Dachvorsprung oder unter einem Vordach, Front nach Süd bis Südost. Feuchtigkeit ist die häufigste Verlustursache, nicht Parasiten.
  • Nicht winterfest einpacken und nicht ins Haus holen. Die Brut braucht die Kälte; im warmen Schuppen schlüpfen die Tiere zur falschen Zeit und verhungern.

Zu den Parasiten: Goldwespen und Kuckucksbienen an der Nisthilfe gehören dazu und sind ein Zeichen für ein funktionierendes Kleinsystem – kein Grund einzugreifen. Milbenbefall zeigt sich in den Folgejahren, wenn dieselben Röhren immer wieder genutzt werden; dagegen hilft, Röhren turnusmäßig zu tauschen. Und: Eine kleine, saubere Nisthilfe mit passenden Durchmessern bringt mehr als eine große mit Tannenzapfen, Stroh und Glasröhrchen.

Der Jahreskalender

Zeit

Fledermauskasten

Eulenkasten

Bienenhotel

März–Juni

nichts tun – Wochenstubenzeit

nichts tun – Brutzeit

nichts tun – Flug- und Nistzeit, nur beobachten

Juli–August

nichts tun

nichts tun – Schleiereule kann noch brüten

leere Röhren tauschen

September–Oktober

ab Oktober Kontrolle, wenn leer

reinigen und neu einstreuen

nichts tun – Brut überwintert

November

Kontrolle und Reparatur, wenn leer

nichts tun – Revier besetzt

nichts tun

Dezember–Februar

nicht öffnen – Winterschlaf möglich

nicht öffnen – Waldkauz beginnt im Februar

nichts tun

Was man besser lässt

  • Ein besetztes Quartier umhängen. Wenn ein Kasten nach zwei oder drei Jahren leer bleibt, ist ein neuer Platz sinnvoll – aber nur im Oktober oder November und nur, wenn er tatsächlich leer ist.
  • Innen behandeln. Weder Anstrich noch Imprägnierung, weder Seife noch Desinfektionsmittel, bei keinem der drei Quartiertypen.
  • Drahtgitter einbauen, damit Fledermäuse besser Halt finden. Sie verfangen sich darin. Waagerechte Rillen im Holz sind der richtige Weg.
  • Insektizide im Garten ausbringen und gleichzeitig Quartiere anbieten. Das eine hebt das andere auf.
  • Zu häufig kontrollieren. Einmal im Jahr, im richtigen Fenster, genügt bei allen drei Typen.

Woran Sie erkennen, dass ein Quartier genutzt wird

Alles von außen, ohne Öffnen:

  • Fledermauskasten: dunkle, krümelige Kotreste aus Insektenteilen unter dem Einflug, dazu Fettspuren am Einflugschlitz. Wer zur Dämmerung an einem warmen Abend danebensteht, sieht die Tiere ausfliegen.
  • Eulenkasten: Gewölle und Kotspritzer unter dem Kasten, Rufe in der Dämmerung.
  • Bienenhotel: verschlossene Röhren – mit Lehm bei Mauerbienen, mit Blattstückchen bei Blattschneiderbienen, mit Pflanzenwolle bei Wollbienen. Ein ruhiges Hotel im Juni ist nicht zwangsläufig leer; es kann auch schon fertig belegt sein.

Quartiere, die kaum Pflege brauchen

Unbehandelte Zeder, dichte Fugen, aufgeraute Innenflächen und passende Spaltmaße – damit bleibt über Jahre nur die jährliche Sichtkontrolle.

Fledermauskästen ansehen

Fazit

Die Pflege dieser Quartiere ist wenig Arbeit, aber der Kalender ist nicht verhandelbar: Fledermauskasten im Oktober oder November, Eulenkasten im September oder Oktober, Bienenhotel im Juli oder August. Wer sich diese drei Zeilen merkt, macht schon fast alles richtig – und wer in der übrigen Zeit gar nichts tut, macht nichts falsch.

Passend dazu: Fledermauskasten pflegen: 5 Punkte und die Nisthilfe für Wildbienen über das Jahr. Quartiere finden Sie bei den Fledermauskästen, Eulenkästen und Bienenhotels.

Häufige Fragen

Womit reinige ich die Kästen?

Trocken, mit einer weichen Bürste. Bei starker Verschmutzung eines Eulenkastens heißes Wasser und vollständig durchtrocknen lassen. Keine Seife, keine Bleiche, kein Desinfektionsmittel, niemals Anstrich oder Öl im Inneren.

Wie oft muss ich kontrollieren?

Einmal im Jahr, im jeweils richtigen Zeitfenster. Öfter ist kein Vorteil, sondern eine Störung.

Welche Nesträuber gibt es in Mitteleuropa?

Steinmarder, Eichhörnchen, Hauskatze, Waschbär und beim Steinkauz auch der Waldkauz. Eine Einflugkammer oder ein vorgesetztes Rohr hält die meisten davon ab.

Darf ich einen Kasten versetzen, wenn er nicht genutzt wird?

Ja – aber nur, wenn er leer ist, und beim Fledermauskasten nur im Oktober oder November. Meist liegt es an der Ausrichtung, an fehlender Sonne am Nachmittag oder an einem verbauten Anflug.

Woran erkenne ich, dass ein Fledermauskasten überhitzt?

Daran, dass Tiere tagsüber ausfliegen, unter den Kasten kriechen oder mit geöffnetem Maul hecheln. Nördlich der Alpen ist das selten; im Zweifel hilft ein zweiter Kasten in anderer Ausrichtung, zwischen dem die Tiere wechseln können.

Wann reinige ich ein Bienenhotel?

Im Juli oder August, und nur die offenen, leeren Röhren. Im Herbst und Winter sitzt die Brut in den verschlossenen Röhren – dann bleibt alles unberührt.